Deutsche Lufthansa AG
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Lufthansa verlÀsst Krisen-Modus - Kapitalerhöhung kommt

15.06.2021 um 13:17 Uhr

- von Ilona Wissenbach

Frankfurt (Reuters) - Die Lufthansa betrachtet die akute Corona-Krise als beendet und will durch einen grĂŒndlichen Umbau gestĂ€rkt aus ihr Pandemie hervorgehen.

Seit April habe sich die Buchungslage deutlich verbessert durch sinkende Covid-Infektionszahlen, den Fortschritt beim Impfen und die EinfĂŒhrung des digitalen Impfpasses in der EU, erklĂ€rte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag. "Der Tiefpunkt der Krise liegt hinter uns", sagte er. "Wir sind nicht zurĂŒck auf normal, doch es ist jetzt Zeit, zuversichtlich nach vorne zu schauen." Mit Blick auf die angekĂŒndigte Kapitalerhöhung sowie neue Spar- und Renditeziele betonte der Lufthansa-Chef: "Wir schalten um vom Krisenmodus in den Transformationsmodus."

Die Corona-Krise habe den Wandel beschleunigt, sodass die Lufthansa "stĂ€rker, effizienter, profitabler, kundenorientierter und nachhaltiger" werden solle. Die geplante Kapitalerhöhung sei dabei ein wichtiger Schritt zum Ausstieg aus den staatlichen Finanzhilfen. Am Montagabend hatte die Lufthansa die Anleger informiert, dass Banken mit dem Vorbereiten der schon lĂ€nger diskutierten Ausgabe neuer Aktien beauftragt worden seien. Zeitpunkt und Volumen stĂŒnden noch nicht fest.

Die Lufthansa war durch den Einbruch der Luftfahrt in der Corona-Krise in Existenznot geraten und musste mit einem Finanzrahmen von neun Milliarden Euro von Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz gestĂŒtzt werden. Von den 6,8 Milliarden Euro aus Deutschland nimmt die Airline derzeit noch eine Milliarde Euro in Form einer stillen Einlage in Anspruch, die mit dem Geld aus der Kapitalerhöhung zurĂŒckgezahlt werden soll. Reuters hatte vorher von Insidern erfahren, dass die Lufthansa mindestens drei Milliarden Euro einsammeln will.

Durch das vor rund einem Jahr beschlossene Rettungspaket wurde der Staat mit 20 Prozent grĂ¶ĂŸter AktionĂ€r der Lufthansa. Der Corona-Hilfsfonds WSF könnte sich nun in der Weise an der Kapitalerhöhung beteiligen, dass kein zusĂ€tzliches Geld der Steuerzahler fließen mĂŒsste und der Anteil verringert wĂŒrde. Doch auch darĂŒber steht eine Entscheidung noch aus.

PERSONALABBAU GEHT WEITER

Der MDax-Konzern steckte sich als erste der großen Fluggesellschaften in Europa ein neues Renditeziel bis 2024, wenn die Corona-Krise in der Branche weitgehend verdaut sein soll. Dann will das Unternehmen operativ mindestens acht Prozent des Umsatzes verdienen - eine Marke, die der Konzern in der letzten Zeit nur in den Boomjahren 2017 und 2018 schaffte. Dazu sollen die Kosten um rund 3,5 Milliarden Euro bis 2024 im Vergleich zu 2019 sinken. Die HĂ€lfte davon werde schon in diesem Jahr erreicht. Gut die HĂ€lfte des Kostenblocks entfĂ€llt mit 1,8 Milliarden Euro auf das Personal. Seit Ausbruch der Krise baute die Lufthansa-Gruppe - neben der Hauptmarke Lufthansa die Töchter Eurowings, Swiss, Austrian und Brussels Airlines, Lufthansa Technik und das CateringgeschĂ€ft LSG - weltweit schon 26.000 Stellen ab. Von den verbliebenen 110.000 Jobs sollen in Deutschland noch 10.000 wegfallen, wie schon frĂŒher angekĂŒndigt wurde. Mit den Gewerkschaften Vereinigung Cockpit, UFO und Verdi sollen dazu neue Vereinbarungen ausgehandelt werden. Die Lufthansa schließt nach wie vor betriebsbedingte KĂŒndigungen nicht aus.

Die 1,8 Milliarden Euro seien 20 Prozent der Personalkosten, erklĂ€rte Daniel Röska, Luftfahrtexperte von Bernstein Research. Der Plan von Vorstandschef Spohr sei zu begrĂŒĂŸen, aber mit Vorsicht zu genießen. Denn der Erfolg hĂ€nge grĂ¶ĂŸtenteils davon ab, ob es der Lufthansa gelingt, sich mit ihren kampferprobten Gewerkschaften zu einigen. Streit entbrannte zuletzt ĂŒber die geplante neue Langstreckenflotte Eurowings Discover, weil die Bezahlung dort niedriger sein soll als bei der Lufthansa.

Die SparplĂ€ne betreffen viele weitere Bereiche des Unternehmens, etwa die GebĂ€udekosten. Schon im vergangenen Jahr hatte Spohr angekĂŒndigt, dass auch die Flugzeugflotte bis 2023 um knapp ein FĂŒnftel auf 650 Maschinen schrumpfen soll. Um profitabler zu werden, will die Lufthansa auch die Investitionen begrenzen: auf 2,5 Milliarden Euro im Jahr ab 2023. Auch die FĂŒhrungsstruktur wird umgebaut. Der MDax-Konzern will außerdem durch den Verkauf des internationalen CateringgeschĂ€fts LSG sowie der Finanzservicetochter Airplus Geld hereinholen. Diese VerkĂ€ufe seien wahrscheinlich erst nĂ€chstes Jahr zu erwarten, sagte Finanzchef Remco Steenbergen. GeprĂŒft werde weiterhin, einen Minderheitenanteil an der Wartungstochter Lufthansa Technik zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.

"Wir haben unsere Hausaufgaben gut gemacht und mĂŒssen abwarten, wie der Markt das sieht", sagte Steenbergen. Die Aktien legten an der Börse zunĂ€chst um mehr als ein Prozent zu, da Anleger das Renditeziel begrĂŒĂŸten, drehten spĂ€ter aber ins Minus.

Deutsche Lufthansa AG Chart
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