Reuters

Ifo - Städte leiden wirtschaftlich besonders unter Corona-Krise

19.04.2021 um 08:17 Uhr

Berlin (Reuters) - Städte sind nach einer Untersuchung des Ifo-Instituts wirtschaftlich besonders stark von der Corona-Krise betroffen.

Die Arbeitslosigkeit sei dort deutlicher gestiegen, wie aus der am Montag veröffentlichten Studie hervorgeht. Auch habe sich die Geschäftslage der Unternehmen merklicher eingetrübt als in den übrigen Regionen Deutschlands. "Der soziale Konsum spielt in den Städten eine größere Rolle", erläuterte der Leiter des Ifo-Zentrums für Makroökonomik und Befragungen, Andreas Peichl, das Ergebnis. "Hier schlagen die Auswirkungen der Pandemie besonders ins Kontor. Weil in Städten weniger Industrie angesiedelt ist, haben sie zudem weniger von der Erholung des verarbeitenden Sektors in der zweiten Jahreshälfte 2020 profitiert." Ob diese Effekte nachhaltig seien, sei derzeit schwer zu beurteilen. "Städte könnten von Nachholeffekten nach der Krise überdurchschnittlich profitieren", sagte Peichl. "Andererseits ist es möglich, dass Homeoffice und Digitalisierung ländliche Regionen langfristig begünstigen."

Die Forscher haben vier Regionencluster untersucht, die jeweils ähnliche demografische, strukturelle und infektionsbezogene Merkmale aufweisen. Am deutlichsten zeigt sich die Wirkung der Pandemie hier bei der Arbeitslosenquote: Zwischen Januar 2020 und August 2020 stieg sie demnach im Städtecluster um knapp 1,5 Prozentpunkten, während sie in den anderen Bereichen nur 0,3 bis 0,8 Punkte zulegte. Diese Entwicklung verschärfe regionale Ungleichheiten, da die absolute Zahl der Arbeitslosenquote in Städten mit 8,2 Prozent im August 2020 ebenfalls am höchsten gewesen sei (Norddeutschland: 5,9 Prozent, Südwestdeutschland: 4,3 Prozent, Ostdeutschland: 6,6 Prozent).

Auch bei der Geschäftslage sieht man den Angaben nach ab vergangenem Frühjahr einen um etwa fünf bis zehn Prozentpunkte größeren Einbruch bei den Unternehmen im Städtecluster. Zudem sei auffällig, dass die Geschäftslage im ostdeutschen Cluster - insbesondere Sachsen und Thüringen - seit vergangenem Herbst stärker gefallen sei als in den anderen Regionen. Die Ifo-Wissenschaftler vermuten, dass diese Entwicklung mit dem dort sehr hohen Infektionsgeschehen in der zweiten Welle zusammenhängt.

Bei der Kurzarbeit weist das wirtschaftlich starke südwestdeutsche Cluster im Durchschnitt den größten Anteil auf mit rund 15 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Dies hänge wohl mit der hohen Bedeutung von Industrieunternehmen dort zusammen, welche vom Instrument Kurzarbeit stärker Gebrauch machten, hieß es dazu.

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