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ROUNDUP: Bauernpräsident will Pflanzen mit Gentechnik vor Dürre schützen

26.06.2019 um 17:13 Uhr

SCHKEUDITZ (dpa-AFX) - Die deutschen Bauern wollen sich mit speziellen Züchtungen gegen den Klimawandel wappnen. Dazu sei eine Änderung der europäischen Gentechnik-Gesetze nötig, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Mittwoch beim Deutschen Bauerntag in Schkeuditz bei Leipzig. Die Pflanzen müssten sowohl mit Trockenheit als auch mit Nässe umgehen können, sagte er bei dem zweitägigen Treffen.

Außerdem erwartet der Bauernpräsident eine steuerfreie Risikorücklage für mögliche Ernteausfälle - etwa nach Hitzesommern wie im vergangenen Jahr. Rukwied forderte zudem, dass sich die Politik für mehr Bioenergieerzeugung stark macht, um die Klimabilanz der Bauern zu verbessern.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) pochte auf die Verantwortung der Verbraucher: "Es ist zu einfach, der Landwirtschaft beim Klimaschutz einseitig den schwarzen Peter zuzuschieben, dabei aber den Steingarten vor der eigenen Haustür zu vergessen." Tierwohl entscheide sich nicht nur im Stall, sondern auch an der Ladenkasse.

Der Bauernpräsident hob hervor, dass Landwirte mit insgesamt 230 000 Kilometer langen Blühstreifen am Rand von Feldern in Deutschland entscheidend zur Artenvielfalt beitragen. Auch die Initiative Tierwohl sei ein wesentlicher Bestandteil nachhaltiger Landwirtschaft.

Diese Nachhaltigkeit sieht er durch ein mögliches Mercosur-Abkommen in Gefahr: Durch das Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund kämen Produkte aus ehemaligen Regenwaldgebieten in die Region, außerdem habe Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro seit seinem Antritt 150 Pflanzenschutzmittel neu zugelassen. "Ich erwarte von der Politik Geradlinigkeit", sagte Rukwied. Durch das Abkommen könnte die europäische Landwirtschaft sieben Milliarden Euro einbüßen, warnte er.

Auch die von der Bundesregierung vorgeschlagenen zusätzlichen Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers kritisiert der Bauernverband. Die EU-Kommission hatte Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte verklagt und 2018 beim Europäischen Gerichtshof Recht bekommen. Sie verlangt nun zusätzliche Dünge-Beschränkungen.

Würden Zwischenfrüchte nicht gedüngt, bildeten sie weniger Wurzeln aus, warnte der Bauernpräsident. Das könne dann ebenfalls zu einem höheren Nitratgehalt im Boden führen, sagte Rukwied. Er hoffe auf "mehr Sachverstand" der Regierung bei der Ausarbeitung der Ackerbaustrategie, die das Landwirtschaftsministerium im Herbst vorlegen will.

Rukwied warnte vor einer zunehmenden Entfremdung von Stadtbewohnern und Landwirten. Mit Blick auf Volksbegehren zum Schutz von Bienen sagte er: "Ich habe kein Verständnis dafür, dass man vom Schreibtisch aus auf die Bauern zeigt und sagt, ihr habt eure Hausaufgaben nicht gemacht." Ihn sorge, dass urbane Milieus zunehmend versuchen, die tägliche Arbeit von Bauern zu beeinflussen.

Der Deutsche Bauernverband vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 300 000 Landwirten und ihren Familien./trh/DP/stw

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