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BMW-Chef sieht Ladenetz als größte Hürde für die E-Mobilität

18.11.2020 um 10:57 Uhr

Hamburg (Reuters) - BMW-Chef Oliver Zipse sieht beim Hochlauf der Elektromobilität den Ausbau der Ladeinfrastruktur als größtes Hindernis.

Wenn Deutschland zum Leitmarkt für batteriegetriebene Fahrzeuge werden wolle, sei die Hürde nicht mehr das Angebot der Automobilhersteller, sondern die Infrastruktur, sagte er am Mittwoch bei einer Online-Diskussion der "Süddeutschen Zeitung". Wenn man in einigen Jahren zehn Millionen Elektrofahrzeuge auf den Straßen haben wolle, seien dafür zehn bis elf Millionen private und etwa eine Million öffentliche Ladestationen nötig. Das bedeutete, dass pro Jahr eine Million Ladestationen eingerichtet werden müssten. "Das ist jetzt die ganz große Herausforderung."

Solang sich die Ladeinfrastruktur noch im Aufbau befinde, sei man gut beraten, weiter auch andere Antriebsarten wie den Verbrenner zuzulassen. Zipse warb in diesem Zusammenhang abermals um die von BMW favorisierte Technologieoffenheit. Er sprach sich dagegen aus, Antriebsarten gegeneinander auszuspielen. "Diese bipolare Welt stellt sich in der Realität nicht so dar." Auch VDA-Chefin Hildegard Müller sprach bei der Diskussion für einen technologieoffenen Ansatz aus.

Mit Blick auf die weitere Verschärfung der Klimavorgaben kritisierte Zipse, es gebe zwischen verschiedenen Staaten und Organisationen wie der EU "eine Art Windhundrennen" um die schärfsten Ziele. Der von der EU geplante "Green Deal" sei an sich vollkommen in Ordnung. Ob das Vorgehen dabei aber sinnvoll und der Sache dienlich sei, ob es dem Klimaschutz wirklich nutze, daran dürfe man jedoch ein Fragezeichen machen. Denn über die Konsequenzen werde nicht gesprochen. "Wenn Sie sehr frühzeitig den Verbrenner verbieten, was wird dann passieren mit den Menschen, die keine Ladestation haben?", fragte Zipse und antwortete: "Die werden ihr altes Auto einfach weiterfahren. Das ist, glaube ich, nicht beabsichtigt."

Die Bundesregierung hatte am Dienstagabend ein Paket aus weiteren Subventionen beim Kauf von E-Autos, einer Abwrackprämie für ältere Lkw und einen Fonds zur Unterstützung der Betriebe bei der Umstellung auf klimafreundliche Antriebe auf den Weg gebracht. Die besonders angeschlagene Zulieferindustrie kann mit weiteren Hilfen rechnen. Teil der Beschlüsse sind auch Ziele zum Ausbau der Ladeinfrastruktur. Insgesamt belaufen sich die zusätzlichen Mittel auf gut drei Milliarden Euro.

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