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Credit Suisse und Nomura drohen Milliardenverluste durch Hedgefonds-Schieflage

29.03.2021 um 16:27 Uhr

- von Oliver Hirt und Makiko Yamazaki

Zürich/Tokio/Frankfurt (Reuters) - Der Schweizer Großbank Credit Suisse und der japanischen Investmentbank Nomura drohen Milliardenverluste durch die Probleme des US-Hedgefonds Archegos Capital.

Internen Schätzungen zufolge dürfte sich der Fehlbetrag der Credit Suisse auf mindestens eine Milliarde Dollar belaufen, wie zwei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag sagten. Einer der Insider erklärte, der Verlust könne sogar auf bis zu vier Milliarden Dollar klettern. Auch die "Financial Times" nannte diese Obergrenze. Die Credit Suisse selbst warnte lediglich vor einem Verlust, der "sehr bedeutend und wesentlich" für der Ergebnis des ersten Quartals sein könnte. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) hat sich in der Sache eingeschaltet.

Die japanische Nomura bezifferte den Fehlbetrag auf zwei Milliarden Dollar. Die beiden Banken nannten den Namen des in Schieflage geratenen Hedgefonds zwar nicht, doch laut Finanzkreisen handelt es sich um den von Bill Hwang geführten Fonds Archegos. Auch die Deutsche Bank ist einem Insider zufolge betroffen, allerdings weniger stark als die Wettbewerber. Zu den betroffenen Banken soll auch Goldman Sachs gehören, wie eine mit der Sache vertraute Person sagte.

An der Börse sorgte die Nachrichten für eine massive Verunsicherung der Anleger. Die Aktien der Credit Suisse stürzten in Zürich um 17 Prozent ab - das ist der größte Tagesverlust seit dem Börsencrash vom Frühjahr 2020. Die Nomura-Anteile waren in Tokio um 16 Prozent eingebrochen. Die Titel der Deutschen Bank gaben in Frankfurt um drei Prozent nach.

ARCHEGOS BLIEB SICHERHEITEN SCHULDIG

Das zweitgrößte Schweizer Geldhaus erklärte, ein bedeutender Hedgefonds sei Nachschusspflichten - sogenannte Margin-Calls - nicht nachgekommen. Da der Investor kein Geld einschoss, seien die Credit Suisse und andere Banken dabei, Wertpapier-Positionen aufzulösen. Bei einem Margin-Call fordert eine Bank einen Kunden auf, mehr Sicherheiten zu stellen, wenn ein Geschäft, das teilweise mit geliehenem Geld finanziert wurde, stark an Wert verloren hat. Können diese Sicherheiten nicht beigebracht werden, veräußern die Kreditgeber üblicherweise die Wertpapiere, um an das geschuldete Geld zu gelangen.

Am Freitag hatte ein Ausverkauf von Aktien in den USA zu markanten Kursverlusten bei einer Reihe von Unternehmen geführt, die einem Insider zufolge mit Archegos in Verbindung stehen. Die Papiere der Medienkonzerne ViacomCBS und Discovery hatten jeweils 27 Prozent an Wert verloren. Die in den USA notierten Anteile der chinesischen Konzerne Baidu und Tencent Music waren im Laufe der Woche um ein Drittel beziehungsweise knapp 50 Prozent abgesackt.

Investoren halten systemische Risiken zum jetzigen Zeitpunkt zwar für unwahrscheinlich, zeigten sich allerdings nervös über das Ausmaß der Auflösung von Archegos-Positionen und mögliche weitere Verkäufe. Das Unternehmen, geführt von Bill Hwang, ging aus dem Hedgefonds Tiger Asia hervor. Der Manager einigte sich 2012 mit der US-Börsenaufsicht SEC gegen Zahlung von 44 Millionen Dollar auf die Einstellung von Ermittlungen zu Insiderhandel. Archegos, auf der Firmen-Internetseite als Family Office bezeichnet, soll Medienberichten zufolge rund zehn Milliarden Dollar verwalten. Hwang war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

NEUER RÜCKSCHLAG FÜR CREDIT SUISSE

Die Verlustwarnung ist ein erneuter Rückschlag für die Credit Suisse, die bereits in den Strudel der insolventen Finanzfirma Greensill geraten ist. Die Großbank erwägt Investoren zu entschädigen, die vom Zusammenbruch von Fonds betroffen sind, die Greensill verbunden sind. Bereits Ende 2020 war eine Investition in den Hedgefonds-Anbieter York Capital die Credit Suisse teuer zu stehen gekommen.

The Goldman Sachs Group Inc. Chart
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