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Finanzinvestor greift nach Telecom Italia - Aktie hebt ab

22.11.2021 um 10:47 Uhr

Mailand (Reuters) - Der US-Finanzinvestor KKR will sich den größten italienischen Telekommunikationsanbieter Telecom Italia (TIM) einverleiben.

KKR bietet den Aktionären je Anteilschein 50,5 Cent, wodurch Telecom Italia mit 10,8 Milliarden Euro bewertet wird. Zudem müsste ein neuer Eigentümer auch Schulden von 29 Milliarden Euro mit übernehmen. Die Aktien schossen am Montag um 25 Prozent in die Höhe. Analysten halten einen Bieterwettstreit für möglich.

Großaktionär Vivendi halte das Gebot von KKR nicht für ausreichend, sagte eine dem Medienkonzern nahestehende Person zu Reuters. Vivendi hatte für seinen rund 24-prozentigen Anteil im Schnitt 1,07 Euro je Aktie gezahlt. Experten der Bank HSBC glauben daher, dass sich die Franzosen möglicherweise um ein Gegengebot bemühen. Die Analysten der US-Bank Jefferies halten es für möglich, dass Vivendi das KKR-Gebot nicht annimmt.

Einer Übernahme von Telecom Italia durch den amerikanischen Finanzinvestor müsste auch der italienische Staat zustimmen. Der Konzern selbst ließ offen, wie er zu dem Vorstoß von KKR steht. Nach einer Sitzung des Verwaltungsrates hieß es, KKR wolle sein Vorhaben als "freundlich" verstanden wissen und die Zustimmung des Managements gewinnen. Die Offerte entspricht einem Aufschlag von knapp 46 Prozent auf den Schlusskurs der Stammaktien vom Freitag. KKR will Telecom Italia von der Börse nehmen.

Aktien von Telekommunikationsanbietern waren gefragt. Der europäische Branchenindex steuerte mit einem Plus von 1,6 Prozent auf den größten Tagesgewinn seit einem Dreiviertel Jahr zu. Die Titel der Deutschen Telekom waren mit einem Plus von 1,3 Prozent unter den größten Gewinnern im Dax. Vodafone gewannen in London 2,2 Prozent. An der Börse in Paris legten die Vivendi-Titel um knapp drei Prozent zu.

SCHARFER WETTBEWERB SETZT TELECOM ITALIA ZU

Die Geschäfte von Telecom Italia laufen seit längerem nicht rund. Der Umsatz ist in den vergangenen fünf Jahren um ein Fünftel geschrumpft. Dafür ist auch der scharfe Wettbewerb mit Rivalen wie Iliad, Vodafone, Wind Tre und Fastweb verantwortlich. Unter TIM-Chef Luigi Gubitosi hatte es zuletzt zwei Gewinnwarnungen binnen drei Monaten gegeben, Vivendi will den Manager austauschen.

Gubitosi hatte KKR bereits 2020 an Bord geholt. Damals hatte der US-Finanzinvestor 1,8 Milliarden Euro für 37,5 Prozent am Unternehmen Fibercop gezahlt, in dem TIMs Geschäft mit der "letzten Meile" der Netze von den Verteilerkästen in den Straßen bis zu den Haushalten gebündelt ist. Die Regierung ist am zügigen Ausbau des Breitbandnetzes in Italien interessiert. Dazu sind Milliarden-Investitionen erforderlich. Das aktuelle Kupfernetz muss auf Glasfaser umgestellt werden, damit Datenübertragungsraten möglich sind, die die Industrie benötigt.

Die Regierung ließ zunächst offen, wie sie zu KKRs Vorhaben steht. Man beobachte die Entwicklung, hieß es. Ziel der Regierung sei, sicherzustellen, dass jedwede Übernahme mit dem Ziel eines Breitbandausbaus vereinbar sei.

(Reporterinnen: Elvira Pollina, Valentina Za und Pamela Barbaglia; geschrieben von Patricia Uhlig, redigiert von Hans Seidenstücker. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter 030 2201 33702)

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