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Clinton hat Pharmabranche wegen "Wucherei" im Visier

29.10.2015 um 09:41 Uhr

- von Ben Hirschler und Bill Berkrot

New York/London (Reuters) - Die aussichtsreiche US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat einen neuen Lieblingsfeind - und er kommt nicht aus dem Lager der Republikaner.

Die Demokratin hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder die Pharmaindustrie vorgeknöpft und zieht diese in den Wahlkampf um die Nachfolge von Barack Obama hinein. "Preiswucherei" müssen sich die Unternehmen vorwerfen lassen. Die erfolgsverwöhnten Konzerne sind in der Defensive, ihre Aktienkurse stehen unter Druck.

Seit Jahren steht die Branche schon wegen regelmäßiger Preiserhöhungen bei rezeptpflichtigen Medikamenten in der Kritik. Doch jetzt bekommen die Vorwürfe eine ganz andere Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gibt es in den USA keine Preiskontrollen. Clinton wartete nun - rund ein Jahr vor der Präsidentenwahl - sogar mit einem ganzen Maßnahmenpaket auf. Einer der Auslöser für Clintons Vorstoß war das Vorgehen der US-Firma Turing Pharmaceuticals, das ihrer Meinung nach ein Schlaglicht auf willkürliche Preisfestsetzungen bei Arzneien wirft.

Was war passiert? Turing-Chef Martin Shkreli hob im September den Preis für das Toxoplasmose-Medikament Daraprim auf 750 Dollar von zuvor 13,50 Dollar an - ein Aufschlag von rund 5500 Prozent. Das Medikament zur Behandlung der von Parasiten übertragenen Infektionskrankheit ist bereits seit 62 Jahren auf dem Markt und Turing hatte erst kurz zuvor die Rechte an dem Mittel erworben, das keinen Patentschutz mehr hat. Shkreli begründete den Aufschlag in Medien unter anderem damit, einen großen Konzern aufbauen zu wollen.

Die frühere Außenministerin und "First Lady" forderte die Verbraucherschutzbehörde auf, gegen Turing wegen wettbewerbsschädlichem Verhalten zu ermitteln. Sie spricht in öffentlichen Auftritten gern von "Abzocke" und "ungeheuerlichen" Preiserhöhungen. In ihrer Wahlwerbung heißt es: "Niemand in Amerika sollte zwischen dem Bezahlen eines Medikaments und dem Bezahlen der Miete wählen müssen."

Die Favoritin unter den demokratischen Präsidentschaftsbewerbern plant, die monatlichen Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Mittel und Behandlungen auf maximal 250 Dollar zu begrenzen. Darüber hinaus hat sie die Wettbewerbsbehörden aufgerufen, nach Möglichkeiten zu suchen, günstigere Nachahmer-Medikamente schneller auf den Markt zu bringen und wettbewerbsschädliche Praktiken in der Branche besser zu unterbinden. Damit rückt auch die nach dem Amtsinhaber benannte Gesundheitsreform "Obamacare" in den Wahlkampf hinein. Sie wird von den Republikanern vehement abgelehnt.

BEHANDLUNG DEUTLICH TEURER ALS IN EUROPA

Eine Krebserkrankung kann einen US-Amerikaner deutlich teurer zu stehen kommen als einen Europäer. Einer Studie zufolge verlangen Pharmakonzerne in den USA für einige Krebsmedikamente das 600-Fache des geschätzten Herstellungspreises. Kosten, für die nicht nur Krankenkassen und Patienten aufkommen, sondern auch der Staat. Laut einer Erhebung des britischen Pharmakologen Andrew Hill von der Britischen Universität in Liverpool zahlen die Amerikaner beispielsweise mehr als doppelt so viel für sogenannte Tyrosinkinase-Hemmer zur Behandlung von Krebszellen als in Europa fällig werden.

Die Pharmaindustrie argumentiert, dass sie auf hohe Gewinne angewiesen ist, um weiterhin in Forschung und Entwicklung investieren zu können. Doch die enormen Preise - vor allem für neuere Mittel - sorgen für Unmut bei den Krankenkassen und Patienten.

Mittlerweile signalisieren einige Firmen Verständnis und Entgegenkommen. So kündigte der Chef des kanadischen Pharmakonzerns Valeant, J. Michael Pearson, jüngst gegenüber Investoren an, dass 2016 wohl kein einziges Medikament um mehr als zehn Prozent verteuert wird. Die US-Strafbehörden ermitteln gegen den Konzern bereits wegen Wucher. Der Entwicklungschef von Teva, Michael Hayden, sagte zudem, die Pharmabranche müsse bei der Preissetzung verantwortlich handeln: "Es ist nicht unser Ziel, Geld zu verdienen und dadurch das ganze Gesundheitssystem zum Erliegen zu bringen."

Konkrete Beispiele dafür, dass Arzneien in den USA teurer als im Rest der Welt sind, gibt es aber noch immer zuhauf. Amgen brachte kürzlich das Cholesterin-Mittel Repatha in Europa für etwa die Hälfte des Preises auf den Markt, der in den USA verlangt wird. Die Arznei Tarceva von Roche zur Behandlung von Lungenkrebs kostet in den USA über ein Jahr hinweg 79.000 Dollar und in Westeuropa bis zu 29.000 Dollar.

An Turing Pharmaceuticals scheint der Aufschrei aber abzuperlen. Zwar versprach Firmenchef Shkreli zunächst, den Preis für Daraprim zu senken, allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen. Zuletzt teilte Turing lediglich mit, Fortschritte bei der Erschwinglichkeit des Medikaments zu machen.

Amgen Inc. Chart
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