Reuters

Insider - VW-Aufsichtsrat fordert neues Konzept fĂŒr Cariad

20.05.2022 um 13:52 Uhr

Hamburg (Reuters) - Um die Probleme von Volkswagen bei der Softwareentwicklung in den Griff zu bekommen, verlangt der Aufsichtsrat laut Insidern ein ĂŒberarbeitetes Konzept.

"Das reicht so nicht, was der Vorstand vorgelegt hat", sagte eine Person aus dem Umfeld des Gremiums der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Ein weiterer Insider sagte, in der letzten Aufsichtsratssitzung vor der Sommerpause werde von der Softwaretochter Cariad ein "Update" erwartet. Ein Termin sei noch nicht festgelegt. Der "Spiegel" berichtete, bei den Beratungen im Aufsichtsrat vor der Hauptversammlung vergangene Woche sei von gravierenden Managementfehlern bei Cariad die Rede gewesen. Volkswagen Ă€ußerte sich nicht dazu.

Eine organisatorische Neuaufstellung der Softwaretochter, wie der Spiegel folgert, ist offenbar nicht geplant. "Die Erwartung, dass sich etwas am Management Àndert, ist falsch", sagte ein dritter Insider. Es gehe vielmehr um eine Neuordnung der ModellanlÀufe und darum, die vielfÀltigen Interessen in dem Konzern unter einen Hut zu bringen.

Der Aufsichtsrat lĂ€sst sich vom Vorstand regelmĂ€ĂŸig ĂŒber wichtige Themen auf den neuesten Stand bringen, darunter auch ĂŒber die Entwicklung bei Cariad. FĂŒr die IT-Tochter, in der Volkswagen die Softwareentwicklung seiner Marken gebĂŒndelt hat, ist seit Jahresanfang Konzernchef Herbert Diess verantwortlich. Die Tochter ringt seit lĂ€ngerem mit Schwierigkeiten, wodurch wichtige Projekte in Verzug geraten und Modelle von Porsche und Audi erst spĂ€ter anlaufen können. Vor allem die zweijĂ€hrige VerspĂ€tung beim elektrischen Macan, der fĂŒr Porsche auch angesichts des geplanten Börsengangs wichtig ist, haben dazu gefĂŒhrt, dass die Familien Porsche und Piech im Aufsichtsrat hellhörig geworden sind. Bei VW gilt: Wenn die Haupteigner Fragen stellen, leuchten im Management die roten Lampen.

Alarmiert ist man in Wolfsburg durch eine Studie von McKinsey, wonach die Planung fĂŒr Zukunftsprojekte durch die Softwareprobleme obsolet geworden ist. Audi entwickelt unter dem Projektnamen Artemis einen Wagen fĂŒr autonomes Fahren, der zunĂ€chst fĂŒr 2024 avisiert war, nun aber wohl erst 2027 in Serie gehen kann. Dadurch ĂŒberholt die Volumenmarke VW mit ihrem Trinity-Projekt die IngolstĂ€dter Premiumschwester in dem prestigetrĂ€chtigen Rennen. Der Trinity fĂŒr automatisiertes Fahren (Level 4) soll wie geplant 2026 anlaufen. "Das ist eine Katastrophe fĂŒr Audi", sagte ein Konzernkenner.

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