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Abschied von der Kohle - RWE versteigert 3500 Tonnen schweren Schaufelradbagger

18.08.2020 um 14:07 Uhr

- von Tom Käckenhoff

Düsseldorf (Reuters) - Wer schon immer mal ein ganz besonderes Gefährt haben wollte, hat dazu dank des Kohleausstiegs nun die Gelegenheit: "Bagger 275" heißt das 38 Meter hohe und fast 3500 Tonnen schwere Ungetüm, das der Energiekonzern RWE über das Hamburger Auktionshaus Wilhelm Dechow im Internet zum Kauf anbietet.

Schnell ist der Schaufelradbagger nicht gerade. Zwei bis acht Meter pro Minute sind drin. Dafür räumt er einiges aus dem Weg - 60.000 Kubikmeter pro Tag. Die von Krupp 1959 gebaute Anlage ist nach wie vor im Braunkohletagebau im Einsatz.

Bis Ende September läuft die Auktion über die Versteigerungs-Plattform Troostwijk, über die weltweit diverse Anlagen, Kräne, Mähdrescher, Traktoren, Getreidesilos und vieles mehr angeboten wird. "Im Zuge der Außerbetriebnahme des Baggers 275 starten wir eine Ausschreibung dieser seltenen Maschine", wird der Koloss angepriesen. "Er zählt zu den größten Landfahrzeugen der Welt und war als Kohle- und Abraumbagger im Tagebau im Einsatz." Den Zuschlag bekommt allerdings nur derjenige, der nicht nur einen guten Preis zahlt, sondern die Anlage auch vor Ort zerlegt und abtransportiert. Ein Mindestpreis wird nicht genannt, allerdings kann RWE den Metallriesen auch selbst auseinandernehmen - und den Schrottpreis kassieren.

RWE KÖNNTE NACHLEGEN - INSGESAMT 22 SCHAUFELRADBAGGER

Die Versteigerung sei ein Versuch. Abhängig vom Ergebnis könnten weitere folgen, erklärt ein RWE-Sprecher. "Der 60.000er Bagger 275 ist der kleinste unser 22 Schaufelradbagger, die wir in den drei Tagebauen haben." Er sei daher im Vergleich leichter zu demontieren und wieder aufzubauen. Die ganz großen Bagger können viermal soviel fördern und seien über 100 Meter hoch. Für die kleineren Anlagen gebe es diverse Möglichkeiten zum Einsatz. Das müsse nicht Kohle sein, sondern könne auch der Abbau von diversen Mineralien sein.

Die Versteigerung markiert einen weiteren Meilenstein im geplanten Ausstieg Deutschlands aus der Kohleverstromung. Spätesten 2038 soll Schluss damit sein, wenn möglich ein paar Jahre früher. Was die rund 10.000 Beschäftigten von RWE im Tagebau und den umliegenden Kraftwerken mit Sorge erfüllt, kann für Umweltschützer gar nicht früh genug kommen. Seit Jahren bekämpfen sie diese klimaschädliche Stromerzeugung, für die RWE als größter Vertreter und dank des Streits um den Tagebau "Garzweiler" und um die Bäume des "Hambacher Forst" Symbol und Zielscheibe ist. Immer wieder haben Kohlegegner Tagebaue gestürmt und die Bagger besetzt, was ebenso illegal wie lebensgefährlich ist.

Auch unter dem Druck der Politik und von Investoren wandelt sich der einstige Kohle-Dino derzeit zu einem der größten Ökostromerzeuger Europas. Einen neuen Schaufelradbagger hat RWE zuletzt vor 25 Jahren in Betrieb genommen. "Bagger 275" hat dem Konzern zufolge rund 50.000 Stunden auf dem Buckel. In Deutschland gebe es wohl keine Einsatzmöglichkeiten mehr, aber in anderen Bergbauregionen wie etwa Australien oder Südamerika schon.

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