Reuters

Fed macht Anlegern Laune - "Das ist Euphorie"

18.03.2021
um 11:07 Uhr

Frankfurt (Reuters) - Die Aussicht auf einen Wachstumsschub beim wichtigen Handelspartner USA bei gleichzeitig unverändert niedrigen Zinsen gibt europäischen Aktien Auftrieb.

Der Dax stieg am Donnerstag um bis zu ein Prozent auf ein Rekordhoch von 14.748,31 Punkten. Der EuroStoxx50 gewann 0,5 Prozent und notierte mit 3868,68 Zählern so hoch wie zuletzt vor 13 Jahren. "Was wir im Moment erleben, ist schon deutlich mehr als Optimismus", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Das ist Euphorie."

US-Notenbankchef Jerome Powell habe mit seinen jüngsten Aussagen zur Geldpolitik einen Spagat geschafft, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Seine Botschaft laute, dass die verbesserten Konjunkturaussichten nicht mit einem nachhaltigen Inflationsanstieg verbunden seien. "Deshalb wird die Fed die Nach-Corona-Zeit weiterhin mit günstigem Geld absichern."

ANLEIHEN UNTER VERKAUFSDRUCK - BITCOIN IM AUFWIND

Wegen der Aktienrally zogen Investoren Geld aus "sicheren Häfen" wie Staatsanleihen ab. Dies trieb die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen US-Bonds auf ein 14-Monats-Hoch von plus 1,745 Prozent. Vergleichbare Titel des Bundes rentierten bei minus 0,275 Prozent.

Bitcoin setzte dagegen wegen der ultra-lockeren US-Geldpolitik zum erneuten Sprung über die 60.000er Marke an. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise gewann ein Prozent auf 58.283 Dollar. "Kryptowährungen bleiben in den Augen vieler Investoren ein Fluchtweg, um sich gegenüber Inflationsrisiken abzusichern", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

CORONA-IMPFUNGEN BLEIBEN SORGENKIND

Die wegen möglicher Nebenwirkungen ausgesetzten Coronavirus-Impfungen mit dem Serum von AstraZeneca bereiteten Investoren aber Kopfschmerzen, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. "Weitere Verzögerungen im Impfablauf kann sich Europa nicht leisten." Sonst sei die Aufholjagd des Dax im Vergleich zur Wall Street vorbei, bevor sie richtig begonnen habe.

Die europäische Gesundheitsbehörde EMA will im Tagesverlauf entscheiden, ob das Vakzin von AstraZeneca weiter uneingeschränkt verimpft werden kann. Zuvor hatte sie ebenso wie die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärt, die Vorteile des Impfstoffs überwögen die Risiken.

ÖLPREIS AUF TALFAHRT - VW-FESTSPIELE GEHEN WEITER

Unterdessen ging es mit dem Ölpreis abwärts. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um ein knappes Prozent auf 67,36 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Experten der ING Bank verwiesen auf den Anstieg der US-Lagerbestände. Die Reserven sind dem dortigen Energieministerium zufolge in der vergangenen Woche um 2,4 Millionen Barrel gestiegen. Der Branchenverband API hatte dagegen einen Rückgang von einer Million Barrel bekanntgegeben.

Am Aktienmarkt ging der Höhenflug von Volkswagen weiter. Die Titel des Wolfsburger Konzerns stiegen zeitweise um mehr als neun Prozent auf ein Sechs-Jahres-Hoch von 252,20 Euro und steuerten mit einem Plus von insgesamt 33 Prozent auf den größten Wochengewinn der Firmengeschichte zu. In Foren wie "Wall Street Bets" auf der Internet-Plattform Reddit werde VW als das neue Tesla gefeiert, sagte ein Börsianer. Daher zögen Investoren Geld bei dem US-Elektroautopionier ab und steckten es in VW-Papiere. Tesla-Titel büßten im vorbörslichen US-Geschäft 2,2 Prozent ein. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 156 Milliarden Dollar ist VW inzwischen mehr wert als die Konkurrenten BMW und Daimler zusammengerechnet.

AstraZeneca PLC

WKN 886455 ISIN GB0009895292