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ROUNDUP 2: Großbritannien-GeschĂ€ft verleiht RWE RĂŒckenwind - Aktie im Minus

14.11.2019 um 12:40 Uhr

(Neu: Aktienkurs aktualisiert, Aussagen aus der Telefonkonferenz)

ESSEN (dpa-AFX) - In den vergangenen Quartalen war das Großbritannien-GeschĂ€ft eher eine Last fĂŒr den Energiekonzern RWE . Jetzt gibt es Anlass zur Freude: Denn nach der EU-Entscheidung zur RechtmĂ€ĂŸigkeit des KapazitĂ€tsmarktes auf der Insel erwartet RWE nun Nachzahlungen, wie der Dax -Konzern am Donnerstag in Essen mitteilte. Deshalb wird das Management optimistischer und rechnet mit einem höheren Gewinn fĂŒr das laufende Jahr. Außerdem verlief das HandelsgeschĂ€ft außergewöhnlich gut.

Die guten Aussichten ließen die Anleger allerdings kalt. Die Aktie rutschte am Donnerstag ins Minus und verlor gut 2 Prozent. Analyst Alberto Gandolfi von Goldman Sachs monierte in einer ersten EinschĂ€tzung den Ausblick fĂŒr das neue GeschĂ€ft mit Erneuerbaren Energien. Der liege ein wenig unter den Erwartungen. Das dritte Quartal sei indes stark verlaufen. Barclays-Analyst Peter Crampton kritisierte die QualitĂ€t der guten Zahlen, weil sie vor allem auf Nachzahlungen und dem volatilen HandelsgeschĂ€ft basierten.

Mit den Kursverlusten knĂŒpften die Papiere an ihren kurzfristigen AbwĂ€rtstrend an, nachdem sie Ende September mit 28,81 Euro den höchsten Stand seit Ende 2014 erreicht hatten. Seither haben die Papiere um rund zehn Prozent verloren. Im Jahresverlauf gehören sie aber weiter mit einem Plus von knapp 40 Prozent zu den Dax-Favoriten.

Aufgrund der guten GeschĂ€ftsentwicklung in den ersten neun Monaten erwartet der Vorstand nun fĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf der Basis "RWE Stand Alone" von 1,8 bis 2,1 Milliarden Euro. Bisher hatte RWE 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro auf dem Zettel. Das bereinigte Nettoergebnis sieht das Management jetzt bei 0,9 bis 1,2 Milliarden Euro anstatt 0,5 bis 0,8 Milliarden Euro.

Am Dividendenziel fĂŒr 2019 von 80 Cent pro Aktie hĂ€lt das Management fest. FĂŒr das vergangene GeschĂ€ftsjahr hatten die AktionĂ€re noch 70 Cent erhalten. Anstatt sie noch weiter zu erhöhen, wolle das Management mehr in Wachstum investieren: "Anleger profitieren auch von einer langfristigen Wertsteigerung des Unternehmens", erklĂ€rte Finanz-Chef Markus Krebber in einer Telefonkonferenz.

Verantwortlich fĂŒr den guten Lauf in den ersten neun Monaten ist vorrangig der Energiehandel. Das Ergebnis in diesem Segment hat sich mehr als verdoppelt. Das GeschĂ€ft ist allerdings sehr schwankungsanfĂ€llig und daher schwer vorhersehbar. FĂŒr das vierte Quartal geht Krebber daher auch eher wieder von einem normalen GeschĂ€ft aus.

Schlechter lief es dagegen in den anderen Sparten. In der EuropĂ€ischen Stromerzeugung fehlten bisher die Zahlungen vom britischen KapazitĂ€tsmarkt. Dabei erhalten Stromproduzenten eigentlich Ausgleichszahlungen dafĂŒr, dass sie KapazitĂ€ten fĂŒr EngpĂ€sse bereit halten. Diese Regelung hatte die EU wegen rechtlicher Zweifel im November 2018 auf Eis gelegt. Erst im Oktober machte die EU ihre Entscheidung rĂŒckgĂ€ngig. Deshalb erwartet RWE nun Nachzahlungen fĂŒr 2018 und 2019 von etwa 230 Millionen Euro. Den Betrag erwartet RWE zwar erst Anfang 2020, er werde aber schon 2019 ergebniswirksam.

Die andere Baustelle, die weiter besteht, ist der Hambacher Forst. Der Rodungsstopp hatte in den vergangenen Monaten dazu gefĂŒhrt, dass die Stromproduktion zurĂŒckging, weil die Braunkohlekraftwerke weniger ausgelastet waren. Dank gestiegener Großhandelspreise lag das Ergebnis im Segment Braunkohle & Kernenergie allerdings auf Vorjahresniveau.

Insgesamt stieg das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) "Stand Alone" in den ersten neun Monaten von 1,3 im Vorjahr auf 1,5 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis verbesserte sich innerhalb eines Jahres von 645 auf 854 Millionen Euro.

Weil sich RWE derzeit nach dem Deal mit Eon und der Zerschlagung der Tochter Innogy neu aufstellt, legt RWE zunĂ€chst weiter Zahlen fĂŒr "Stand Alone" vor. Diese Basis hatte der Vorstand mit Blick auf die Neustrukturierung eingefĂŒhrt. In den Zahlen ist Innogy nicht mehr berĂŒcksichtigt, abgesehen von der Dividende. Die Kennzahlen fĂŒr Stand-Alone enthalten die Segmente Braunkohle und Kernenergie, die europĂ€ische Stromerzeugung sowie den Energiehandel.

Durch den Deal mit Eon wird RWE zwar zum Ökostromproduzent und ĂŒbernimmt sowohl von Eon als auch Innogy die Erneuerbaren Energien. Diese sind aber in der Rechnung "Stand Alone" noch nicht enthalten, obwohl zumindest die Sparte von Eon bereits an RWE ĂŒbertragen wurde. RWE hat allerdings dennoch bereits ein Ebitda auf pro Forma-Basis fĂŒr die Sparte Erneuerbare Energien berechnet, wenn es sie in diesem Jahr schon in vollem Umfang geben wĂŒrde: In diesem Fall wĂŒrde das Segment zwischen 1,3 und 1,5 Milliarden Euro zum operativen Jahresergebnis beitragen.

Den Deal hatte die EU im September genehmigt. Nach der Transaktion verfĂŒgt RWE ĂŒber eine Eigenkapitalquote von rund 27 Prozent. Vor Bekanntgabe des Deals 2017 lag diese bei 17 Prozent. Die Nettoverschuldung hat sich durch das TauschgeschĂ€ft zunĂ€chst auf etwa 10 Milliarden Euro halbiert.

In Bezug auf das neue Segment der Erneuerbaren Energien beklagte Krebber erneut den schleppenden Ausbau der Windkraft in Deutschland: Das betreffe vor allem Anlagen auf dem Meer. Aber auch auf dem Land stehe der Ausbau nahezu still. Die erteilten Genehmigungen nÀhmen demnach ab./knd/kro/jha/

INNOGY SE INH. O.N. Chart
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