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VW-Chef Diess warnt - Auch unsere Kräfte sind endlich

27.03.2020 um 11:47 Uhr

Hamburg/Frankfurt (Reuters) - VW-Chef Herbert Diess sieht den Wolfsburger Autokonzern trotz eines guten Liquiditätspolsters wegen der Corona-Krise vor einer kritischen Phase.

Da die Werke außerhalb Chinas still stünden und Volkswagen keine Autos verkaufe, fielen die Einnahmen weg, erläuterte Diess am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Markus Lanz". "Das bedeutet, die Liquidität wird weniger. Das sind rund zwei Milliarden pro Woche." Finanzvorstand Frank Witter machte klar, dass Volkswagen in der Pandemie dennoch ohne staatliche Finanzhilfen auskommen wolle. Dafür sei durch den Rekordgewinn des vergangenen Jahres die Basis gelegt worden, sagte er der "Börsen-Zeitung". Zuletzt hatte der weltgrößte Autobauer in seinem Kerngeschäft eine Nettoliquidität von gut 21 Milliarden Euro.

Volkswagen steuert dagegen, um den Mittelabfluss einzugrenzen. Projekte, die nicht erfolgskritisch seien, würden verschoben, sagte Diess. Das werde der Konzern "einige Wochen und auch einige Monate durchstehen können, aber nicht unendlich". In dieser Situation helfe das Kurzarbeitergeld in Deutschland, ähnliche Programme gebe es auch in anderen Ländern. Volkswagen schickt in Deutschland rund 80.000 Mitarbeiter in Zwangsurlaub, deren Löhne zu 60 bis 67 Prozent von der Bundesagentur für Arbeit übernommen werden.

VON CHINA LERNEN

Diess empfahl, sich bei der Bekämpfung der Virus-Krise an China zu orientieren. Dort hatte der Staat das öffentliche Leben für mehrere Wochen weitgehend lahmgelegt, um die Lungenkrankheit einzudämmen. Das Beispiel zeige: "Man kann diese Krise bewältigen und man kann danach auch wieder eine gesunde Wirtschaft haben, ohne einen großen Arbeitsplatzverlust", sagte Diess. Eine Garantie, dass alle in Kurzarbeit gehenden Mitarbeiter danach wieder voll arbeiten könnten, könne er nicht geben. Dies hänge davon ab, wie schnell der Stillstand überwunden werde.

Volkswagen bereite sich darauf vor, die Produktion nach der Krise wieder anlaufen zu lassen. Dazu würden Sanitärbereiche umgebaut, Masken bereitgestellt und die Arbeitsabläufe so organisiert, dass die Mitarbeiter stärker voneinander getrennt würden. Diess zeigte sich zuversichtlich, dass es gelingen werde, die Produktion so umzubauen, dass keiner mehr Angst haben müsse, sich anzustecken. Sollte sich der Shutdown aber Monate oder gar Jahre hinziehen, werde das sicherlich strukturelle Einflüsse aufs Geschäft haben.

KEINE NEUEN PLÄNE FÜR BETEILIGUNGSVERKÄUFE

Witter verwies darauf, dass der Wolfsburger Konzern über ein "erhebliches Netz" an Kreditlinien verfüge, sowie Zugang zu Geld-und Kapitalmärkten und auf Einlagen der VW-Bank von über 30 Milliarden Euro habe. "Wir sollten die Kraft haben, die Coronakrise mit diesen Instrumenten durchzustehen und die Liquidität auf den notwendigen Level halten." Über neue Pläne für Beteiligungsverkäufe denke VW derzeit nicht nach, bekräftigte Witter.

Er betonte, dass es in den kommenden Wochen und Monaten vor allem um die Sicherung der Liquidität gehen werde. Dazu gehöre, Auszahlungen zu reduzieren, sämtliche Programme, Investitionen, Beraterleistungen und anderes einer sehr kritischen Überprüfung zu unterziehen. "Der Einzahlungsstrom hat sich im Zuge der fehlenden Fahrzeugverkäufe stark verengt, daher müssen wir auch den Auszahlungsstrom auf das begrenzen, was aktuell wirklich wichtig ist." Wichtige Themen wie der Ausbau der Software-Kompetenz und die Elektromobilität würden nicht vom Tisch fallen, andere Projekte jedoch hinterfragt. An der Dividendenerhöhung will Witter hingegen nicht rütteln. Der Vorschlag, den Aktionären für das Geschäftsjahr 2019 eine um 35 Prozent steigende Ausschüttung zu zahlen, sei "im Moment" angemessen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) forderte Witter auf, zur Stabilisierung der Märkte verstärkt kurzfristige Schuldtitel von Firmen zu kaufen. In der "Financial Times" wandte er sich direkt an die Währungshüter und forderte "so bald wie möglich" klare Signale, sechs- bis neunmonatige Papiere aufzukaufen. VW habe zwar eine Reihe von Refinanzierungsquellen, doch seien nicht mehr alle so liquide wie zuvor. "Der Druck auf den eingehenden Geldfluss ist groß", betonte Witter.

Die EZB hat bereits angekündigt, kurzlaufende Unternehmensanleihen – Commercial Papers – in großem Umfang zu kaufen, um Firmen in der Krise unter die Arme zu greifen. Die Währungshüter begannen mit diesen Käufen am Donnerstag. VW hat dem Datenanbieter Refinitiv zufolge 227 Anleihen im Umlauf, die 2020 auslaufen. Davon wurden 68 innerhalb der letzten zwölf Monate ausgegeben und sind in Euro denominiert. Deren Volumen beläuft sich auf knapp 3,9 Milliarden Euro.

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