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24.01.2020 um 20:31 Uhr

Widerstandsfähige Rally, ein Marktkommentar von Christopher Kalbhenn
Frankfurt (ots) - Bemerkenswert beständig hat sich die Hausse an den
Aktienmärkten in der abgeschlossenen Woche präsentiert. Der Dax hat endlich das
alte Rekordhoch hinter sich gelassen und den Durchbruch über die Marke von
13.600 Zählern geschafft. Zuletzt lag er mit einem Wochenplus von 0,4 Prozent
auf 13.577 Zähler nicht weit von der neuen Bestmarke entfernt. Dabei waren die
Umstände durchaus widrig. Denn kaum hatten die USA und China den
Waffenstillstand in ihrem Handelskonflikt besiegelt, stellte sich mit der im
Reich der Mitte ausgebrochenen und sich ausbreitenden neuen Lungenkrankheit ein
neuer für Unsicherheit sorgender Faktor ein.

Das Virus wird die Märkte, wenn zurückliegende Virenausbrüche zugrunde gelegt
werden, voraussichtlich noch einige Monate lang beschäftigen, und es ist derzeit
noch unklar, wie gefährlich die Krankheit ist und welche Folgen sie haben wird.
Einiges spricht dafür, dass die Auswirkungen geringfügiger sein werden als die
des Sars-Ausbruchs im Jahr 2003. Die chinesischen Behörden waren diesmal besser
vorbereitet und haben schneller und energischer reagiert. Auch soll das
Coronavirus weniger aggressiv sein. Ein Risiko ist allerdings, dass die
intensive Reisaktivität, die mit dem chinesischen neuen Jahr einhergeht, zu
einer gefährlichen Ausbreitung des Virus führt.

Es ist damit bis auf Weiteres unklar, ob der Ausbruch, wie Experten zuletzt
schätzten, das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft in diesem Jahr um
ungefähr einen Prozentpunkt schmälern wird oder ob Gravierenderes bevorsteht.
Auf jeden Fall würde dies die erhoffte Stabilisierung bzw. Erholung des globalen
Wachstums verzögern. Auf einen starken Ausbruch des Virus würde die chinesische
Regierung jedoch reagieren, so NN Investment Partners am Freitag. "Sie würde
wohl nicht zögern, zu neuen Stimulusmaßnahmen zu greifen, und die bisherigen
Prioritäten, Schuldenabbau und Reduzierung von Risiken im Finanzsystem, vorerst
ad acta legen. In diesem Fall würde sich das Kreditwachstum in China deutlich
erhöhen, was wiederum neues Potenzial für Investitionen in China und das
Exportwachstum der Schwellenländer mit sich brächte."

Auf Basis der derzeit bekannten Tatsachen wird das Coronavirus voraussichtlich
zwar bremsende Effekte für die Aktienmärkte haben. Die grundsätzlichen Treiber
bleiben jedoch intakt, so dass noch Luft nach oben bzw. eine Fortsetzung der
Rekordjagd an den Aktienmärkten der Industrieländer wahrscheinlich ist. Zu
erwähnen ist in erster Linie das extrem niedrige Zinsniveau. Der Mangel an
Anlagealternativen hat unverändert Bestand, die vom Ausbruch ausgehende
Unsicherheit wirkt in dieser Hinsicht sogar verstärkend: Die laufende Verzinsung
der zehnjährigen Bundesanleihe ist 15 Basispunkte tiefer in den Minusbereich
vorgedrungen und liegt nun bei minus 0,34 Prozent. Hinzu kommt, dass nach den
Konjunkturstimmungsindikatoren auch die angelaufene Quartalsberichtssaison in
den Vereinigten Staaten die Erholungshoffnungen der Marktteilnehmer zu
bestätigen scheint.

Von den ersten 60 Unternehmen des S&P 500, die schon Geschäftszahlen vorgelegt
haben, übertrafen 75 Prozent die Erwartungen. Ein sehr positives Signal setzte
dabei Intel. Die weltweite Nummer 1 der Chipbranche übertraf mit ihren Zahlen
sowie ihrem Umsatzausblick für das laufende Jahr die Erwartungen, was ihre Aktie
auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000 katapultierte.

All dies spricht dafür, dass die weiteren Zuflüsse die Aktienmärkte stützen
werden, auch wenn die Aufwärtsbewegung durch die Entwicklung in China eine Zeit
lang ins Stocken geraten könnte. Dividendentitel dürften weiterhin erste Wahl
sein, wobei die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Top-Staatsanleihen trotz
kläglicher Verzinsung zur Absicherung unverzichtbar bleiben. Angesichts der
recht hohen absoluten Bewertungen der Aktienmärkte sind neben den
Unternehmensberichten in den kommenden Monaten vor allem die Konjunkturdaten
unter Beobachtung zu halten.

Gleich zu Beginn der neuen Woche steht das Ifo-Geschäftsklima vom Januar zur
Veröffentlichung an. Es hat sich in der Vergangenheit als recht zuverlässiger
Indikator für die Perspektiven des Aktienmarktes erwiesen. Die Volkswirte
rechnen mit weiteren ermutigenden Signalen. Laut dem Bloomberg-Konsens rechnen
sie im Median mit einem Anstieg von 96,3 auf 97 Punkte.

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