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Werbung treibt ProSieben-Umsatz - Aber Fußball-WM dämpft Gewinn

12.05.2022
um 10:32 Uhr

- von Klaus Lauer

Berlin (Reuters) - Vorgezogene Programm-Ausgaben wegen der Fußball-WM haben den operativen Gewinn bei ProSiebenSat.1 zum Jahresanfang erwartungsgemäß gebremst.

Das bereinigte Ebitda fiel binnen Jahresfrist um fast 14 Prozent auf 123 Millionen Euro, wie der Fernsehkonzern am Donnerstag mitteilte. Grund hierfür sei vor allem eine andere Verteilung von Marktanteilen, weil die Fußball-Weltmeisterschaft Ende 2022 in Katar bei den öffentlich-rechtlichen Sendern laufe. "Wir haben Programmaufwendungen ins erste Quartal vorgezogen, um einen besseren Marktanteil zu haben", sagte Konzernchef Rainer Beaujean im Reuters-Interview. "Denn ich weiß, dass ich im vierten Quartal gegebenenfalls wegen Fußball einen schlechteren Marktanteil habe."

Der TV-Sender müsse in puncto Vermarktung auch den Jahres-Marktanteil im Blick haben, erläuterte Beaujean. "Wir sind mit sehr viel Wumms ins Jahr reingegangen, was die Programmaufwendungen angeht." Aber im Gesamtjahr werde das Niveau gleich bleiben. Dies sei auch so geplant.

UKRAINE-EFFEKT? "WIR HABEN KEINE STORNIERUNGEN"

Die Konzernumsätze kletterten im ersten Quartal um 1,7 Prozent auf 954 Millionen Euro und profitierten vom Rückenwind durch lineare und digitale Werbung. Im April lagen die Entertainment-Werbeerlöse in Deutschland, Österreich und der Schweiz leicht und in den ersten vier Monaten des Jahres um rund sieben Prozent über Vorjahr. "Tourismus ist ein großer Treiber", sagte Beaujean. Dies zeige sich bei der Eventtochter Jochen Schweizer, bei Billiger-Mietwagen.de und den Werbekunden. Mit Blick auf Mai und Juni sagte Beaujean vor dem Hintergrund des durch den Ukraine-Krieg eingetrübten Konsumklimas, der eine oder andere Werbekunde verschiebe durchaus etwas. "Aber wir haben in keinster Weise irgendwelche Stornierungen."

Beaujean geht nicht davon aus, dass die Ukraine-Krise und eine schwächelnde Wirtschaft das Geschäft von ProSieben belasten. "Wir haben den großen Effekt nicht und ich erwartet ihn auch nicht, sofern die Lieferketten nicht abbrechen." Deshalb halte man an den Zielen für 2022 fest. Der Konzern aus Unterföhring bei München peilt einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro an, der um 100 Millionen Euro nach oben oder unten abweichen könne. Der operative Gewinn dürfte bei 840 Millionen (plus/minus 25 Millionen) Euro eher stagnieren. Der Konzern senkte im ersten Quartal seinen Verschuldungsgrad weiter.

Beaujean hält den Fernsehkonzern stark genug für eine Zukunft auf eigenen Füßen und hat seinem italienischen Großaktionär MFE und dem deutschen Rivalen RTL jüngst bei der Hauptversammlung die kalte Schulter gezeigt. "Wir schaffen es alleine", sagte Beaujean vorige Woche. Die vom ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi dominierte Fernsehholding MFE-Mediaforeurope hatte ihren Anteil an ProSiebenSat.1 zuletzt stetig erhöht. Sie hält derzeit rund ein Viertel und setzt auf eine engere Zusammenarbeit.

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