Reuters

Staatssekretär pocht auf Entzug der Konzession für Autostrade

03.01.2020
um 12:07 Uhr

Mailand (Reuters) - Der Druck auf den italienischen Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke bei Genua im Sommer 2018 wächst.

Verkehrs-Staatssekretär Giancarlo Cancelleri pocht auf einen Entzug der Konzession für den größten Autobahnbetreiber des Landes, der mehrheitlich der Industriellenfamilie Benetton gehört. "Wir müssen ein starkes Signal setzen, und deshalb muss die Konzession für Autostrade per l'Italia widerrufen werden. Es gibt kein Alibi mehr", sagte der Politiker der populistischen "Fünf Sterne"-Bewegung am Freitag der Zeitung "La Stampa". Eine Verstaatlichung des Netzes sei aber kein Thema. Bei dem Brückeneinsturz waren 43 Menschen ums Leben gekommen. Seither tobt der Streit um die Verantwortung für das Unglück und die Konsequenzen.

In dieser Woche waren - ebenfalls nahe der Hafenstadt Genua - Teile des Daches eines Autobahntunnels zusammengebrochen, der ebenfalls zum Netz von Autostrade per l'Italia gehört. Die Regierung forderte den Betreiber auf, die Kontrollen an seinem Autobahnnetz zu beschleunigen und alle zehn Tage darüber Bericht zu erstatten. Autostrade ist für gut 3000 Kilometer Autobahnen und Schnellstraßen in Italien zuständig und kassiert dafür Maut. Das Unternehmen gehört zu 88 Prozent der Benetton-Holding Atlantia, zwölf Prozent der Anteile liegen beim Münchner Versicherer Allianz.

Die italienische Regierung will bei einer der ersten Kabinettssitzungen in diesem Jahr über die Autobahn-Konzession entscheiden. Sie hatte kürzlich beschlossen, die Entschädigungen für den vorzeitigen Entzug einer Konzession zu begrenzen, wenn der Lizenznehmer seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei. "Fünf Sterne"-Parteichef Luigi Di Maio hatte erklärt, das sei der erste Schritt zum Lizenzentzug für Autostrade. Allerdings ist die Koalition uneins über den Umgang mit Atlantia, die jegliches Fehlverhalten von sich weist. Die sozialdemokratische PD von Ministerpräsident Giuseppe Conte gibt sich gemäßigter.

In Unternehmenskreisen war im Dezember gewarnt worden, dass Autostrade bei einem entschädigungslosen Lizenzentzug die Pleite drohe. Dann könne Autostrade 10,8 Milliarden Euro an Schulden nicht mehr bedienen. Auch Atlantia-Kredite über 5,3 Milliarden wären dann gefährdet.

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