Reuters

Euro-Wirtschaft schrumpft - "Deutschland am schlimmsten erwischt"

23.09.2022 um 11:37 Uhr

Berlin (Reuters) - Energiekrise und Rekordinflation bremsen die Wirtschaft der Euro-Zone so stark aus wie seit über anderthalb Jahren nicht mehr.

Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - fiel im September um 0,7 auf 48,2 Zähler, wie der Finanzdienstleister S&P Global am Freitag zu seiner Umfrage unter Tausenden Firmen mitteilte. Dies ist der schlechteste Wert seit 20 Monaten und der dritte Rückgang in Folge. Damit liegt das Barometer zugleich merklich unter der Wachstumsschwelle von 50. "Angesichts der sich verschlechternden Geschäftslage und des zunehmenden Preisdrucks infolge steigender Energiekosten ist mit einer Rezession in der Euro-Zone zu rechnen", sagte S&P Global-Chefvolkswirt Chris Williamson.

In vielen Euro-Ländern zeichnet sich ein merklicher Abschwung ab. "Deutschland hat es am schlimmsten erwischt, denn hier ging es mit der Wirtschaft - abgesehen von den Pandemie-Monaten - so rasant bergab wie seit der globalen Finanzkrise nicht mehr", sagte Williamson. Der deutsche Einkaufsmanagerindex sank um 1,0 auf 45,9 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit Mai 2020. "Das Hickhack um die Gasumlage, die unklare Situation, wie es mit den Energiepreisen weitergeht und welche Maßnahmen zur Abfederung von der Bundesregierung letztlich kommen werden, verunsichern die Konsumenten und damit auch die Wirtschaft", sagte DWS-Euroopa-Chefvolkswirt Martin Moryson.

PRODUKTION OFT UNRENTABEL

Aber auch im Euroraum insgesamt stehen die Zeichen auf Rezession. Besonders kritisch sei die Lage in der Industrie, sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. "Die massiv gestiegenen Strom- und Gaspreise machen die Produktion mancher Güter unrentabel, so dass diese von den Unternehmen trotz ausreichender Aufträge heruntergefahren wird", sagte er. "Gleichzeitig lässt die Unsicherheit über die künftige Gasversorgung die Unternehmen vorsichtiger werden, was für weniger Investitionen spricht."

Ungeachtet des Abschwungs fachte der sprunghafte Anstieg der Energiekosten den Inflationsdruck wieder an. "Für die Geldpolitiker wird es daher immer schwieriger, die Inflation zu bändigen und gleichzeitig eine harte Landung der Wirtschaft zu vermeiden", sagte Williamson mit Blick auf die Europäische Zentralbank (EZB), die ihre Zinsen zuletzt zweimal in Folge angehoben hat. Führende Währungshüter wie EZB-Direktorin Isabel Schnabel haben zuletzt betont, trotz des drohenden Abschwungs die Zinsen weiter anzuheben. Das macht Kredite für Investitionen und Konsum teurer, was die Konjunktur weiter belasten dürfte.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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