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ROUNDUP/Bundesbank: Negativzinsen für Banken in Summe bisher kein Problem

26.10.2020 um 16:23 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Bei der Kreditvergabe könnten Banken nach Einschätzung der Bundesbank infolge der Corona-Krise restriktiver werden. Durch den konjunkturellen Einbruch aufgrund der Pandemie sei "mit einer Eintrübung der Ertragslage der deutschen Banken zu rechnen", schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht Oktober. Zudem legen die Institute wieder deutlich mehr Geld für mögliche Kreditausfälle zurück.

"Bei steigender Risikovorsorge im Kreditgeschäft wird der Ertragsdruck aus rückläufigen Zinsmargen für die Banken schwerer zu kompensieren sein. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Margendruck eine Verknappung des Kreditangebots bedingt", folgern die Experten der Bundesbank in dem am Montag veröffentlichten Bericht.

Bislang seien Deutschlands Banken relativ gut durch das Umfeld aus Niedrig- und Negativzinsen gekommen. Es gebe hierzulande bisher "keine Hinweise darauf, dass die Kreditvergabebereitschaft der Banken gesunken sein könnte", stellt die Bundesbank fest. "Vielmehr weiteten die Banken ihr Kredit- und Einlagengeschäft weiter aus."

Seit Mitte Juni 2014 müssen Geschäftsbanken Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Aktuell liegt dieser Einlagenzins - im Fachjargon Einlagefazilität - bei minus 0,5 Prozent. Auch wenn es inzwischen Freibeträge für bestimmte Summen gibt, bleibt dies aus Sicht der Branche eine Milliardenbelastung. Die Kosten dafür geben immer mehr Geldhäuser an ihre Kunden weiter: in Form negativer Zinsen und steigender Gebühren.

Die EZB will mit dem Negativzins erreichen, dass Geschäftsbanken das viele billige Geld an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen, das die EZB ihnen beispielsweise über besonders günstige Sonderkredite zur Verfügung stellt. So sollen Investitionen und Konsum angekurbelt, die Konjunktur angeschoben und der Preisauftrieb verstärkt werden.

Nach Einschätzung der Bundesbank hat sich der Negativzins als sehr wirksames geldpolitische Instrument erwiesen, in der Summe seien die Effekte auf das gesamte Bankensystem positiv: "Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die geldpolitischen Maßnahmen des Eurosystems
- darunter die Absenkung des Zinssatzes der Einlagefazilität in den
negativen Bereich - bis zur Corona-Krise ihre intendierte Wirkung im deutschen Bankensystem entfalteten."

Allerdings nehme die Wahrscheinlichkeit zu, dass in einer Gemengelage aus Konjunkturabschwung, steigender Risikovorsorge und schrumpfenden Eigenkapitalpuffern ein Punkt erreicht werde, an dem Negativzinsen ihre Wirkung einbüßten oder sich diese in ihr Gegenteil verkehre.

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) bekräftigte in einer Stellungnahme am Montag, die jahrelange Negativzinspolitik der EZB sei "eine große Belastung für die Banken und Sparkassen in Deutschland". Anfangs seien die negativen Auswirkungen auf die Erträge durch Einmaleffekte, wie zum Beispiel Kurssteigerungen bei Wertpapieren, überdeckt worden. "Auf Dauer drohen die Negativzinsen die Erträge aber nachhaltig zu verringern. Dies wird letztlich auch die Kreditvergabefähigkeit von Banken und Sparkassen spürbar beeinträchtigen", erklärte der Dachverband der fünf großen Bankenverbände im Land.

Allein im September zahlten Kreditinstitute in Deutschland demnach rund 250 Millionen Euro Zinsen für bei der EZB geparkte Gelder. Die Deutsche Kreditwirtschaft forderte, die Freibeträge auf den negativen Einlagenzins deutlich zu erhöhen, um die Finanzinstitute zu entlasten und so auch deren Fähigkeit zur Kreditvergabe zu stärken./ben/DP/fba

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