Reuters

Lauterbach - Corona-Zahlen könnten Krankenhäuser an Grenzen bringen

14.01.2022 um 14:52 Uhr

Berlin (Reuters) - Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat angesichts steigender Corona-Infektionszahlen davor gewarnt, dass Krankenhäuser und Labore an ihre Grenzen stoßen könnten.

Dennoch seien zusätzliche Maßnahmen derzeit nicht notwendig, weil Deutschland anders als andere Staaten nicht mit einem sehr steilen Anstieg der Zahlen rechnen müsse, sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin. Auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, und der Charité-Virologe Christian Drosten sagten, die Corona-Maßnahmen in Deutschland bewirkten einen langsameren Anstieg der Infektionszahlen. Wenn sich die Entwicklung ändere, müsse nachgesteuert werden, sagte Lauterbach. "Lockerungen kann man zum derzeitigen Zeitpunkt ausschließen."

Bei den Corona-Infektionsfällen wird die Omikron-Variante die Delta-Variante nach Angaben von Wieler in wenigen Tagen vollständig verdrängt haben. Durch die Masse an Infektionen müsse man sich darauf einstellen, dass die Zahlen der Klinik-Einweisungen und der Todesfälle wieder steigen würden. Bisher hätten die Todesfälle noch nicht wieder zugenommen: "Das wird sich aber ändern." Der Bundesrat stimmte am Freitag einer Verkürzung der Quarantäne- und Isolationszeiten zu, die am Samstag in Kraft treten soll. In den meisten Fällen soll dann eine Freitestung nach sieben Tagen möglich werden.

Das RKI meldete am Freitag mit 92.223 einen neuen Höchstwert bei den Neuinfektionen. Das sind 35.888 mehr als vor einer Woche. Zugleich stieg die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ebenfalls auf einen Rekord von 470,6 nach 427,7 am Vortag. 286 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus.

DROSTEN: ZU FRÜH, DAS VIRUS LAUFE ZU LASSEN

Drosten, Wieler und Lauterbach wiesen darauf hin, dass die mittlerweile dominante Omikron-Virus-Variante im Schnitt zu leichteren Krankheitsverläufen führe: Die sogenannte Hospitalisierungs-Inzidenz betrug laut RKI am Freitag auf 3,23. Sie gibt an, wie viele Menschen mit einer Corona-Erkrankung pro 100.000 Einwohner in einer Woche in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Allerdings warnte der Gesundheitsminister, dass die sehr hohe Zahl an Fällen dennoch zu einer hohen absoluten Zahl an Corona-infizierten Krankenhaus-Patienten führen könne. Bei den ganz schweren Fällen gibt es aber eine leichte Entspannung: Die Zahl der Corona-Intensivpatienten sank zuletzt auf 2841.

Drosten warnte, schon jetzt auf eine Durchseuchung der Bevölkerung in Deutschland zu setzen. Drei Millionen Menschen über 60 Jahren seien noch nicht geimpft, fast neun Millionen nicht geboostert und damit nicht vollständig gegen die Omikron-Virus-Variante geschützt. Aber irgendwann müsse man das Virus "laufen lassen", weil man die Bevölkerung nicht immer wieder nachimpfen könne.

Positiv sei, dass der Verdoppelungszeitraum der Infektionen sich auf 6,5 Tage erhöht habe, sagte Lauterbach. Durch die Anti-Corona-Maßnahmen seien die Kontakte in Deutschland auf etwa 50 Prozent des "vorpandemischen Zeitalters" reduziert. "Trotzdem gibt es keinen Grund zur Entwarnung." Wieler kündigte an, dass sich die Teststrategie ändern werde. Zum einen brauche man wegen Omikron weniger PCR-Tests, die Varianten analysierten. Zudem werde das Testen in einigen Monaten unwichtiger, wenn sich die Wirkung von Corona-Infektionen weiter abschwächen sollten.

Die Bundesregierung hält unterdessen am Ziel fest, bis Ende Januar eine Quote an Erstimpfungen von 80 Prozent zu erreichen. Dies sei ein sehr ehrgeiziges Ziel, an dem man mit Hochdruck arbeite, sagt die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann. "Wir haben noch etwas Zeit." Zuvor hatte Lauterbach Zweifel geäußert, ob das Ziel noch erreichbar sei. Am Donnerstag ließen sich nach Angaben des RKI 734.061 Menschen impfen. Darunter waren 50.604 Erstimpfungen. Insgesamt haben 74,9 Prozent mindestens eine Impfung erhalten.

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