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Schweizer Politiker wollen sich nach Skandalen Bank-Bosse vorknöpfen

28.05.2021 um 12:12 Uhr

Frankfurt/Zürich (Reuters) - Die Milliarden-Fehlschläge der Großbank Credit Suisse heizen in der Schweiz Forderungen an, die bisher meist ungeschoren davongekommnen Top-Manager stärker zur Rechenschaft zu ziehen.

Eine entsprechende Verschärfung wollen Parlamentsabgeordnete in den kommenden Tagen diskutieren. Bei der Finanzmarktaufsicht (Finma) stoßen sie damit auf offene Ohren. "Wir begrüßen es, wenn Möglichkeiten für Optimierungen im Bereich Corporate Governance und Fragen punkto persönlicher Verantwortlichkeit von Managern analysiert und diskutiert werden", sagte ein Sprecher der Behörde.

Die Debatte entbrannte, nachdem Credit Suisse durch den Kollaps des Hedgefonds Archegos fünf Milliarden Franken verloren hatte. Zudem stehen für die Kunden der zusammen mit der inzwischen insolventen Greensill betriebenen Fonds Milliarden im Feuer, der Bank droht eine Klagewelle. Doch das ist noch nicht alles. Die Finma untersucht seit längerem einen Beschattungsfall. Und Kredite an Mosambik, die das afrikanische Land in eine Schuldenkrise stürzten, brockten der Bank in Großbritannien und den USA Verfahren ein. Wertberichtigungen und Bußen kosteten das Zürcher Institut in den letzten Jahren bereits über 15 Milliarden Franken.

Die Reihe an Skandalen hat Finma-Vertreter laut mit der Situation vertrauten Personen zufolge verärgert. Doch die Behörde tut sich schwer, gegen Bank-Spitzen vorzugehen. Denn gemäß den bestehenden Regeln dürfen Manager etwa nur mit einem Arbeitsverbot bestraft werden, wenn sie direkt in Fehlverhalten verwickelt sind, allgemeine Managementfehler reichen aber nicht aus. Andere Finanzplätze wie Großbritannien, Australien, Hongkong oder Singapur gehen hier deutlich weiter als die Schweiz. Das britische Modell macht das Top-Management von Finanzunternehmen direkt für ihre Handlungen verantwortlich.

Genau diesen Vorschlag will ein Parlamentsabgeordneter nun aufs Tapet bringen. "Bankdirektoren übernehmen keine Verantwortung für ihr Handeln, weil es keine Notwendigkeit dazu gibt", sagt Gerhard Andrey von den Grünen. "Es gibt keine wirklichen Sanktionen für Missmanagement." Die Skandale bei der Credit Suisse - von Mosambik bis Greensill - schadeten dem Ansehen der Schweiz. "Wir haben eine Reform vorgeschlagen", sagt der Politiker. "Die würde bedeuten: wenn etwas schief geht, dann ist der Manager am Haken."

Eine mögliche Reform dürfte aber auf geballten Widerstand stoßen. Der Schweizer Bankenverband sagte, dass die derzeitige Aufsicht ausgewogen und streng sei und dass jegliche Anpassungen die Besonderheiten des Schweizer Bankwesens berücksichtigen sollten. Ein Credit-Suisse-Sprecher wies darauf hin, dass die Bank interne Untersuchungen der jüngsten Vorfälle eingeleitet habe und mit Management-Wechseln bereits erste Konsequenzen gezogen habe. Zudem habe das Institut bei den beteiligten Mitarbeitern, darunter auch Mitgliedern der Geschäftsleitung, Gehaltszahlungen ausgesetzt.

Die Anwältin und Compliance-Expertin Monika Roth fordert, dass in Zukunft auch die Aufsichtsbehörde ihre Hand auf Top-Management-Gehälter legen kann. Doch diese Ausweitung der Kompetenzen würde ein Umdenken in der Politik erfordern. Dominik Gross von der Entwicklungshilfe-Organisation Alliance Sud geht davon aus, dass sich viele Abgeordnete gegen einen solchen Wandel sträuben werden. Ein großer Teil der Bevölkerung profitiere von der Branche. "In der Schweiz gibt es ein Selbstverständnis, dass ein starker Finanzplatz zu dem Land gehört wie Uhren oder Schokolade."

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