Reuters

Lieferketten machen Maschinen- und Anlagenbauern Sorgen

10.06.2021 um 07:47 Uhr

München/Berlin (Reuters) - Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer kämpfen gegen das Lieferkettengesetz und für eine gemeinsame Anstrengung zum Klimaschutz.

Der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Karl Haeusgen, brachte am Mittwoch einen "Klima-Klub" der wichtigsten Industrieländer ins Gespräch. Wenn ähnlich gesinnte Staaten wie Europa, die USA und Japan an einem Strang zögen und gleiche Rahmenbedingungen und Regeln für den Klimaschutz und dessen Durchsetzung schafften, lohnten sich Investitionen in klimafreundliche Technologien eher. "Das wäre auch eine große Chance, um das transatlantische Verhältnis wieder zu verbessern", sagte der Unternehmer im Club Wirtschaftspresse in München. Einen "Klimazoll", wie ihn die EU derzeit diskutiert, lehnt Haeusgen dagegen ab. Er fördere nur den Protektionismus.

Das geplante Sorgfaltspflichtgesetz, mit dem Unternehmen die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten übernehmen sollen, hält Haeusgen für "leider schlecht gemacht". Er betonte: "Wir kämpfen nicht gegen ein Lieferkettengesetz, wir kämpfen für ein besseres Gesetz." Das Verbot von Kinderarbeit und angemessene Pausenzeiten würden dort gleichrangig behandelt. Die drohenden Bußgelder führten dazu, dass sich Unternehmen aus den jeweiligen Ländern zurückzögen. "Wie viel ist dann gewonnen für die Arbeiter vor Ort?"

Die Koalition aus CDU/CSU und SPD hat unterdessen entschieden, dass sie sowohl das Lieferkettengesetz als auch Bundespolizeigesetz noch in dieser Woche in den Bundestag einbringen wird. Beide Gesetze können dann abschließend beraten und beschlossen werden.

Die Lieferketten beschäftigen die deutschen Maschinenbauer auch im Aufschwung nach der Corona-Krise. Die stark anziehende Nachfrage und die gedrosselten Kapazitäten vieler Zulieferer führten derzeit zu Engpässen - von Zement bis zum Holz für die Verpackung der Anlagen. "Die erstaunlichsten Dinge gehen aus", sagte der VDMA-Chef. Die Engpässe dürften sich mindestens bis in das vierte Quartal hinziehen. Immense Kostensteigerungen seien die Folge, die auf Renditen drückten. "Da geht es nicht nur um ein bis zwei Prozent."

CHINA IST FLUCH UND SEGEN

Dabei holt die Branche, die als Aushängeschild der Industrie in Deutschland gilt, den Rückstand aus dem von der Corona-Pandemie überschatteten Jahr 2020 in rasantem Tempo auf. Die Produktion werde in diesem Jahr um zehn Prozent steigen, sagte Haeusgen. Erst vor zwei Monaten hatte der Verband die Prognose auf sieben von vier Prozent erhöht. Grund dafür seien vor allem die Konjunkturprogramme in China und in vielen anderen Märkten, sagte Haeusgen. "Aber der Auftragseingang steht inzwischen auf einer breiteren Basis." Auch Orders etwa aus Deutschland und Italien zögen an.

2020 war die Produktion deutscher Maschinen und Anlagen um zwölf Prozent auf 201 Milliarden Euro eingebrochen. Auch wenn sich die neue VDMA-Prognose erfüllt, landet die Branche damit noch knapp unter dem Niveau von 2019.

China hat die USA zuletzt als größten Absatzmarkt für die deutschen Maschinenbauer abgelöst - doch darin sieht Haeusgen auch eine Gefahr. "Denn das Bild in China verändert sich." Dem Land reiche es nicht mehr aus, deutsche Technologie zu kaufen. China wolle heute die Wertschöpfungsketten mit eigener Technik dominieren. "Ein reines Exportmodell wird nicht mehr lange funktionieren", warnte der Eigentümer den Ventil- und Pumpen-Herstellers Hawe Hydraulik, der in China stark vertreten ist. "Der Verlust dieses Marktes würde viele Unternehmen in eine echte Krise stürzen."

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