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ROUNDUP: Schwerer Transporthubschrauber wird zu teuer - Vergabe abgebrochen

29.09.2020 um 12:58 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Das Beschaffungsamt der Bundeswehr (BAAINBw) hat das Verfahren fĂŒr den Kauf neuer schwerer Transporthubschrauber der StreitkrĂ€fte vorerst abgebrochen. Es sei erkannt worden, dass "eine Realisierung des Projektes im geplanten Finanzrahmen bei gleichzeitiger ErfĂŒllung aller Forderungen unwahrscheinlich ist", teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag in Berlin mit. Vorgelegte Angebote seien als unwirtschaftlich bewertet worden. Deswegen sei das Vergabeverfahren "aufgehoben" worden.

Die Bundeswehr sucht nach einem Nachfolger fĂŒr den in die Jahre gekommenen Sikorsky CH-53G, der bis 2030 aus dem Betrieb genommen werden soll. Schwere Transporthubschrauber sind fĂŒr EinsĂ€tze des MilitĂ€rs von zentraler Bedeutung. Das gilt fĂŒr die Landes- und BĂŒndnisverteidigung, aber auch AuslandseinsĂ€tze oder den Einsatz von SpezialkrĂ€ften.

"Ziel bleibt weiterhin, das bisherige Muster CH-53G zeitgerecht zu ersetzen", hieß es vonseiten des Ministeriums. Der Zeitplan verschiebe sich aber, so dass ein Vertragsschluss im kommenden Jahr nicht mehr erreicht werden könne. Auch werde das Projekt mit "verĂ€nderten Vorgaben fortgesetzt". Über das weitere Vorgehen soll bis Ende des Jahres entschieden werden.

Um den Auftrag hatten sich Boeing mit dem CH-47 "Chinook" und Sikorsky mit dem Modell CH-53K beworben. An dem Sikorsky-Angebot ist ein deutsches Industrieteam beteiligt, dem die Unternehmen Rheinmetall , MTU Aero Engines, Autoflug und Hydro Systems angehören.

Der Boeing-Hubschrauber - an seiner charakteristischen Bananen-Form mit zwei Rotoren leicht zu erkennen - ist lange in Betrieb. Boeing hat erklÀrt, eng mit der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie zusammenzuarbeiten und Wartung, Ausbildung und Technologielösungen und eigene Standorte in Deutschland genannt. Allerdings gilt die Beteiligung deutscher Unternehmen als einer der Kostentreiber, weil sich die US-Hersteller diese bezahlen lassen.

Die Linke erklĂ€rte, sie begrĂŒĂŸe "die zeitnahe Nicht-Umsetzung des Beschaffungsprojektes". "Deutschland wird in 2021 den höchsten Schuldenstand seit der Existenz der BRD haben", sagte der Linken-Obmann im Verteidigungsausschuss, Alexander Neu. "Kurz gesagt, Deutschland hat wichtigere Herausforderungen zu meistern als teures militĂ€risches Spielzeug zu beschaffen, zumal Deutschland von keinem Staat bedroht wird."

Der GrĂŒnen-Verteidigungspolitiker Tobias Linder sprach von einem "Ende fĂŒr den schweren Transporthubschrauber" als bitteres Zeichen fĂŒr die Truppe. Unklar sei, wie die Soldaten ihre Aufgaben ohne neue Hubschrauber erfĂŒllen sollen. Die Einsatzbereitschaft werde sich weiter verschlechtern. "Der Weiterbetrieb von ĂŒberalterten Systemen ist zeitaufwĂ€ndig und sehr teuer. Das Ministerium ist völlig blauĂ€ugig an das Beschaffungsvorhaben herangegangen", so Lindner. An die Adresse der Verteidigungsministerin sagte er: "Kramp-Karrenbauer hat keinen Plan B, eine neue Ausschreibung alleine löst keine Probleme."/cn/DP/fba

Rheinmetall AG Chart
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