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WOCHENAUSBLICK: Dax-Anleger bauen auf Prinzip Hoffnung und Konjunkturdaten

27.11.2020 um 15:41 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Hoffnung auf einen effektiven Wirkstoff gegen das Corona-Virus dürfte den deutschen Aktienmarkt Experten zufolge in der neuen Woche weiter stützen. Hinzu kommt die Aussicht auf einen Durchbruch bei den laufenden Brexit-Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien. Allerdings sollten Anleger auf der Hut sein: Angesichts der zuletzt deutlichen Kursanstiege könnte der Dax bei negativen Nachrichten zur Pandemie schnell wieder unter Druck geraten.

Aktuell aber stehen die Börsenampeln erst einmal weiter auf "grün": "Optimismus breitet sich aus", schrieb Analystin Claudia Windt von der Landesbank Heleba. Zuletzt beflügelten in den USA und auch weltweit die Perspektive einer geregelten Amtsübergabe an den gewählten Präsidenten Joe Biden sowie die Vorstellung erster Kabinettsmitglieder wie der ehemaligen Notenbankchefin Janet Yellen als erste Finanzministerin in der Geschichte der USA die Fantasie der Börsianer. Windt gab aber auch zugleich zu bedenken: "Es braucht schon eine gehörige Portion Zuversicht, um dem aktuellen Infektionsgeschehen in Deutschland, der Verlängerung des Teil-Lockdowns und den damit verbundenen konjunkturellen Beeinträchtigungen im laufenden Quartal etwas Positives abzugewinnen."

Gleichwohl seien die jüngsten Nachrichten zu vielversprechenden Impfstoffkandidaten ein "Game-Changer" für den Aktienmarkt, sagten die Experten der DZ Bank. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Welt in den kommenden Monaten zur Normalität zurückkehren werde. Bislang konnten besonders diejenigen Aktien von den Impfstoff-Nachrichten profitieren, die zuvor erheblich verloren hatten. Diese Kursreaktion ist aus Sicht der Experten ein Vorgeschmack auf eine Sektorrotation, die die Anleger auf dem Weg in Richtung Normalität begleiten dürfte.

Vor diesem Hintergrund habe sich das charttechnische Bild für den deutschen Leitindex zuletzt aufgehellt, sagte Experte Andreas Büchler von Index-Radar: "Der Dax robbt nun schon seit Tagen zögerlich immer wieder von unten an die markante kurzfristige Verkaufszone der Vormonate um 13 400 und 13 450 Punkte heran." Im Gegensatz zu vergangenen Anläufen aber seien stärkere Abverkäufe nach diesen Annäherungsversuchen bislang ausgeblieben, was Büchler als Stärkezeichen wertete. An schwachen Tagen sei zuletzt sogar bereits an der 13 000er-Marke wieder eine frühe Stabilisierung möglich gewesen. "Ein Ausbruch nach oben ist damit wahrscheinlicher", resümierte der Fachmann.

Marktanalyst Thomas Altmann von QC Partners aber warnte zugleich: "Nach der langen Gewinnserie sollten die Anleger das Risiko von Rückschlägen nicht unterschätzen. Die Börsen aktuell als heiß gelaufen zu bezeichnen, ist sicherlich keine Übertreibung."

In der neuen Woche jedoch stünden für die Anleger erst einmal einige Konjunkturdaten im Fokus, sagte Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Der Experte wies vor allem auf die ISM-Einkaufsmanagerberichte für November am Dienstag und Donnerstag als wichtige Stimmungsindikatoren für die US-Wirtschaft hin. Die neue Woche endet dann am Freitag mit dem viel beachteten, monatlichen Arbeitsmarktbericht. Aber auch in China würden bis Donnerstag alle wichtigen Einkaufsmanagerindizes für den auslaufenden Monat publiziert.

Hierzulande richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Donnerstagabend. Dann entscheidet die Deutsche Börse, welche Unternehmen den Nebenwerteindex SDax verlassen müssen und neu aufgenommen werden. Die Corona-Pandemie hat zwar die Börsen insgesamt schwer getroffen, doch es gibt auch einige Krisengewinner. Der Online-Handel sowie das Geschäft rund um die Virusbekämpfung boomen, und so klopfen bereits von dieser Seite her einige Unternehmen an die Eingangspforte des Nebenwerte-Index.

Zudem werden angesichts der erwarteten Aufnahme des Ende September an die Börse gegangenen Energieunternehmens Siemens Energy in den MDax auch der Leasingsspezialist Grenke oder die Aareal Bank als mögliche Absteiger aus dem Index für mittelgroße Werte einen Platz im SDax erhalten. Hier läuft ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem aktuellen Daten zufolge Grenke das Nachsehen haben dürfte./la/gl/he

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

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