Reuters

Ifo - China überholt Deutschland - Weltgrößter Leistungsbilanzüberschuss

22.01.2021 um 09:12 Uhr

Berlin (Reuters) - Vier Jahre in Folge hatte Deutschland den weltweit größten Überschuss in der Leistungsbilanz erzielt - im Corona-Jahr 2020 ist China einer Studie des Ifo-Instituts zufolge vorbeigezogen.

Die Volksrepublik kommt nach Berechnungen der Münchner Forscher auf einen Überschuss von umgerechnet 310 Milliarden Dollar, wie aus der Reuters am Freitag vorliegenden Untersuchung hervorgeht. Deutschland folgt auf dem zweiten Platz mit 261 Milliarden Dollar. In beiden Ländern kommen diese enormen Summen vor allem deshalb zustande, weil sie weit mehr Waren ins Ausland verkauft als von dort bezogen haben. Mit deutlichem Abstand auf Platz drei folgt mit Japan eine weitere Exportnation. Das Land kommt auf einen Überschuss von 158 Milliarden Dollar.

Der Wechsel an der Spitze ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Deutschland im Gegensatz zu China wegen der Rezession bei wichtigen Handelspartnern deutlich weniger Waren ins Ausland verkaufte. "Der traditionell hohe Überschuss im deutschen Warenhandel fiel dadurch um 34 Milliarden Dollar kleiner aus als 2019", sagte Studienautor Christian Grimme zu Reuters. China konnte dagegen trotz der weltweiten Corona-Rezession seine Ausfuhren im abgelaufenen Jahr steigern. Der Grund: Der Exportweltmeister produziert Waren, die in der Pandemie besonders gefragt sind. "Zum einen wurden verstärkt elektronische Ausrüstungen wie Datenverarbeitungsgeräte aus China eingekauft", sagte Grimme. Dies sei wohl eine Folge der verstärkten Arbeit von zu Hause, die zusätzliche Investitionen in IT-Produkte wie Laptops und Bildschirme notwendig machte. "Zum anderen stieg der weltweite Bedarf von medizinischer Schutzausrüstung beträchtlich", sagte Grimme. So wurde die chinesische Ausfuhr von Mund-Nasen-Masken nach oben gefahren.

Die weltweite Kritik an Deutschland am - trotz des Rückgangs - weiterhin sehr hohen Überschusses in der Leistungsbilanz dürfte dennoch nicht abreißen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung sank er zwar 2020 auf 6,9 Prozent von 7,1 Prozent im Jahr 2019 und damit seit seinem Spitzenniveau von 8,6 Prozent im Jahr 2015 bereits das fünfte Mal in Folge. "Das ist immer noch ein sehr, sehr hoher Wert - gerade im Vergleich mit anderen großen Exportnationen", betonte Grimme. "Die Europäische Union hält allerdings höchstens sechs Prozent für langfristig tragfähig." Ein Wert, der seit 2011 konstant übertroffen wird. Die EU-Kommission verweist ebenso wie etwa der Internationale Währungsfonds (IWF) auf die Defizite, die solch großen Überschüssen gegenüberstehen, und warnt vor den hohen Schulden der betroffenen Länder. In China macht der Überschuss lediglich 2,1 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, in Japan 3,2 Prozent.

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