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ROUNDUP: Comdirect geht mit breiter Brust in Commerzbank-Integrationsgespräche

29.01.2020 um 13:26 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Online-Bank Comdirect geht mit breiter Brust in die Integrationsgespräche mit ihrer Mutter Commerzbank . "Wir wollen möglichst viel Comdirect in den Prozess einbringen", sagte die seit kurzem amtierende Vorstandschefin Frauke Hegemann am Mittwoch bei der vermutlich letzten Pressekonferenz der Comdirect anlässlich der Vorstellung von Jahreszahlen. Die Comdirect steht kurz vor der Komplettübernahme durch ihre Mutter, nachdem diese sich inzwischen mehr als 90 Prozent der Anteile gesichert hat.

Doch auch wenn Commerzbank-Chef Martin Zielke die Zwei-Marken-Strategie beenden will, hofft Hegemann möglichst viel von der Comdirect-Kultur retten zu können. "Wir sind zuversichtlich, dass wir ganz viel von dem, was wir in den vergangenen 25 Jahren aufgebaut haben, in das neue Zielbild einbringen." Rückenwind für die Verhandlungen liefert das starke Ergebnis im vergangenen Jahr. Die Bank konnte Kundenzahlen, Zins- und Provisionseinnahmen und den Gewinn kräftig steigern.

Mit Blick auf das Ende der Eigenständigkeit gebe es sicherlich etwas Wehmut, sagte Hegemann, die seit April 2018 bei der Bank ist und seit wenigen Wochen an der Spitze steht. Sie ist die Nachfolgerin von Arno Walter, der zur Commerzbank wechselte. Die Mitarbeiter seien aber selbstbewusst, sagte sie, und die Stimmung sei trotz der natürlich vorhandenen Unsicherheiten pragmatisch zupackend. Trotz des Integrationsprozesses habe die Bank viele kundenorientierte Themen, die vorangetrieben werden sollen. So wolle die Comdirect ihre Position als digitaler Finanzdienstleister behalten und stärken.

Zum möglichen Arbeitsplatzabbau am Hauptstandort Quickborn sowie Rostock und Köln, wo die Tochter Onvista sitzt, konnte sie erwartungsgemäß noch nichts sagen. Fest stehe lediglich, dass es weiter Mitarbeiter an allen drei Standorten geben soll. Ende 2019 hatte die Comdirect 1278 Mitarbeiter - den Großteil davon in Quickborn. Auch wenn sie noch nicht sagen konnte, wie es genau weiter geht, versprach sie weiter eine schnelle Kommunikation, sobald es Neuigkeiten gibt.

Die Commerzbank hatte im vergangenen Jahr angekündigt, die Tochter Comdirect komplett übernehmen zu wollen. Die Commerzbank war zunächst unter der wichtigen Schwelle von 90 Prozent, über der ein einfacheres Herausdrängen der übrigen Aktionäre (Squeeze-out) möglich ist, geblieben. Anfang des Jahres konnte die Commerzbank ihren Anteil durch den direkten Ankauf vom aktivistischen Investor Petrus Advisers doch noch über diese Marke hieven.

Für das rund acht-prozentige Paket zahlte die Commerzbank rund 170,8 Millionen Euro also rund 15,15 Euro je Anteil. Das war deutlich mehr als die 11,44 Euro, die die Bank den anderen Aktionären bezahlt hatte. Offen ist noch, wie hoch die Abfindung für die noch verbliebenen freien Anteilseigner ausfallen wird. Die Höhe der Barabfindung wird in dem Verschmelzungsvertrag festgesetzt - an der Börse wurden zuletzt 13,76 Euro für ein Comdirect-Papier bezahlt.

Hegemann rechnet damit, dass der Vertrag bis Ende März durch ist, damit bei der Comdirect-Hauptversammlung am 5. Mai der verschmelzungrechtliche Squeeze-Out beschließen kann. Die Eintragung ins Handelsregister werde dann drei bis vier Monaten dauern - damit wäre die 1994 gegründete Onlinebank zumindest als eigenständiges Unternehmen Geschichte. Sie würde damit das Schicksal der anderen Direktbanken wie Consors oder der DAB die Ende des vergangenen Jahrzehnts, im Zuge des Dotcom-Booms groß geworden sind, teilen.

Im vergangenen Jahr konnte die Comdirect noch mal kräftig zulegen. Im fortgeführten Geschäft zog der Gewinn vor Steuern um gut 38 Prozent auf 75,5 Millionen Euro an. Dabei profitierte sie von einer weiter steigenden Kundenzahl und der regen Handelsaktivität an den Aktienmärkten. Der Provisionsüberschuss zog um 6,5 Prozent auf fast 220 Millionen Euro an. Und auch der Zinsüberschuss legte dank eines gestiegenen Kreditvolumens um 6 Prozent auf fast 124 Millionen Euro zu - und das trotz des anhaltenden Zinstiefs.

Dank eines Spartenverkaufs zog der Überschuss unter dem Strich sogar um 226 Prozent auf 164 Millionen Euro an. Die Dividende, von der ja ohnehin vor allem die Mutter profitiert, werde um 10 Cent auf 35 Cent erhöht. Die Zahl der Kunden stieg um neun Prozent oder 221 000 auf 2,74 Millionen. "Als erste Adresse für das Sparen, Anlegen und Handeln mit Wertpapieren sind wir strategisch auf dem richtigen Kurs und gehören zu den profitabelsten Banken Deutschlands."/zb/bgf/jha/

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