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Faktencheck: Der Regenwald als 'grĂŒne Lunge' und Klimaretter

23.08.2019 um 16:25 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Der Amazonas-Regenwald gilt als die Lunge der Welt. Seit Wochen brennt es in dem brasilianischen Gebiet. Ist es ein Desaster fĂŒr das weltweite Klima? Ein Faktencheck.

BEHAUPTUNG: "Der Amazonas-Regenwald produziert mehr als 20 Prozent des weltweiten Sauerstoffs", schreibt der portugiesische Fußball-Star Cristiano Ronaldo.

BEWERTUNG: Das ist nach Ansicht vieler Forscher richtig.

FAKTEN: Viele Wissenschaftler und UmweltverbĂ€nde gehen davon aus, dass ein FĂŒnftel des weltweiten Sauerstoffs ĂŒber das riesige Waldgebiet rund um den sĂŒdamerikanischen Fluss in die ErdatmosphĂ€re gelangt. Alle RegenwĂ€lder auf der Welt sind nach Angaben des Waldforums der Vereinten Nationen (UNFF) gemeinsam fĂŒr 40 Prozent des Sauerstoffs in der Luft verantwortlich. Die Region am Amazonas ist in etwa genauso groß wie alle anderen RegenwĂ€lder zusammen.

Die BĂ€ume absorbieren das Kohlendioxid (CO2) aus der ErdatmosphĂ€re und wandeln es im Prozess der Photosynthese um: in Kohlenstoffverbindungen und in Sauerstoff, der wieder in die Luft entlassen wird. BĂ€ume spielen also eine elementare Rolle, um einem zu hohen CO2-Ausstoß entgegenzuwirken. Wenn die WĂ€lder brennen, gelangt der Kohlenstoff aus den Pflanzen allerdings wieder als Treibhausgas CO2 in die Luft. Die Feuer verstĂ€rken also den Klimawandel.

Die RegenwĂ€lder sorgen zudem fĂŒr saubere Luft, weil sie giftige Stoffe herausfiltern. Zudem pumpt der Amazonas-Regenwald nach Angaben der Organisation "Amazon Watch" jeden Tag bis zu 20 Milliarden Tonnen Wasser in die AtmosphĂ€re.

BEHAUPTUNG: Der Regenwald im Amazonas schrumpft seit Jahrzehnten.

BEWERTUNG: Das ist richtig.

FAKTEN: Die brasilianische Weltraumagentur INPE ĂŒberwacht seit 1988 die Abholzung im Amazonasgebiet. Seitdem wurde der Wald auf einer FlĂ€che von 700 000 Quadratkilometern zerstört. Das entspricht etwa zweimal der FlĂ€che von Deutschland. Allein von 2000 bis 2018 ist der brasilianische Regenwald nach Berechnungen der Organisation Global Forest Watch um etwa zehn Prozent geschrumpft.

Dabei schwanken die Zahlen von Jahr zu Jahr erheblich: So wurden 2009 rund 18 000 Quadratkilometer Wald vernichtet, im Jahr 2016 waren es fast dreimal so viel. Die WelternĂ€hrungsorganisation FAO macht die Umwandlung in Weideland fĂŒr 80 Prozent dieser Verluste verantwortlich. Umweltorganisationen wie Greenpeace nennen illegale Rodungen als Hauptursache von Feuern in der Region.

BEHAUPTUNG: Der Amazonas-Regenwald ist die grĂ¶ĂŸte CO2-Senke der Erde.

BEWERTUNG: Das ist so nicht richtig.

FAKTEN: Pflanzliche Biomasse kann klimaschĂ€dliches CO2 in organische Kohlenstoffverbindungen umwandeln und diese speichern. Tropische RegenwĂ€lder - darunter die im Amazonasgebiet - sind zwar ein gigantischer Kohlenstoffspeicher. Die grĂ¶ĂŸte natĂŒrliche Senke fĂŒr Kohlenstoff sind allerdings die Ozeane - sie nehmen nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) rund 30 Prozent des jĂ€hrlich vom Menschen verursachten CO2 auf.

Zum einen wird Kohlendioxid von vielen Meereslebewesen wie Algen gebunden. Ein großer Teil davon sinkt zum Meeresgrund und lagert sich dort ab - das CO2 bleibt gefangen.

Zum anderen wirkt im Meer eine physikalische Kohlenstoffpumpe: Kaltes Wasser kann mehr CO2 aufnehmen als warmes. Zugleich ist es schwerer und sinkt deshalb in die Tiefe. Vor allem in den kalten Polarmeeren wird so im Wasser gelöstes Kohlendioxid der AtmosphĂ€re entzogen - teils fĂŒr sehr lange Zeit. Forscher warnen aber: Wenn sich mehr und mehr CO2 im Meerwasser löst, sinkt dessen AufnahmekapazitĂ€t. Im Zuge des Klimawandels steigende Temperaturen verstĂ€rken das Problem noch. Je wĂ€rmer das Meerwasser wird, desto weniger CO2 kann es halten./rh/sfi/DP/zb

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