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19.09.2019 um 20:31 Uhr

Börsen-Zeitung: Tiefer Sturz, Kommentar zum Markt für Übernahmen von
Walther Becker
Frankfurt (ots) - Finanzierungsbedingungen? So glänzend wie nie.
Börsenbewertungen? Ambitioniert, aber nicht zu hoch. Private Equity?
Extrem tiefe Taschen. Wachstumsaussichten? Operativ schwierig.
Industriekonsolidierung? Absolut notwendig in zahlreichen Branchen.
Die Treiber für Fusionen und Übernahmen, zu denen auch der Druck von
Seiten der Aktionärsaktivisten zählt, sind großteils intakt. Doch
hapert es vor allem an "Boardroom Confidence", der Zuversicht der
Führungsriege, wenn es darum geht, Unternehmen mit Zukäufen zu
vergrößern oder über Spin-offs zu konzentrieren.

Das hat für jeden einsehbare Gründe, die allerdings
Investmentbanker als M&A-Berater aus Eigeninteresse gerne
herunterspielen: Das Makroumfeld ist deutlich weniger stabil als vor
wenigen Jahren. Steht China vor einer harten Landung? Wie schlecht
ist es um die US-Wirtschaft bestellt, wenn der Präsident noch
stärkere Zinssenkungen fordert? Von der Politik gehen zahlreiche
negative Signale aus, auch in Europa, der Protektionismus ist auf dem
Vormarsch und das Säbelrasseln nimmt allenthalben zu. Dazu kommt die
regulatorische Ungewissheit: Die Unsicherheit darüber, ob Übernahmen
überhaupt zum Abschluss kommen, mit welchen Zugeständnissen sie
erkauft werden müssen und vor allem: wie lange das dauert.
Bayer/Monsanto oder Linde/Praxair belegen dies schlagend.

Neben den strenger als früher agierenden Kartellwächtern in
Brüssel spielen dabei auch weitgehend unberechenbare Interventionen
der US-Behörden für Auslandsinvestitionen eine Rolle, aber auch das
deutsche Außenwirtschaftsgesetz. All dies fördert nicht gerade die
Bereitschaft von Vorständen und Aufsichtsräten, sich auf große Deals
einzulassen.

In Deutschland kommt hinzu, dass der - voreilig ausgerufene -
Trend zur Übernahme börsennotierter Unternehmen durch Private Equity
sich schon wieder erledigt. Scout24, Metro und wie es aussieht auch
Osram gehen wohl nicht an Finanzinvestoren. Und aus dem größeren
Mittelstand machen sich größere M&A-Deals rar. Nicht geändert hat
sich über die Jahre, dass potenzielle Übernahmeziele knapp sind.

Sicher bieten sich auch positive Perspektiven am Markt - etwa die
große Siemens-Spaltung im nächsten Jahr, der aus der Not geborene
Verkauf der Aufzugsparte von Thyssenkrupp oder die sich abzeichnenden
Spin-offs in der Autoindustrie - nach der aus Investorensicht nicht
gerade erfolgreichen Abspaltung der VW-Lkw-Sparte Traton. Das reicht
aber nicht, dem tief gestürzten M&A-Markt auf die Beine zu helfen.

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