Credit Suisse Group AG
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Insider - Credit Suisse wägt Optionen zur Stärkung des Kapitals ab

31.05.2022 um 12:57 Uhr

Zürich (Reuters) - Die krisengeplagte Schweizer Großbank Credit Suisse prüft Insidern zufolge Maßnahmen zur Stärkung des Kapitals.

Eine Option sei dabei eine Kapitalerhöhung, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Das Volumen stehe noch nicht fest, dürfte aber die Schwelle von einer Milliarde Franken überschreiten, sagte eine der Personen. Eine solche Transaktion würde voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte über die Bühne gehen. Mögliche Alternativen zu einer Kapitalerhöhung sei ein Verkauf eines Teilbereichs wie etwa des Asset Managements oder die Umschichtung von Kapital aus den teilweise komfortabel ausgestatteten Tochtergesellschaften in die Gruppe, erklärte ein zweiter Insider. Die Überlegungen befänden sich allerdings in einem frühen Stadium, eine Entscheidung zur Stärkung des Kapitals sei noch nicht gefallen, sagten die Personen.

Mit einer Kapitalerhöhung wolle die zweitgrößte Schweizer Bank nicht nur die Bilanz aufpolstern, sondern auch ein positives Signal nach außen senden, hieß es. Im Vordergrund stehe dabei, bestehende Großaktionäre anzuzapfen. Denn wenn bekannte Investoren der Bank frisches Kapital zukommen ließen, könnte das als Vertrauensbeweis gewertet werden. Doch die Anleger reagierten verunsichert. An der Börse gaben Credit Suisse am Dienstag 4,3 Prozent nach und waren damit der größte Verlierer unter den Schweizer Standardwerten. Seit Anfang 2021 hat das Bankhaus rund 40 Prozent seines Börsenwertes verloren.

"Die Credit Suisse erwägt derzeit keine Aufnahme von zusätzlichem Eigenkapital", erklärte die Bank. Mit einer Kernkapitalquote von 13,8 Prozent und einer Verschuldungsquote (Leverage Ratio) von 4,3 Prozent sei die Gruppe solide kapitalisiert. Zudem sei das Asset Management ein wesentlicher Bestandteil der Gruppenstrategie. Großaktionär Harris Associates stellt sich hinter die Bank. "Angesichts der gegenwärtigen Stärke der Bilanz stimmen wir mit der Aussage des Unternehmens überein, dass keine erneute Kapitalerhöhung notwendig ist", sagte Anlagechef David Herro zu Reuters.

FOLGT MEHR UNGEMACH?

Credit Suisse machte in den vergangenen zweieinhalb Jahren mit einer Reihe von Fehlschlägen Schlagzeilen. [L8N2XN234]Alleine der Kollaps des Hedgefonds Archegos kostete die Bank 2021 rund fünf Milliarden Franken. Aber auch im Rest des Geschäfts zeigen sich Bremsspuren, im ersten Quartal brachen die Erträge um 42 Prozent ein, und unter dem Strich standen mit einem Verlust von 273 Millionen Franken erneut rote Zahlen. Bis Ende März sank die Kernkapitalquote auf 13,8 Prozent von 14,4 Prozent Ende 2021 und verfehlte damit den für 2024 angepeilten Wert von 14 Prozent. Je höher diese Quote ist, desto kapitalstärker ist eine Bank.

Vorbehalte hat offenbar die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma). Einem der Insider zufolge stellt die Finma der Credit Suisse kein gutes Zeugnis aus. Im jährlichen "Assessment Letter" habe die Behörde der Bank die tiefste Note vier gegeben. Das bedeute, dass die Finma die Credit Suisse intensiv und laufend überwache. Die Behörde sorge sich unter anderem über die Kapitalisierung auf Konzernebene. Die Finma wollte sich nicht äußern.

Die Kernkapitalquote sei verglichen mit der eigenen Zielsetzung etwas knapp und dürfte sich im Verlauf des Jahres weiter abschwächen, erklärte Jefferies-Analystin Flora Bocahut. "Falls sich die Nachricht (zur Stärkung des Kapitals) bestätigt, deutet das auf mehr Ungemach hin, als wir derzeit erwarten." So könnten die Erträge niedriger oder die Risiken höher ausfallen als angenommen.

Die Rating-Agenturen Standard&Poor`s (S&P) und Fitch hatten Credit Suisse kürzlich zurückgestuft und dies unter anderem mit der im Konkurrenzvergleich schwachen operativen Rentabilität begründet. Ein niedriges Rating verteuert üblicherweise die Finanzierung der Bank. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor stellt einem der Insider zufolge die Ernennung eines neuen Rechtschefs zum 1. Juli dar. Es sei nicht auszuschließen, das Markus Diethelm bei anhängigen Rechtsfällen schnellere Vergleiche suchen könnte als sein Vorgänger. Dies würde aber wieder Geld kosten und könnte der Kapitalquote zusetzen.

Über zwei Pflichtwandelanleihen hatte Konzernchef Thomas Gottstein im Anschluss an das Archegos-Debakel im vergangenen Jahr bereits rund 1,75 Milliarden Franken eingesammelt. Gottsteins Vorgänger Tidjane Thiam hatte in seiner Amtszeit mit zwei Kapitalerhöhungen rund zehn Milliarden Franken aufgenommen.

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