Reuters

Netzbetreiber Amprion erwartet keine Black-Outs durch Kohleausstieg

18.01.2021 um 13:17 Uhr

- von Vera Eckert und Tom Käckenhoff

Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Der zweitgrößte deutsche Übertragungsnetzbetreiber Amprion erwartet durch den Kohleausstieg keine größeren Risiken für das Gleichgewicht im Stromsystem.

"Es entsteht zwar eine Erzeugungslücke durch den Wegfall der Kohleverstromung", sagte Amprion-Chef Hans-Jürgen Brick in einem am Montag veröffentlichen Interview der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber die können wir vor allem durch Offshore-Strom schließen. Ich bin sicher, dass wir damit umgehen können." Allein in Nordrhein-Westfalen müssten im Zuge des Kohleausstiegs bis 2035 Braun- Steinkohle-Kraftwerke mit einer Leistung 16 bis 17 Gigawatt bis 2035 ersetzt werden. In Süddeutschland werden von Amprion, TenneT und TransnetBW unter Aufsicht der Bundesnetzagentur bis 2022 neue Gasturbinen mit einer Leistung von insgesamt 1200 Megawatt gebaut, die die Netze stabilisieren helfen. "Die Vergabe läuft derzeit noch."

Neben den zwei anderen jeweils in ihren Regionen tätigen Mitstreitern Amprions gibt es noch einen vierten, 50Hertz. Die so genannten Übertragungsnetzbetreiber transportieren den Strom mit ihren Höchstspannungsnetzen über weite Strecken. Das Netz muss immer im Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -Verbrauch gehalten werden, was durch den Ausbau des schwankenden Ökostroms aus Wind und Sonne immer schwieriger geworden ist. Allerdings ist bislang auch viel überschüssiger Strom produziert worden. "Wir erleben den Abbau von Exportüberschüssen. Das sind vor allem Markteffekte, die sich aus den bisher günstigen Braun- und Steinkohlekraftwerken ergeben haben. Aber wir haben kein Sicherheitsthemen", erläutert Brick.

Um die Energiewende zu meistern, müssen die Stromnetze in den kommenden Jahren mit Milliardeninvestitionen ausgebaut werden - etwa, um neue Windenergieanlagen auf See und an Land anzuschließen oder um die Leistungsfähigkeit zu verbessern. "Der Netzausbau geht spürbar voran", berichtet Brick. Amprion wolle die 340 Kilometer lange Leitung Ultranet 2024 in Betrieb nehmen. "Wir haben unseren Investitionsplan für die nächsten zehn Jahre im vergangenen Dezember von 15 Milliarden auf 24 Milliarden erweitert", erklärt Brick. Amprion habe bereits 2020 eine Milliarde Euro investiert und werde auch 2021 auf knapp über eine Milliarde Euro kommen. Bis zum Ende der Dekade würden in einzelnen Jahren mehr als drei Milliarden Euro investiert. "Mit den jetzigen Eigentümern arbeiten wir seit 2011 sehr erfolgreich zusammen."

Der Energiekonzern RWE hatte die Mehrheit im Jahr 2011 verkauft. Er hält 25,1 Prozent der Anteile, der Rest gehört einem Konsortium, an dem Versicherungen und Versorgungswerke beteiligt sind. Das Netz von Amprion hat eine Länge von rund 11.000 Kilometern in einem Gebiet von Niedersachsen bis zu den Alpen. Das Unternehmen beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter.

Die Kosten für den Netzausbau werden auf die Stromkunden umgelegt. Für die Netzbetreiber legt die Bundesnetzagentur fest, was für Renditen diese erhalten. Die Zusammenarbeit mit der Bundesnetzagentur sei konstruktiv, sagt Brick. "Wir müssen aber darauf achten, dass die Schere zwischen dem massiv gestiegenen Mittelbedarf und der Wirtschaftlichkeit nicht auseinanderläuft.

Nach Steuern liegen wir im heutigen Regulierungsrahmen bei 2,3 Prozent Investitionsrendite." Das sei eine Verzinsung, die 1,1 Prozentpunkte unter dem europäischen Durchschnitt liege. Es sei ein Irrglaube, dass die gesamten Investitionen mit knapp sieben Prozent verzinst würden. "Bei einem stabilen Regulierungsrahmen ist das aber eine verlässliche und kalkulierbare Rendite."

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