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Luftverkehr in Europa hebt langsamer ab als weltweit

11.05.2021 um 13:12 Uhr

Frankfurt (Reuters) - Der Luftverkehr in Deutschland wird nach einer Prognose der Deutschen Flugsicherung (DFS) die Corona-Krise erst Mitte des Jahrzehnts vollständig hinter sich lassen.

Weltweit werde davon ausgegangen, dass der Luftverkehr das Vorkrisenniveau von 2019 schon 2023 wieder erreichen könne, erklärte der neue Chef der DFS, Arndt Schoenemann, am Dienstag. In Deutschland werde das erst 2025 der Fall sein. Für 2024 gehen die Experten der DFS aber von 95 Prozent des Verkehrsvolumens von 2019 aus. In Europa gehe die Erholung langsamer voran wegen der vielen Lockdowns und des unabgestimmten Handelns der EU-Staaten, sagte Schoenemann. Für dieses Jahr erwartet die DFS mit 46 Prozent des Vorkrisenniveaus kaum mehr Verkehrsaufkommen als 2020.

Die DFS-Lotsen kontrollierten im vergangenen Jahr 1,46 Millionen Flüge im deutschen Luftraum, das waren 56 Prozent weniger als 2019. Die Gebühreneinnahmen sackten um mehr als die Hälfte ab auf knapp 450 Millionen Euro. Der Bund bezuschusste die Behörde im vergangenen Jahr mit 300 Millionen Euro. Schoenemann erklärte, der Staat müsse die Liquidität der Firma auch in diesem Jahr sicherstellen. Zugleich sei ein Kostensenkungsprogramm angelaufen, nach dem bis 2024 die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland von zuletzt 5600 um rund 570 sinken soll. Dies sei aber sozialverträglich möglich, weil viele Beschäftigte in den kommenden Jahren in Ruhestand gingen und deren Stellen nicht nachbesetzt würden. "Wir wollen den Betrieb nicht gefährden durch schnellen Jobabbau", sagte Schoenemann. Die DFS könne auch durch Digitalisierung und Automatisierung effizienter arbeiten.

US-FLUGVERKEHR HEBT SCHNELLER AB

Dass Europa der Entwicklung in anderen Weltregionen hinterherhinkt, erklärte auch die Ratingagentur Moody's. In den USA legte der Inlandsflugverkehr schon seit März dank des schnelleren Impftempos zu. Für den Sommer sei ein Anstieg des Angebots auf 80 Prozent des Vorkrisenniveaus zu erreichen. Auch in China und Australien hebe der heimische Luftverkehr wieder stärker ab. Europa hinke wegen des Anstiegs der Infektionszahlen in den vergangenen Monaten und des langsameren Impftempos hinterher. Moody's erwartet, dass in europäischen Ländern ab Juli die Reisebeschränkungen fallen.

Die Aussichten für den weltweiten Luftverkehr bewertet die Ratingagentur aber nicht länger negativ. "Impfungen werden Regierungen ermöglichen, Reisebeschränkungen wie Quarantäne und Corona-Tests zu lockern", begründete die Agentur den Wechsel ihrer Bewertung von negativ auf positiv. Der Luftverkehr könne sich in den nächsten zwölf bis 18 Monaten deutlich erholen trotz rekordhohen Covid-Infektionszahlen in Indien und Lockdowns in anderen Ländern, erklärte Moody's-Experte Johnathan Root. Privatflüge in den Urlaub oder zum Besuch von Freunden und Verwandten legten als erste zu. Bei Geschäftsreisen und Langstreckenflüge werde es länger dauern. Doch die Rückkehr von Beschäftigten in die Büros in vielen Ländern im Herbst werde das Geschäft beleben.

Die große Abhängigkeit von Geschäftsreisen und Langstreckenflügen dämpft die Erholung des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport vom Corona-Schock. Im ersten Quartal zählte Fraport in Frankfurt nur rund 2,5 Millionen Passagiere, ein Rückgang um 78 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Gesamtjahr erwartet der Airport weniger als 20 bis 25 Millionen Passagiere - also im besten Fall knapp 35 Prozent des Rekordniveaus von 2019, als der Andrang am größten deutschen Flughafen mit gut 70 Millionen Fluggästen groß war.

Die Flugpreise für Reiseziele in Europa sind unterdessen nach einer Auswertung des Vergleichsportals Idealo derzeit stabil. "Es lässt sich keine Preisexplosion, aber auch kein extremes Preis-Dumping erkennen", erklärte Lara Mercier, Marketing-Managerin von Idealo, auf Basis einer Auswertung von Buchungsdaten für Flüge aus Deutschland von Juni bis September.

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