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Stahlindustrie trotz Hoffnungsschimmer noch auf Intensivstation

28.10.2020 um 13:57 Uhr

Düsseldorf (Reuters) - Die von der Corona-Krise schwer gebeutelte Stahlindustrie stellt sich auf eine noch länger andauernde Durststrecke ein.

"Wir sehen wieder etwas steigende Auftragseingänge", sagte der Chef von Thyssenkrupp Steel Europe, Bernhard Osburg, am Mittwoch auf dem virtuellen Stahlgipfel des Wirtschaftsforums der SPD. Die Lage sei zwar besser geworden. Aber Corona habe in den Büchern einen großen Schaden hinterlassen. Die Autombilindustrie habe im Frühjahr binnen weniger Tage die Arbeit quasi einstellt und brauche auch jetzt noch länger, um sich zu erholen. "Wir reden nicht davon, dass wir innerhalb weniger Monate zum alten, normalen Modus zurückkehren."

Der Deutschland-Chef von ArcelorMittal, Frank Schulz, stieß in dasselbe Horn. "Wir sehen eine leichte Nachfrageverbesserung." Diese reiche aber nicht für auskömmliche Ergebnisse, fügte der Manager hinzu, dessen Konzern Weltmarktführer ist und mit Werken in Duisburg, Bremen, Hamburg und Eisenhüttenstadt auch hierzulande breit aufgeteilt ist. Schulz verwies darauf, dass die Branche schon vor Corona unter Druck war, etwa durch Billigkonkurrenz aus Fernost "Wir sind nach wie vor mit globalen Überkapazitäten konfrontiert." Während die Produktion der Stahlkocher in Europa in den vergangenen Jahren zurückgegangen sei, seien die Importe deutlich gestiegen.

MEHR TEMPO BEI UMSTELLUNG AUF KLIMANEUTRALE PRODUKTION

Bei Thyssenkrupp kommen noch hausgemachte Fehler wie das ruinöse Stahlabenteuer in Amerika hinzu. Zudem ist das Unternehmen stark von der Autoindustrie abhängig. Fast die Hälfte der Produktion gehe in den Automarkt, erklärte Osburg. Die Stahlsparte schreibt hohe Verluste. Derzeit lotet Konzernchefin Martina Merz aus, ob sie das Übernahmeangebot des britischen Konkurrenten Liberty Steel annehmen soll. Insidern zufolge ist sie auch mit anderen Stahlkonzernen im Gespräch. Als mögliche Partner gelten SSAB aus Schweden und erneut Tata Steel Europe.

Die Schwerindustrie steht vor hohen Investitionen für die Umstellung auf eine klimaneutrale Produktion bis 2050. Thyssenkrupp-Stahlchef Osburg bezifferte den Investtionsbedarf allein seines Unternehmens auf acht bis zehn Milliarden Euro. Eine solche Summe könne aus dem normalen Geschäft heraus nicht finanziert werden. Die Bundesregierung hat der Branche ihre Unterstützung für die Umstellung zugesagt und will sich auch für Fördergelder bei der EU einsetzen. IG Metall-Hauptkassierer und Thyssenkrupp-Vize-Aufsichtsratschef Jürgen Kerner forderte, dass den Worten nun auch Taten folgen müssten. "Man muss jetzt ins praktische Handel kommen. Die Zeit drängt."

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