Reuters

Bayer schockiert mit düsteren Aussichten - Aktie bricht ein

01.10.2020
um 12:52 Uhr

- von Patricia Weiss

Frankfurt (Reuters) - Trübe Geschäftsaussichten, eine milliardenschwere Sonderabschreibung im Agrargeschäft und eine Verschärfung des Sparprogramms: Der ohnehin von der Glyphosat-Klagewelle in den USA gebeutelte Bayer-Konzern hat Anleger erneut verschreckt.

Bayer-Aktien reagierten am Donnerstag mit einem Kursrutsch von in der Spitze knapp 13 Prozent auf Ankündigungen vom Vorabend. Damit ist das einst wertvollste Unternehmen im Dax nur noch gut 46 Milliarden Euro wert. Seit der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Monsanto 2018 hat der Konzern mehr als die Hälfte seines Börsenwerts eingebüßt - mit rund 53 Milliarden Euro umgerechnet etwa soviel, wie er für den Glyphosat-Entwickler gezahlt hat. Durch den Zukauf baute Bayer sein Agrargeschäft zwar deutlich aus, handelte sich aber auch viele Probleme ein.

Am Mittwochabend hatte Bayer für genau diese Sparte Sonderabschreibungen "im mittleren bis oberen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich" angekündigt - zusammen mit zusätzlichen jährlichen Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro, die auch einen Stellenabbau umfassen könnten. Der Gewinn dürfte im kommenden Jahr deutlich unter den Erwartungen der Analysten liegen. "Die Gewinnwarnung für nächstes Jahr ist ein deutlicher Rückschlag für Bayer und das Management. Wahrscheinlich werden über kurz oder lang wieder die Themen Aufspaltung des Konzerns und Managementwechsel zur Diskussion stehen", sagte Markus Manns von der Fondsgesellschaft Union Investment, die zu den 20 größten Bayer-Aktionären gehört.

WENIGER MITTEL FÜR INVESTITIONEN IM PHARMAGESCHÄFT?

Von der Monsanto-Übernahme enttäuschte Anteilseigner hatten Vorstandschef Werner Baumann auf der Hauptversammlung im vorigen Jahr bereits einen Denkzettel verpasst und nicht entlastet. Der Aufsichtsrat hat sich aber stets hinter den Vorstand gestellt, im September wurde Baumanns Vertrag bis 2024 verlängert. Druck kam auch vom Hedgefonds Elliott, der auf einen Vergleich drängte, um die Glyphosat-Klagewelle in den USA vom Tisch zu bekommen. Im Rechtsstreit wegen des angeblich krebserregenden Unkrautvernichters Roundup, den sich Bayer mit der Monsanto-Übernahme ins Haus geholt hat, hatte sich der Konzern Ende Juni mit einem Großteil der Kläger geeinigt.

Anleger zeigten sich von den jüngsten Ankündigungen aus Leverkusen enttäuscht. Nachdem der Markt gehofft habe, dass mit einer zeitnahen Einigung mit den Glyphosat-Klägern in den USA die Probleme gelöst seien, zeigten sich in dem Ausblick für 2021 unerwartet tiefgreifende Schwierigkeiten, sagte ein Händler. Die Sonderabschreibung im Agrargeschäft deute darauf hin, dass die langfristigen Wachstumsaussichten der überteuerten Monsanto-Akquisition nun niedriger seien als angenommen, urteilten die Analysten der HSBC. Die von Bayer erwarteten niedrigen Mittelzuflüsse kämen zur Unzeit, da der Konzern seine Pharma-Pipeline mit Investitionen in neue Medikamente stärken müsse. Denn bei seinen umsatzstärksten Medikamenten Eylea und Xarelto läuft der Patentschutz in den nächsten Jahren aus.

BAYER SCHREIBT MILLIARDEN IM AGRARGESCHÄFT AB

Die Corona-Pandemie belastete im zweiten Quartal das Bayer-Pharmageschäft, da deshalb viele nicht notwendige Behandlungen verschoben wurden. Das Agrargeschäft zeigte sich noch robust, wenngleich der Vorstand schon im August die Wachstumserwartungen für dieses Jahr eindämpfte. Nun rechnet Baumann damit, dass die Auswirkungen der Pandemie auf das Geschäft "tiefgreifender" als zunächst angenommen sein werden. Als Gründe nannte Bayer niedrige Preise bei wichtigen Nutzpflanzen, intensiven Wettbewerb bei Soja und einen geringeren Biokraftstoffverbrauch. Hinzu kämen teils massive negative Währungseffekte. Erneut kommt es mit der angekündigten Sonderabschreibung damit zu immensen finanziellen Belastungen im Agrargeschäft, denn Rückstellungen für den Glyphosat-Vergleich brockten Bayer im zweiten Quartal bereits einen Rekordverlust ein.

Im kommenden Jahr rechnet Bayer nun mit einem niedrigeren Wachstum und Cash-Flow als geplant, das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) dürfte unter dem Niveau des Jahres 2020 liegen. Analysten hatten im Schnitt dagegen bislang mit einem EPS-Anstieg von elf Prozent gerechnet. Baumann versucht, mit den zusätzlichen Einsparungen gegenzusteuern. Auch die Trennung von weiteren einzelnen Geschäften und Marken wird geprüft. Die Dividendenpolitik soll zwar beibehalten werden, die Ausschüttungsquote dürfte aber in den kommenden Jahren am unteren Ende der bisherigen Spanne liegen.

(Mitarbeit von Christina Amann, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 030 2201 33711 (für Politik und Konjunktur) 030 2201 33702 (für Unternehmen und Märkte)

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