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Autokorso und Online-Protest - Warnstreiks in der Metallindustrie

01.03.2021 um 13:12 Uhr

Frankfurt (Reuters) - Tausende, dicht an dicht stehende Menschen mit Trillerpfeifen, roten Fahnen und Käppis kann die IG Metall im Tarifstreit dieses Mal wegen Corona nicht zusammentrommeln.

Aber die Gewerkschaft hat sich einiges einfallen lassen, um nach bisher ergebnislosen Verhandlungen in der Metallindustrie ab Mitternacht mit Warnstreiks Druck zu machen. Zum Auftakt ist ein zweistündiges, im Internet übertragenes Live-Programm ab 17.00 Uhr mit Gewerkschaftschef Jörg Hofmann, Interviews und Bands geplant. Kurz nach 0.00 Uhr zum Ende der Friedenspflicht ziehen bundesweit Beschäftigte vor die Tore oder setzen sich zum Autokorso ans Steuer.

In bis zu vier Verhandlungsrunden haben sich die Tarifparteien der mit rund 3,8 Millionen Beschäftigten größten deutschen Industrie bisher nicht angenähert. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung im Volumen von vier Prozent, die je nach Lage des Unternehmens für höhere Löhne oder zum Ausgleich für Arbeitszeitverkürzung in der Krise genutzt werden sollen. Zudem will die Gewerkschaft einen Rahmen für Zukunftstarifverträge auf Betriebsebene abstecken, die Beschäftigung im Wandel zu Elektromobilität oder Digitalisierung sichern sollen. Dass sie Arbeitsplätze erhalten wollen, sagen auch die Arbeitgeber. Doch sie fordern wegen der Corona-Pandemie - wie schon im Krisen-Tarifabschluss 2020 vereinbart - auch für 2021 eine Nullrunde und den Abbau von Tarifstandards.

"Es tut mir Leid: Das ist keine gute Basis für Tarifverhandlungen", hatte Hofmann vergangene Woche im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erklärt. Deshalb müsse den Arbeitgebern mit Warnstreiks klargemacht werden, "dass es so nicht geht". Die IG Metall sieht die Autoindustrie und andere Industriezweige nach dem Pandemie-Schock auf Erholungskurs. Das "Bild konjunktureller Düsternis" der Arbeitgeberverbände sei taktisches Kalkül. Trotz harter Fronten sieht Hofmann aber Chancen für einen Abschluss vor Ostern.

HUPKONZERT BEIM AUTOKORSO

Zu den Warnstreiks beim letzten großen Tarifkonflikt 2018 mobilisierte die Gewerkschaft an einzelnen Tagen weit über 100.000 Mitglieder zu Protesten. In der Pandemie fallen die Aktionen wegen der Abstandsregeln kleiner, dafür aber kreativer aus. So hat die IG Metall in Nordrhein-Westfalen einem Sprecher zufolge zwei Laster mit LED-Wänden gemietet und plant damit pro Tag insgesamt vier Veranstaltungen im Autokino-Format. Die Gewerkschaft hat extra UKW-Frequenzen gebucht, damit die Warnstreikenden den Reden in ihren Autos lauschen können. Statt Trillerpfeifen und Buhrufen gibt es dann Hubkonzerte. Die Forderungen werden auch mit Hochleistungsbeamern an die Wände von Fabrikhallen projiziert. Für die Kollegen im Home-Office gibt es neue Abwesenheitsnotizen: "Ich bin im Warnstreik!"

In Stuttgart sind erste Warnstreikaktionen bei Autozulieferern geplant. Für Dienstagvormittag hat die Gewerkschaft zu einer Kundgebung vor den Toren von Mahle Behr mit anschließender Demonstration aufgerufen. Damit die Auflagen zum Schutz vor Corona eingehalten werden, versammeln sich kleinere Gruppen im "Wechselwarnstreik" Abteilung für Abteilung im Freien, erklärte IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Geplant sei auch, Betriebe mit Menschenketten zu umzingeln. Für Bürobeschäftigte sind Protest-Videokonferenzen geplant. Die Warnstreiks "werden sichtbar, sie werden spürbar sein, sie werden Auswirkungen auf die Produktion und Verwaltung haben", betonte Zitzelsberger.

In München startet am Mittag eine Sternfahrt aus fünf Richtungen zur Theresienwiese. Dort treffen sich mehrere hundert Beschäftigte von BMW, MAN, MTU und anderen Betrieben in ihren Autos sitzend zu einer Kundgebung. Auf dem Kornmarkt in Nürnberg versammeln sich die Delegationen aus rund 20 Betrieben, ein Großtransparent wird entrollt.

Das Airbus-Werk in Hamburg und die Mercedes-Fabrik in Bremen gehören zu den Zielen der ersten Warnstreiks im Bezirk Küste. "Mit vielfältigen Aktionen werden die Belegschaften aus Betrieben im gesamten Bezirk in den nächsten Wochen nachlegen", kündigte Bezirksleiter Daniel Friedrich an. Geplant sind Aktionen wie etwa ein Fahrradkorso in Emden, ein Countdown mit Konfetti-Kanone auf dem Marktplatz in Oldenburg, eine Krachmach-Polonaise bei Lear in Bremen und eine Banner-Aktion vor dem Holstentor in Lübeck.

(Reporter: Ilona Wissenbach, Matthias Inverardi, Christina Amann, Jan C. Schwartz, Tom Käckenhoff; redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter der Telefonnummer 030 2201 33702)

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