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ROUNDUP: Online-Shopping-Boom vor Weihnachten - Sorgen um Beschäftigte wachsen

20.12.2020 um 10:05 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - In der Hochkonjunktur beim Online-Einkauf w√§hrend des Shutdowns vor Weihnachten wachsen die Sorgen um die Situation der Besch√§ftigten. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Versandhandel z√§hlten auch schon vorher h√§ufig zu den Niedrigverdienern, wie eine der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Antwort der Bundesagentur f√ľr Arbeit auf eine Anfrage der Linken im Bundestag zeigt. Nun mehren sich zudem Stimmen, die vor Corona-Ansteckungen und gro√üem Stress warnen.

Seit 2008 hat sich die Zahl der Besch√§ftigten im Versandhandel von 60 022 auf 161 331 im M√§rz 2020 nahezu verdreifacht. Das mittlere Einkommen der im Versandhandel voll Besch√§ftigten lag im vergangenen Jahr laut den Angaben der Bundesagentur bei 2663 Euro brutto pro Monat - und somit um 738 Euro niedriger als √ľber alle Branchen hinweg. Jeder dritte Vollzeitbesch√§ftigte im Versandhandel arbeitete zum Niedriglohn mit weniger als zwei Drittel des mittleren Gehalts, verdiente also weniger als 2267 Euro im Monat. Der Anteil der Niedriglohn-Besch√§ftigten lag fast 15 Prozentpunkte h√∂her als bei den Besch√§ftigten insgesamt.

Die Arbeitsverhältnisse, die im vergangenen Jahr im Versandhandel begonnen wurden, waren laut Bundesagentur zu rund 60 Prozent befristet. Über alle Branchen hinweg waren dies nur 40,7 Prozent. Zudem arbeiteten noch im März fast 29 000 Versandhandelsbeschäftigte als Minijobberinnen und Minijobber.

Schon laut einer Befragung von Mitte November verschicken in diesem Jahr deutlich mehr Bundesb√ľrger Weihnachtspakete wegen Corona. W√§hrend 2019 nur etwa jeder Vierte mindestens eine Sendung mit Blick auf den Advent oder auf Heiligabend aufgegeben hat, so sind es dieses Jahr 33 Prozent. Das ermittelte das YouGov-Institut im Auftrag des Paketdienstleisters Hermes. Zum Zeitpunkt der Umfrage hatte der Einzelhandel im Deutschland noch g√§nzlich ge√∂ffnet.

Die Verbraucher in Deutschland haben laut Bundesverband E-Commerce und Versandhandel im Oktober und November f√ľr insgesamt 17,4 Milliarden Euro Waren online bestellt - 17,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2019.

Die Gewerkschaft Verdi schl√§gt seit Tagen wegen nach ihren Angaben vermehrten Corona-Ansteckungen in Sortier- und Versandzentren von Amazon Alarm. Infektionen seien etwa in Garbsen bei Hannover, in Bayreuth und in Borgstedt in Schleswig-Holstein bekannt geworden. Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger meinte, der Shutdown verschlechtere bei vielen Onlineh√§ndlern die Arbeitsbedingungen, weil die Besch√§ftigten ein erh√∂htes Aufkommen an Bestellungen bew√§ltigen m√ľssten.

Amazon hat zuletzt Vorw√ľrfe √ľber angeblich mangelhaften Gesundheitsschutz zur√ľckgewiesen. Das Unternehmen gehe bei den Corona-Schutzma√ünahmen teilweise √ľber die einzelnen L√§nderregelungen hinaus, sagte eine Unternehmenssprecherin. "Bei uns gilt zum Beispiel der Mindestabstand von zwei Metern", f√ľgte sie hinzu.

Die Linke-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Anfrage bei der Bundesagentur gestellt hatte, sagte: "Unternehmen wie Amazon und Zalando machten schon bislang Milliardenums√§tze und geh√∂ren nun zu den Profiteuren der Pandemie." Amazon habe im dritten Quartal 2020 seinen weltweiten Gewinn gegen√ľber dem Vorjahr verdreifacht. "Bei den Besch√§ftigten, die diese Ums√§tze und Gewinne erarbeiten und dieses Jahr noch h√§rter arbeiten mussten, kommt aber wenig davon an." Gute Arbeitsentgelte lie√üen sich nur durch mehr Tarifbindung gew√§hrleisten.

Auf die Frage, ob Verbraucher verst√§rkt auf Onlineh√§ndler setzen sollten, die mit fairen Bedingungen f√ľr sich werben, sagte Zimmermann: "Wenn Menschen sich informieren und im Onlinehandel bewusst bei solchen Unternehmen kaufen, die ihren Besch√§ftigten gute Arbeitsbedingungen bieten, ist das nat√ľrlich sehr begr√ľ√üenswert." Ein solches Einkaufsverhalten k√∂nnten sich jedoch nicht alle leisten. "Au√üerdem kann bewusster Konsum nicht die strukturellen Rahmenbedingungen des Arbeitsmarkts ver√§ndern." Die Regierung d√ľrfe die Verantwortung jedenfalls nicht auf die Konsumenten abzuw√§lzen. Gefragt seien Sozial- und Nachhaltigkeitsstandards per Gesetz.

Auch der AfD-Bundestagsabgeordnete J√ľrgen Pohl bem√§ngelte vor wenigen Tagen die Lage bei Zustellern: "Zwar sind die Missst√§nde in der Paketbranche seit Jahren bekannt, doch gelang es der gro√üen Koalition bislang nicht, die Besch√§ftigten vor (Selbst-)Ausbeutung, unbezahlten √úberstunden sowie systematischen Verst√∂√üen gegen das Arbeits- und Sozialrecht wirksam zu sch√ľtzen."

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel wirbt in der Corona-Krise f√ľr ein Umdenken bei Mobilit√§t und Einkaufen hin zu dauerhaft mehr Digitalisierung. St√§dte und Gemeinden sollten etwa mit Co-Working-Fl√§chen leerstehende Bereiche in der Innenstadt beleben und auch die Zustellung von Lieferungen erleichtern, hei√üt es in einem Sechs-Punkte-Plan des Verbands. Die Trennung von Wohnen und Arbeiten, von Wohnen und Einkaufen, von Wohnen und Gewerbe sollte wo m√∂glich aufgegeben werden./bw/DP/zb

Zalando SE Chart
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