Reuters

Wichtiger Qiagen-Aktionär stellt sich gegen Milliarden-Übernahme

03.07.2020 um 16:42 Uhr

Zürich (Reuters) - Gegen die geplante Übernahme des größten deutschen Biotechunternehmens Qiagen regt sich Widerstand.

Das Angebot des US-Laborausrüsters Thermo Fisher von 39 Euro je Aktie oder insgesamt rund 10,4 Milliarden Euro sei deutlich zu niedrig, sagte einer der zehn größten Qiagen-Aktionäre der Nachrichtenagentur Reuters. Die Firma sei über ein Fünftel mehr wert. "Die Welt hat sich seit der Veröffentlichung des Angebots am 3. März massiv verändert", erklärte der Investor. Die Covid-19-Pandemie habe für den Diagnostik-Zulieferer eine völlig neue Ausgangslage geschaffen. Die Aussichten von Qiagen als unabhängiges Unternehmen seien besser als das vorliegende Angebot von Thermo Fisher.

Die hohe Nachfrage nach Testprodukten für den Nachweis des Coronavirus haben Qiagen im bisherigen Jahresverlauf Schub verliehen. Während das Unternehmen Anfang Februar für das erste Quartal noch ein Wachstum von zwei bis drei Prozent in Aussicht gestellt hatte, waren es dann tatsächlich neun Prozent. Und für das zweite Quartal peilt die Firma ein Umsatzwachstum von mindestens zwölf Prozent an. Der Rückenwind werde stärker sein und länger andauern, als sich dies noch vor kurzem abgezeichnet habe, so der Aktionär. 2019 kam die Firma, die ihren operativen Sitz in Hilden bei Düsseldorf hat, deren Holding allerdings im niederländischen Venlo ansässig ist, auf einen Umsatz von 1,53 Milliarden Dollar.

Die Annahmefrist für das Angebot läuft noch bis zum 27. Juli. Vorstand und Aufsichtsrat von Qiagen unterstützen die Offerte. Der Aktienkurs deutet nicht darauf hin, dass die Anleger mit einer Erhöhung des Angebots rechnen. Qiagen notierte bei 38,05 Euro. Thermo Fisher hat sich für sein Angebot das Erreichen einer Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent zum Ziel gesetzt. Bei einer Zustimmung von Qiagen können die Amerikaner auf diese Bedingung allerdings verzichten. Der Aktionär forderte Vorstand und Aufsichtsrat aber auf, einer Senkung der Schwelle nur bei einer Erhöhung des Angebots zuzustimmen. Außerdem kritisierte er, dass sich Qiagen vorzeitig auf Verhandlungen mit Thermo Fisher festgelegt und Anfragen von vier weiteren Interessenten nicht weiterverfolgt habe.

Qiagen lehnte eine Stellungnahme ab.

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