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19.04.2021 um 20:27 Uhr

Viel Arbeit für Sewing, Kommentar von Bernd Neubacher zum
Bankenverband
Frankfurt (ots) - "Ein Kaufmann macht durch allzu großes Rühmen die Ware, die
ihm feil ist, nur verdächtig", ist vom römischen Dichter Horaz überliefert. Als
der scheidende Bankenpräsident Hans-Walter Peters am Montag mit Blick auf seinen
Nachfolger feststellte, "Christian Sewing wird im Sommer ein bestens
aufgestelltes Haus übernehmen", dürfte die eine oder andere Augenbraue aufwärts
gezuckt haben. Den Bundesverband deutscher Banken prägte zuletzt ja Personalnot.
So musste der bereits ausgeschiedene Präsident Peters im vergangenen Jahr für
seinen Nachfolger Martin Zielke nach dessen Rücktritt als Commerzbank-Chef
wieder übernehmen. Und auch Sewing tritt erst Anfang Juli an, weil er sich
zunächst um den Umbau im Vorstand der Deutschen Bank kümmern will.

Schwerer noch wiegen die Probleme, die jenseits personeller Fragen zu wälzen
sind. Mit der EU-Bankenabgabe, der Kapitalmarktunion und den Baseler
Kapitalvorschriften hat Sewing gestern für seine Amtszeit bis 2024 drei
Handlungsfelder vorgegeben, auf denen es für die privaten Banken zuletzt nicht
wirklich rund lief. So besteht Europas oberste Bankenabwicklerin Elke König auf
den nach Einlagevolumen bemessenen Zahlungen in den Abwicklungsfonds, selbst
wenn diese in Zeiten starken Depositenwachstums höher ausfallen als erwartet -
dass man in Brüssel ihm zuliebe die Rechtslage ändert, sollte der Verband nicht
unbedingt erwarten. Über eine Kapitalmarktunion wiederum wird seit nunmehr
sieben Jahren ohne greifbare Konsequenzen geredet. Erfolg verspricht am ehesten
noch die Debatte um die Baseler Kapitalregeln, für deren Umsetzung bis Herbst
ein Vorschlag der Kommission zu erwarten ist. Dass die Banken in der Pandemie
vergeblich lobbyierten, um die Einführung ein weiteres Mal zu verschieben, muss
nicht bedeuten, dass sie anderweitig keine Zugeständnisse herausholen können.
Die Einlassungen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf dem 22.
Bankentag am Montag gingen jedenfalls deutlich über das zu solchen Anlässen
übliche Maß an warmen Worten hinaus.

Der größten Herausforderung allerdings sieht sich der Verband nicht mit Blick
auf die Außenwirkung, sondern im Binnenverhältnis gegenüber: Nach dem
Greensill-Zusammenbruch muss er die Einlagensicherung tragfähig reformieren, in
einer Zeit, in der die Geldpolitik Depositen entwertet, Mitglieder hohe Beiträge
zur Sicherung beklagen und manch neue Bank meint, komplett auf Einlagenschutz
verzichten zu können. Vor Sewing liegt viel Arbeit.

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