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EZB und Top-Banker geraten beim Thema Inflation aneinander

19.11.2021 um 13:52 Uhr

- von Frank Siebelt und Reinhard Becker

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Schlagabtausch zwischen Zentralbank und deutscher Hochfinanz: EZB-Chefin Christine Lagarde erteilte Rufen nach einer Abkehr von der jahrelangen Tiefzinspolitik wegen der hochschnellenden Inflation eine klare Absage.

Eine Straffung der Geldpolitik sei zurzeit nicht sinnvoll, weil sich der Inflationsdruck abschwächen werde, sagte sie am Freitag auf dem European Banking Congress (EBC) in Frankfurt. Die Reaktion folgte prompt: Aus Sicht von Deutsche Bank-Chef Christian Sewing wird der Teuerungsschub womöglich länger anhalten als die Notenbank voraussagt. "Und in dieser Hinsicht denke ich, dass eine Reaktion auch der Zentralbank früher kommen sollte, als wir gerade gehört haben", konterte er Lagardes Rede.

Die Inflationsrate im Euro-Raum lag im Oktober mit 4,1 Prozent so hoch wie seit mehr als 13 Jahren nicht mehr. Bislang rechnet die EZB damit, dass der Preisdruck aber wieder zurückgehen wird, der aus ihrer Sicht vor allem durch erhöhte Energiekosten und pandemiebedingte Störungen der Lieferketten und Materialengpässe verursacht wird. Allerdings warnt der Internationalen Währungsfonds (IMF) inzwischen davor, die Teuerung könne sich als hartnäckiger erweisen, falls die Lieferengpässe anhielten. Die EZB-Volkswirte hatten in ihren Projektionen für 2022 im September eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent veranschlagt. Damit würde die EZB ihr Inflationsziel von zwei Prozent auch nächstes Jahr verfehlen.

Aus Sicht von Lagarde wird die Teuerung zwar absehbar bis zum Jahresende weiter ansteigen. Doch auf mittlere Sicht sei mit einem Absinken zu rechnen. "Wenn es zu erwarten ist, dass sich der Inflationsdruck abschwächt - wie es heute der Fall ist - macht es keinen Sinn mit einer Straffung der Geldpolitik zu reagieren", sagte sie. Ein solcher Schritt würde sich erst dann auf die Wirtschaft auswirken, wenn der Schock bereits vorüber sei. Für die EZB gelte es daher, ihre Geldpolitik "geduldig und beharrlich" fortzusetzen. "Wie ich zuletzt erläutert habe, es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Bedingungen für eine Anhebung der Zinsen nächstes Jahr erfüllt sind."

Die Chefs der Frankfurter Finanzkonzerne Deutsche Bank und Commerzbank sehen dies anders. Die jüngsten Inflationstrends würden auch im ersten Halbjahr 2022 anhalten, sagte Sewing. Die Dauer der Inflation werde unterschätzt. Auch aus Sicht von Commerzbank-Chef Manfred Knof ist die derzeit vergleichbar hohe Teuerung keine Eintagsfliege. "Wir glauben, dass die Inflation anhalten wird," sagte er. Und dies werde eine Herausforderung sein.

BNP-CHAIRMAN - THEMA IST WACHSTUM UND NICHT INFLATION

Im Unterschied zu den beiden deutschen Bankenchefs wird das Inflationsthema auf der anderen Seite des Rheins in der Branche entspannter gesehen. "Eine etwas höhere zugrundeliegende Inflation ist nicht schlecht", sagte der Chairman der größten börsennotierten Bank Frankreichs, BNP Paribas, Jean Lemierre, auf der Konferenz. Das werde dabei helfen, die Ziele der EZB zu erreichen - und darauf werde schon lange gewartet. "Im Augenblick bedeutet Inflation tatsächlich Wachstum", sagte Lemierre. "Kurzum, das ist positiv." Die wirkliche Frage heute sei ist nicht die Inflation, sondern Wachstum - ob es gelingt, von der Phase der Erholung wieder umzuschalten auf Wachstum. "Anstatt einer endlosen Diskussion über Inflation lasst uns eine Diksussion über Wachstum führen," sagte er.

Lagarde hatte in ihrer Rede in Aussicht gestellt, dass die EZB die Wirtschaft im Währungsraum auch nach dem Ende der akuten Pandemie-Notlage weiter stützen wird. Dies gelte auch mit Blick auf die "angemessene Justierung" der von der EZB betriebenen Anleihenkäufe zur Ankurbelung der Konjunktur. "Wir werden unsere Absichten dazu im Dezember mitteilen", fügte sie hinzu.

Experten gehen davon aus, dass die Konjunkturhilfe auch nach dem Ende des billionenschweren Anleihenkaufprogramms PEPP nicht abrupt gestoppt wird. Sie erwarten, dass dann das kleinere Anleihenprogramm APP in der einen oder anderen Form einen möglichst reibungslosen Übergang ermöglichen wird. Die monatlichen APP-Kaufvolumina von 20 Milliarden Euro fallen derzeit deutlich geringer aus als die des PEPP, das weit größer angelegt ist.

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