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ProSiebenSat.1 trennt sich vom Chef - die Börse jubelt

27.03.2020 um 16:37 Uhr

- von Alexander Hübner und Klaus Lauer und Douglas Busvine

Berlin (Reuters) - Der Chefwechsel beim Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 sorgt bei den Anlegern für gute Laune.

Die Aktien des Fernsehkonzerns kletterten am Freitag um bis zu fast elf Prozent, nachdem sie seit Jahresbeginn rund 60 Prozent an Wert verloren hatten. Künftig soll bei dem Konzern wieder das Kerngeschäft mit Fernsehen und Unterhaltung im Mittelpunkt stehen, Start-up-Beteiligungen im Online-Bereich dürften nach und nach verkauft werden. Der zuletzt stark in die Kritik geratene Chef Max Conze verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung, Rainer Beaujean übernimmt zu seinen Aufgaben als Finanzchef zusätzlich die Funktion als Vorstandsprecher.

Der italienische Großaktionär Mediaset, der jüngst sein Aktienpaket auf rund 20 Prozent aufgestockt hatte, äußerte sich nicht zum Chefwechsel. Mediaset-Finanzchef Marco Giordani hatte ProSiebenSat.1 aber jüngst zu einem raschen Kurswechsel aufgefordert. Dem von der Familie des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierten Unternehmen schwebt ein europäischer Fernsehkonzern mit ProSiebenSat.1 vor - eine Idee, gegen die sich Conze immer gesträubt hatte. Branchenexperten gehen davon aus, dass es künftig eine stärkere Kooperation zwischen ProSieben und Mediaset geben dürfte.

PROSIEBEN PRÜFT VERKAUFT VON E-COMMERCE-TÖCHTERN

Die tschechische Czech Media Invest CMI, hinter der der Milliardär und Metro-Großaktionär Daniel Kretinsky steckt, nutzte den Kursverfall bei ProSiebenSat.1, um ihren Anteil auf zehn Prozent aufzustocken. In der Branche gibt es Spekulationen, dass beide Großaktionäre zur Hauptversammlung im Juni ihre Kräfte bündeln könnten, um weitere Veränderungen bei dem bayerischen Konzern rund um die Sender ProSieben und Sat.1 anzustoßen. Insider gehen davon aus, dass der Druck auf Aufsichtsratschef Werner Brandt steigen könnte, aus den Turbulenzen der jüngsten Zeit die Konsequenzen zu ziehen.

Die Analysten der Citi-Group warfen die Frage auf, ob CMI und Mediaset ProSieben übernehmen könnten. Die Experten bezeichneten es zudem als sinnvoll, Teile der E-Commerce-Tochter NuCOm zu veräußern. Der Bereich sei zwar weiter eine wichtige Säule, sagte eine ProSieben-Sprecherin. "Da wird es aber nicht mehr so viel Wachstum geben wie wir das früher vielleicht angekündigt haben." Profitabilität habe Vorrang. "Wir schauen, wo wir der beste Eigentümer sind und wo man vielleicht einen Käufer findet." Es gebe mehrere Optionen – neben einem Börsengang von NuCom oder eines großes Assets könnten wohl auch einige Beteiligungen verkauft werden.

Conze hatte erst vor kurzem dem US-App-Entwickler Meet Group für 500 Millionen Dollar gekauft und wollte zusammen mit den bestehenden NuCom-Beteiligungen Parship und ElitePartner einen führenden Anbieter im Online-Dating-Markt schmieden. "Wir halten auf jeden Fall an dem Deal mit der Meet Group fest", betonte die Konzernsprecherin.

Der Streit in der Führung von ProSiebenSat.1 war vor wenigen Wochen eskaliert, als der stellvertretende Vorstandschef Conrad Albert nach 15 Jahren im Unternehmen wegen kritischer Äußerungen gehen musste. Er verlässt den Konzern Ende April. Der Medienpolitik-Experte hatte in einem aufsehenerregenden Interview von einer "Vorstands-Soap-Opera" gesprochen und klar gemacht, dass er seinen noch ein Jahr laufenden Vertrag in der aktuellen Konstellation nicht verlängern wolle. In Conzes Amtszeit war der Vorstand damit von sechs auf zwei Mitglieder geschrumpft. Der 51-jährige Beaujean war erst im Juli 2019 vom Verpackungskonzern Gerresheimer gekommen. Der Vorstand von ProSiebenSat.1 wird zudem wieder aufgestockt. Wolfgang Link (52), der seit 2009 im Konzern arbeitet und lange das Deutschland-Geschäft leitete, übernimmt das Unterhaltungsressort. Er steht für Formate wie "The Masked Singer" und "The Voice of Germany". Zudem rückt Personalchefin Christine Scheffler (51) ins Führungsgremium auf.

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