Reuters

Russland verschärft Offensive in Ost-Ukraine

25.05.2022 um 08:42 Uhr

Kiew/Davos (Reuters) - Drei Monate nach dem Beginn ihrer Invasion in der Ukraine versuchen russische Truppen mit einer breit angelegten Offensive Teile im Osten des umkämpften Landes unter ihre Kontrolle zu bringen.

Im Mittelpunkt des Kriegsgeschehens stand am Dienstag unter anderem erneut das Gebiet um die Zwillingsstädte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk im Donbass. Russische Truppen rückten aus drei Richtungen vor, um die Städte zu umzingeln. "Wir beobachten jetzt die aktivste Phase der umfassenden Aggression, die Russland gegen unser Land entfaltet hat", schilderte ein Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums die Lage. Die Situation an der Front sei äußerst schwierig, weil sich dort vielleicht gerade das Schicksal des Landes entscheide.

"Der Feind hat seine Bemühungen auf eine Offensive konzentriert, um Lyssytschansk und Sjewjerodonezk zu umzingeln", sagte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj. "Die Intensität des Feuers auf Sjewjerodonezk hat sich um ein Vielfaches erhöht. Sie zerstören die Stadt einfach." Reuters konnte die Berichte unabhängig nicht prüfen. Reuters-Journalisten sahen aber, wie sich ukrainische gepanzerte Fahrzeuge, Panzer, Raketenwerfer und Busse mit Soldaten in Richtung Front bewegten.

In der Region gehören die beiden Städte zu den wenigen, die noch von ukrainischen Truppen gehalten werden. Insgesamt kann Russland nach einem Vierteljahr Krieg aber nur auf begrenzte Geländegewinne verweisen, während es gleichzeitig die schlimmsten militärischen Verluste seit Jahrzehnten erlitten hat. Gleichwohl sind ein großer Teil der Ukraine zerstört und ganze Städte verwüstet worden. Unzählige Tausende Menschen wurden getötet. Rund 6,5 Millionen flohen ins Ausland.

Zahlreiche Experten waren zu Beginn des Kriegs davon ausgegangen, dass die Ukraine nur wenige Tage dem von Russland als militärischen Sondereinsatz bezeichneten Angriff standhalten könnte. Doch es gelang den Ukrainern, mehrere strategisch wichtige Gebiete zu verteidigen. Im März schlugen sie Russland vor den Toren der Hauptstadt Kiew zurück, später gelang dies auch in Charkiw, der zweitgrößten Stadt. Dort ordneten die Behörden am Dienstag die Wiederaufnahme des U-Bahn-Betriebs an, wo Tausende Zivilisten in den vergangenen Monaten Zuflucht vor den Dauerbombardements gesucht hatten. Einige Menschen reagierten jedoch skeptisch, als sie zum Verlassen der Metro aufgefordert wurden. "Alle haben wahnsinnige Angst", sagte Natalia Lopanska, die fast die gesamte Kriegszeit in einem U-Bahn-Waggon ausgeharrt hatte. Die Raketenangriffe seien noch nicht gestoppt.

Auch international hat der Krieg zu schweren diplomatischen und wirtschaftlichen Krisen geführt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kritisierte am Dienstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos das Vorgehen Russlands auch mit Blick auf die Blockade von Getreidelieferungen aus der Ukraine scharf. "Es ist beschämend." Russland bombardiere bewusst Getreidesilos in der Ukraine und blockiere Häfen wie Odessa, damit das Getreide dort nicht exportiert werden könne. Zugleich halte Russland eigene Getreide-Exporte zurück, um aus weiter explodierenden Preisen politisches Kapital schlagen zu können. Präsident Wladimir Putin nutze "den Hunger als Instrument der Macht". Es müsse jetzt alles getan werden, das Getreide aus der Ukraine zu bekommen, um damit die Ärmsten der Armen versorgen zu können.

In den ukrainischen Häfen, allen voran im größten in Odessa, liegen Millionen Tonnen Getreide in den Silos, die nicht exportiert werden können, weil die russische Marine eine Ausfahrt blockiert. Hauptabnehmer sind normalerweise Länder im Nahen Osten und Nordafrika, wo sich vereinzelt bereits eine Verschärfung der ohnehin bestehenden Hungersnot abzeichnet. Die Regierung in Moskau wirft jedoch dem Westen vor, mit seinen Sanktionen gegen Russland für die steigenden Preise und die Nahrungsmittelkrise verantwortlich zu sein.

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