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Deutsche Bank muss weiter zittern - Aktie unter Druck

10.10.2016 um 12:31 Uhr

Frankfurt (Reuters) - Die Anleger der Deutschen Bank mĂŒssen weiter auf eine Einigung im potentiell sehr teuren US-Hypothekenstreit warten.

Die EnttĂ€uschung darĂŒber drĂŒckte die Aktie von Deutschlands grĂ¶ĂŸtem Geldhaus am Montag abermals deutlich ins Minus: Das Papier sackte zeitweise um 3,8 Prozent auf 11,64 Euro ab und war damit grĂ¶ĂŸter Dax-Verlierer. "Man hatte die Hoffnung, dass eine schnelle Einigung möglich ist", sagte ein Börsianer. Im Handelsverlauf erholte sich die Aktie nur wenig.

Die Hoffnung war dadurch genĂ€hrt worden, dass Deutsche-Bank-Chef John Cryan in der vergangenen Woche am Rande der Herbsttagung des Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF) in Washington auch Vertreter des US-Justizministeriums getroffen hatte. Cryan will den Streit um faule Hypothekenpapiere - eine der grĂ¶ĂŸten Altlasten der Bank - möglichst bis zur US-Wahl Anfang November mit einem Vergleich beilegen. Finanzkreisen zufolge gibt es bislang aber keinen Durchbruch in den Verhandlungen. Völlig offen ist zudem, ob die Bank die Strafe wie erhofft drĂŒcken kann. Das US-Justizministerium hat 14 Milliarden Dollar aufgerufen. Das ĂŒbersteigt die RĂŒckstellungen deutlich, und viele andere Rechtsstreitigkeiten köcheln noch.

Die Deutsche Bank selbst Ă€ußert sich nicht zu den Verhandlungen mit der US-Seite. Cryan hat offiziell lediglich betont, dass das Institut seine Probleme aus eigener Kraft lösen kann und weder UnterstĂŒtzung vom Staat noch eine weitere Kapitalerhöhung braucht. Letzteres bezweifeln die meisten Analysten inzwischen. Die großen Investmentbanken umwerben Cryan bereits, wie Insider berichten. Allerdings dĂŒrften Investoren zunĂ€chst Klarheit haben wollen, wieviel der Hypothekenstreit ĂŒberhaupt kostet und wieviel Geld fĂŒr Investitionen ins KerngeschĂ€ft ĂŒbrig bleibt. Die Strategie-Debatte hat die Bank lĂ€ngst wieder eingeholt - spĂ€testens seit der ungewohnt deutlichen Kritik des IWF vor wenigen Tagen. Der Fonds hatte erklĂ€rt, die Deutsche Bank mĂŒsse weiter Anpassungen vornehmen, um Investoren davon zu ĂŒberzeugen, dass ihr GeschĂ€ftsmodell fĂŒr die Zukunft tragfĂ€hig sei.

RATLOSIGKEIT IN DEN DOPPELTÜRMEN

Die letzte große Strategieentscheidung ist gerade einmal anderthalb Jahre her. Im FrĂŒhjahr 2015 entschied der Aufsichtsrat, dass die Deutsche Bank eine Universalbank bleiben soll. Der Konzern will weiterhin Investmentbanking, PrivatkundengeschĂ€ft und Vermögensverwaltung betreiben, allerdings insgesamt schrumpfen: durch eine Abspaltung der Postbank, eine Reduzierung kapitalintensiver GeschĂ€fte und den RĂŒckzug aus einigen unwichtigen LĂ€ndern. Cryan ĂŒbernahm diese Grundsatzentscheidung nach seinem Amtsantritt im Sommer 2015 - und setzte den Abbau von weltweit 9000 Stellen oben drauf.

Doch so richtig in Fahrt kommt die Bank bei ihren AufrĂ€umarbeiten auch unter Cryan nicht, wie einige große Investoren inzwischen bemĂ€ngeln. In vertraulichen GesprĂ€chen mit dem Top-Management dringen sie lĂ€ngst auf radikalere Schritte - etwa darauf, sich nach einem europĂ€ischen Partner umzuschauen, wie mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Intern werde eine solche Fusion momentan als keine Option gesehen. Allerdings reife in den Frankfurter DoppeltĂŒrmen langsam die Erkenntnis, dass die Sanierung viel lĂ€nger dauere als gedacht und die bisherigen Erfolge sehr ĂŒberschaubar seien. Der Aufsichtsrat stellt sich schon darauf ein, dass das Strategiethema bald neu diskutiert werde, berichtet eine weitere Person, die mit den Überlegungen vertraut ist. Dabei gehe es aber nicht um einen Radikalschwenk, sondern um Nachjustierungen - etwa um einen beschleunigten Abbau von Bilanzrisiken und GeschĂ€ften, mit denen die Bank kein Geld verdient.

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