Reuters

Fed-Direktor Waller - Zinswende könnte sich wegen zäher Inflation verzögern

28.03.2024
um 09:37 Uhr

New York (Reuters) - Angesichts der hartnäckigen Inflation in den USA könnte sich die Zinswende laut US-Notenbankdirektor Christopher Waller verzögern.

"Es besteht derzeit keine Eile, den Leitzins zu senken", sagte er laut Redetext bei einem Auftritt am Economic Club of New York am Mittwochabend (MEZ). Jüngste Daten zeigten, dass es umsichtig sei, möglicherweise länger als bisher angenommen am derzeitigen restriktiven Kurs festzuhalten. Dies könne helfen, die Inflation auf einem nachhaltigen Kurs in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels der Notenbank zu halten.

Die Inflation in den USA war zuletzt wieder auf dem Vormarsch. Die Verbraucherpreise stiegen im Februar zum Vorjahresmonat um 3,2 Prozent, nach einer Teuerungsrate von 3,1 Prozent im Januar. "Als Reaktion auf die jüngsten Daten ist es meiner Ansicht nach angemessen, die Gesamtzahl der Zinssenkungen zu reduzieren oder sie weiter in die Zukunft zu verschieben", sagte das Mitglied des siebenköpfigen Direktoriums der Federal Reserve. Er wolle es tunlichst vermeiden, dass mit einer verfrühten Zinssenkung das Risiko eines nachhaltigen Wiederaufflammens der Inflation heraufbeschworen werde.

ALLE AUGEN AUF INFLATIONSDATEN AM KARFREITAG

Die Fed hielt den Kurs zuletzt stabil und peilt zugleich mehrere Zinssenkungen im Laufe des Jahres an, falls sich die Inflation wie erwünscht nachhaltig abschwächt. Der Leitzins, der noch in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent gehalten wird, könnte so in mehreren Schritten um 0,75 Prozentpunkte sinken. Dies geht aus dem jüngst von den Währungshütern aktualisierten Zinsausblick hervor. Die Finanzmärkte spekulieren bislang auf einen ersten Schritt im Juni.

Waller sagte, Zinssenkungen seien nicht vom Tisch. Wenn mit weiteren Fortschritten auf dem Weg zum Inflationsziel zu rechnen sei, werde es angebracht sein, im Laufe des Jahres damit zu beginnen. Womöglich müssten noch einige Monate mit nachlassender Inflation ins Land gehen, damit die Fed die nötige Zuversicht erlangen könne. Eine Verschiebung des Beginns der Zinssenkungen würde sich wahrscheinlich auf das Ausmaß der Lockerung in diesem Jahr auswirken, sagte Waller.

Gespannt warten die Finanzmärkte nun auf Daten zu einem Inflationsmaß, das die Fed besonders beachtet. Dabei handelt es sich um Zahlen zu den persönlichen Ausgaben der Konsumenten. Dabei bleiben die schwankungsanfälligen Nahrungsmittel- und Energiekosten außen vor. Dieser sogenannte PCE-Kernindex lag im Januar bei 2,8 Prozent. Waller sagte mit Blick auf die am Karfreitag anstehenden Daten für Februar, das Niveau dürfte voraussichtlich erhöht bleiben.

(Bericht von Michael S. Derby, geschrieben von Reinhard Becker, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)