Reuters

Finanzsystem verkraftet laut Bundesbank Zinsanstieg - Noch keine Entwarnung

23.11.2023
um 10:42 Uhr

Frankfurt (Reuters) - Das deutsche Finanzsystem hat aus Sicht der Bundesbank den starken Zinsanstieg im Euroraum bislang gut verkraftet.

Bislang seien die Effekte der deutlich höheren Zinsen aber noch nicht vollständig eingetreten, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch am Donnerstag zur Vorstellung des jüngsten Finanzstabilitätsberichts der Bundesbank. "Insgesamt wäre es daher verfrüht, Entwarnung zu geben." Denn erhöhte Konjunkturrisiken seien an der Börse bislang kaum in den Kursen aufgriffen worden.

Die EZB hat seit Sommer 2022 die Zinsen bereits zehn Mal angehoben. Der am Finanzmarkt maßgebliche Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, liegt damit aktuell bei 4,00 Prozent - das höchste Niveau seit dem Beginn der Währungsunion 1999. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte bereits am Mittwoch ihren Finanzstabilitätsbericht für den Euroraum vorgelegt.

Aus Sicht der Bundesbank dürften die Zinsaufwendungen der Banken steigen. Haushalte und Unternehmen hätten bereits Mittel von Sichteinlagen auf höher verzinste Termineinlagen umgeschichtet, sagte Buch. "Insgesamt bleibt das Finanzsystem verwundbar gegenüber Schocks und den Herausforderungen des Strukturwandels", führte sie aus. Strukturwandel bedeute, dass bisherige Investitions-, Produktions-, und Konsummuster in Frage gestellt würden oder sich schlicht nicht mehr rechneten.

"Kurzfristig sehen wir insbesondere Risiken aus dem Gewerbeimmobiliensektor", sagte Buch. Die Risiken aus der Finanzierung von Wohnimmobilien seien derzeit begrenzt. Kreditrisiken gingen vor allem von Gewerbeimmobilien aus.

(Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)