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AKTIE IM FOKUS: K+S im freien Fall - Konzernverschuldung treibt Anleger um

24.01.2020 um 12:32 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Schuldensorgen und Furcht vor einer schwachen Geschäftsentwicklung haben die Aktionäre des Dünger- und Salzkonzerns K+S auch am Freitag umgetrieben. Kritische Analystenstudien zur Verschuldung des MDax -Konzerns und den Gedankenspielen, Teile des US-Geschäfts zu verkaufen, hatten die Papiere bereits in den beiden vergangenen Tagen belastet. Am Freitag fiel der Kurs nun erstmals seit Anfang 2005 unter die Marke von 9 Euro. Binnen drei Handelstagen haben die ohnehin schon arg gebeutelten Aktien nun rund zwölf Prozent ihres Wertes verloren.

Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe hatte am Donnerstag in einer Studie gewarnt, dass dem Dünger- und Salzkonzern 2020 ein Rutsch in die Verlustzone drohe, sollten sich die Kalidüngerpreise in Brasilien nicht erholen. Er rät nun zum Verkauf der Aktien.

Gabriel hält die Markterwartungen für 2020 für viel zu hoch und kalkuliert für das laufende Jahr nun mit einem operativen Gewinn (Ebitda) von etwa 524 Millionen Euro, nach bisher erwarteten 732 Millionen Euro. Das Problem sei die hohe Verschuldung von K+S und der mögliche Nettoverlust. Daher steige der Druck für Notverkäufe von Unternehmensteilen.

K+S erwägt seit Dezember Abspaltungen von Unternehmensteilen, um die Schuldenlast zu mildern. Denn eigentlich hatte sich der Konzern zum Ziel gesetzt, den Verschuldungsgrad relativ zum ersten Halbjahr 2017 bis Ende 2020 zu halbieren. Doch gerade als Produktionsausfälle infolge nicht ausreichender Kapazitäten zur Abwasserentsorgung endlich überwunden schienen, machten dem Konzern beim Schuldenabbau sinkende Kalipreise einen Strich durch die Rechnung. Wesentlicher Grund der hohen Verschuldung ist ein milliardenschwerer Neubau eines Kaliwerks in Kanada in den vergangenen Jahren.

Die Hessen reagierten zwar - wie andere Konkurrenten auch - mit einer deutlichen Produktionsdrosselung in der Hoffnung, dass bei einem geringeren Angebot die Lager der Kunden schneller leer werden und dann höhere Preise durchgesetzt werden können. Bisher blieb der Erfolg aber aus, weshalb das Management um Konzernchef Burkhard Lohr nun nach anderen Möglichkeiten sucht, an Geld zu kommen. Mit dem im Dezember angekündigten Paket hatte das Management auch ein Stück weit auf Spekulationen über eine Kapitalerhöhung reagiert.

Ob Verkäufe von Unternehmensteilen aber wirklich ein Befreiungsschlag wären, darf laut den Analysten der Bank of America bezweifelt werden. Sie hatten sich erst zur Wochenmitte geäußert und die Aktien mit "Underperform" und einem Kursziel von lediglich 4,20 Euro in die Bewertung aufgenommen.

Lampe-Analyst Gabriel liegt mit seinem von 11,00 auf 6,50 Euro gesenkten Kursziel nicht allzu weit darüber. Die beiden sind die mit Abstand pessimistischen Analysten zu K+S. Dabei hat auch Gabriel mit Blick auf Teilverkäufe des Amerika-Geschäfts wenig Hoffnung: Nur ein Komplettverkauf für geschätzte zwei Milliarden Euro würde vermutlich die Möglichkeit für einen Schuldenabbau und die Erreichung eines Investment-Grade-Ratings eröffnen, erklärt der Experte.

Laut Einschätzung der Bank of America-Analysten hat K+S keine attraktiven Möglichkeiten, um die hohe Verschuldung zu senken. So würde etwa ein Teilverkauf des Salzgeschäfts in Amerika zwar die Verschuldung senken, gleichzeitig aber den freien Mittelzufluss deutlich verringern, erklärten die Analysten. Denn: In den Jahren 2020 bis 2023 sei die Sparte im Grunde der einzige Barmittelbringer für K+S. "Dies impliziert, dass die verbleibenden Vermögenswerte noch mehr Bargeld verbrennen", schrieben die Experten. Zudem würde die Abhängigkeit vom stark schwankenden Düngermarkt wachsen.

K+S steht schon seit Jahren unter Druck: Vom Rekordhoch der Aktien über der Marke von 97 Euro zu Zeiten des Düngerbooms kurz vor der Weltfinanzkrise sind weniger als zehn Prozent übrig. 2019 waren die Anteilsscheine mit einem Minus von mehr als 29 Prozent das Schlusslicht im Index der mittelgroßen Werte MDax.

Die letzte größere Kurserholung gab es 2015 als der kanadischen Wettbewerber Potash ein Auge auf die Kasseler geworfen hatte. Allerdings gab Potash - das mittlerweile mit Agrium zu Nutrien fusioniert ist - die Pläne wegen des Widerstands des Managements von K+S sowie einer Eintrübung des Kali-Marktumfeldes auf./mis/jha/

K+S AG NA O.N. Chart
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