Elektromobilität – So spielen Sie den Trend am besten!

26.06.2018 um 10:08 Uhr

Die Zahl der Elektro- und Plug-in-Hybridautos auf den Straßen der Welt hat sich im vergangenen Jahr um 54 % erhöht und lag Ende 2017 bei drei Millionen, was einen neuen Rekord darstellt. Das zeigt die jüngste Ausgabe des „Global Electric Vehicles Outlook“ der Internationalen Energieagentur (IEA). Interessant ist in dieser Hinsicht auch die statistische Erhebung, nach der China aktuell mit 1,23 Millionen solcher Autos führend ist. Allein im vergangenen Jahr wurden im Reich der Mitte 580.000 E-Autos, also 72 % mehr als 2016, verkauft. Diese Tendenz bleibt auch im laufenden Jahr erhalten, wobei man im 1. Quartal 2018 eine 154%ige Absatzsteigerung von E-Autos auf 142.445 verzeichnen konnte. Damit bleibt China weiterhin der größte Markt für Elektrofahrzeuge.  

Auch in der westlichen Welt war die Entwicklung rund um die Elektromobilität sehr positiv. In den USA verzeichnete man 2018 eine etwa 75%igen Absatzsteigerung auf 280.000, womit die Gesamtzahl zugelassener E-Autos auf 760.000 gestiegen ist. Auf europäischem Boden sind aktuell rund 820.000 E-Autos unterwegs, wobei man die größte Penetration in den nordeuropäischen Ländern verzeichnet. Weltweit führend ist hier Norwegen, wo 39,2 % aller 2017 verkauften Neufahrzeuge bereits elektrisch waren, gefolgt von Island mit 11,7 % und Schweden mit 6,3 %.

Ursächlich für den dynamischen Sektoraufschwung waren u. a. verschiedene Regierungsinitiativen, wobei man bspw. den Ausbau der Ladeinfrastruktur befördert hat. Dies ist ein sehr wichtiger Schritt, der das schnelle Stromtanken ermöglicht und somit die Popularität von E-Autos in dicht besiedelten Gebieten, aber auch an Autobahnen steigert. Hinzu kommt auch der positive ökologische Aspekt. Denn die Elektroautos gehören aktuell unumstritten zu denjenigen Antriebstechniken, mit denen sich langfristig die Nachhaltigkeitsziele zur Emissionsreduzierung erreichen lassen. Die dynamische Marktpenetration wird auch durch den technologischen Fortschritt katalysiert. Dabei gelang es in den vergangenen Jahren die Kosten für Batterien zu senken und deren Leistung zu steigern, was einen zusätzlichen Anreiz beim Kauf von E-Autos ausmachte. In diesem Fall sind aber auch einige Risiken mitenthalten, die sich negativ auf den schnellen Vormarsch des globalen E-Mobility-Trends auswirken könnten. Besorgniserregend ist hier die Situation rund um die Kernelemente für Elektrobatterien wie Nickel, Lithium oder Kobalt. Dabei befinden sich 60 % aller Kobalt-weltvorkommen in der demokratischen und politisch sehr instabilen Republik Kongo. Gleichzeitig kontrolliert China rund 90 % des Veredelungsprozesses für Kobalt, was angesichts drohender Handelskriege ebenfalls enorme Risiken birgt und sich bremsend auf die Technologiedurchdringung auswirken könnte. Denn bereits in den kommenden zehn Jahren rechnet man damit, dass sich die Nachfrage nach diesen Kernelementen verzehn- bzw. verzwanzigfachen sollte, da die globale Anzahl von E-Fahrzeugen bis 2030 von den aktuellen 3 Millionen auf 125–220 Millionen explodieren könnte.

Logischerweise läge eine Möglichkeit, den aufkommenden Elektromobilitätstrend erfolgreich zu spielen, auf der Seite der Zulieferer von strategisch wichtigen Komponenten, ohne die der Traum vom Elektroauto schlicht und einfach undenkbar wäre. Fairerweise muss man an dieser Stelle jedoch erwähnen, dass ihre Zeit noch nicht gekommen ist. Daher sollten risikoscheue Investoren eher abwarten, bis verschiedene E-Autos in die Serienproduktion gehen, was die Nachfrage nach Lithium und Co. entsprechend explodieren lässt.  

Sollte man sich also für diese Variante entscheiden, so wäre u. a. die Aktie des US-amerikanischen Chemiekonzerns Albemarle (ALB) die richtige Wahl. Das Unternehmen spezialisiert sich neben Flammschutzmitteln auf Brombasis auch auf die Herstellung von Lithiumchemikalien. Und da Lithium für die Herstellung von Akkus für Elektrofahrzeuge aktuell unabdingbar ist, ist das Unternehmen bereits heute in einem Zukunftsmarkt hervorragend positioniert, der schon sehr bald sehr hohe Wachstumsraten vorweisen könnte.

Eine weitere Alternative aus diesem Segment wäre die Aktie des chilenischen Konzerns Sociedad Química y Minera (SQM). Das Unternehmen ist neben Albermarle der größte Lithiumproduzent der Welt. Hinzu kommt, dass Chile nach Bolivien die größten Lithiumreserven der Welt in seinen Böden aufweist, wobei die abbaubaren Vorkommen des Landes auf rund 7,5 Mio. Tonnen geschätzt werden. Für Optimismus sorgt hier auch die Jüngste Nachricht darüber, dass der Elektroautohersteller Tesla (TSLA) einen Vertrag über die Belieferung mit Lithiumhydroxid mit dem australischen Bergbauunternehmen Kidman Resources abgeschlossen hat. Und Kidman Resources hatte erst kürzlich mit Sociedad Quimica einen Standort für den Bau einer Lithiumaufbereitungsanlage im westaustralischen Kwinana ausgewählt, die 2021 in Betrieb gehen soll. Interessant ist in dieser Hinsicht auch die Tatsache, dass Sociedad Quimica Anfang 2018 in Verbindung mit Tesla gesetzt worden war. Dabei hieß es, dass es Gespräche über Investitionen in die Versorgung mit Lithium für Teslas E-Auto-Batterien gegeben hätte. Angesichts der aggressiven Expansionspläne von Elon Musk, wäre dies u. U. eine sehr interessante Wachstumsstory, vorausgesetzt Tesla würde es endlich schaffen, die Produktion seines durchaus beliebten Model 3 signifikant zu erhöhen.  

Die Nummer drei aus dieser Sparte wäre die Aktie des US-amerikanischen Chemiekonzerns FMC (FMC). Die Gesellschaft entwickelt und vertreibt Pflanzenschutzchemikalien, Lebensmittel- sowie pharmazeutische Zusatzstoffe, Biopolymere und Lithium sowie zahlreiche anorganische Stoffe. Darüber hinaus werden auch verschiedene Lösungen und Anwendungen entwickelt und neue Technologien erforscht. Interessant ist hier zunächst die kommende strukturelle Entwicklung. Denn FMC peilt für den kommenden Oktober ein Spin-off, wobei FMC Lithium als Pure-Lithium-Player via IPO an die Börse gebracht wird. Dies macht absolut Sinn, da das FMC-Lithium-Business aktuell rund 12 % der Gesamterlöse ausmacht, während es bei Albermarle und Sociedad Quimica 33 % bzw. 30 % sind. Als eigenständiger Pure-Player wird die FMC-Lithium-Sparte ihr eigenes Topmanagement-Team bekommen und sich nur auf den aufkommenden E-Mobility-Markt konzentrieren, was in den kommenden Jahren in einer überdurchschnittlich starken Performance münden dürfte. Bis dahin gehört der Wert eher auf die Watchlist.

Sollte man jedoch auf die steigende Kobaltnachfrage setzen, so wäre die Aktie der schweizerischen Unternehmensgruppe Glencore eine interessante und sehr vielversprechende Alternative. Denn Glencore befindet sich schon länger in Verhandlungen mit den wichtigen Playern der Elektromobilitätsbranche: Apple, Tesla und VW, die schon in den kommenden Jahren eine Menge von Kobalt für die Weiterentwicklung, aber auch die Produktion von modernen Energiespeichersystemen wie eben E-Auto-Batterien brauchen werden. Daher peilt Glencore eine strategische Kapazitätsausweitung an, die zur Verdopplung seiner Produktion am globalen Kobaltmarkt führen dürfte. Wichtige Produktionsfaktoren sind dabei Katanga und Mutanda Mining-Gesellschaften, die sich auf den Kobaltabbau im Kongo konzentrieren und mehrheitlich zu Glencore gehören. Damit kontrolliert Glencore bereits jetzt rund 40 % der weltweiten Kobaltlieferungen, wobei der eigentliche Kobaltnachfrage-Boom erst in den kommenden fünf – zehn Jahren erwartet wird.  

Zu den aktuellen Favoriten dieser Trendrichtung zählt jedoch die Aktie von Umicore, die schon sehr bald zu den eigentlichen Topprofiteuren des E-Auto-Trends gehören könnte. Das Unternehmen spezialisiert sich auf das Recycling von Metallen und Energiespeichern, wozu auch schon bald Lithiumbatterien in Massen gehören werden. Die Wachstumsstory basiert hier auf der Annahme der Entstehung eines riesigen Marktes für die Zurückgewinnung von Materialien aus LI-Batterien wie eben Lithium, Kobalt oder auch Kupfer, deren Vorkommen ohnehin sehr knapp sind. Gleichzeitig spezialisiert sich das Unternehmen auf die Herstellung von Nickel-Mangan-Kobalt-Kathodenmaterial, das für wiederaufladbare Energiespeicher benötigt wird. Und diese kommen vor allem bei Elektroautos zum Einsatz. Damit ist auch dieses Unternehmen auf seine eigene, spezifische Art und Weise hervorragend positioniert, um entsprechend von der anrollenden Welle von Elektroautos zu profitieren.

Der aktuelle Favorit Nummer zwei wäre die Aktie eines weiteren Recyclingspezialisten aus Norwegen – Tomra Systems. Das Unternehmen ist im Vergleich zur High-Tech-Welt genau wie Umicore eher in einer langweiligen, aber krisensicheren und profitablen Branchennische angesiedelt. Der Konzern bietet sensorgestützte Sortiersysteme an, die vorwiegend in der Lebensmittel-, Recycling- und Bergbauindustrie eingesetzt werden. Damit ist es möglich, Rohstoffe aus Elektroschrott oder anderen Abfällen gezielt zu extrahieren und im Anschluss gezielt zu isolieren und entsprechend aufzubereiten. Als primärer Wachstumstreiber fungiert hier die steigende Nachfrage nach sensorgestützten Sortieranlagen, die zur Trennung von Plastikmüll eingesetzt werden. Katalysiert wird sie durch die allgemeine EU-Politik, die eine 100%ige Recyclingquote anstrebt. Das größte zusätzliche Wachstumspotenzial dürfte aber im aufkommenden Trend der Elektromobilität liegen. Denn die Sortier- und Analysesysteme wären auch für das Recycling und die Aufbereitung von Lithium-Ionen-Akkus einsetzbar. Sobald die Elektroautos in Serie gehen und zur Normalität auf den Straßen der Welt werden, wäre Tomra in der Lage, einen weiteren, riesengroßen Wachstumsfaktor zu seinem Produktportfolio hinzuzufügen.

Abschließend lässt sich erwähnen, dass es auch direkte Wege gibt, um den E-Mobility-Trend erfolgreich zu spielen. Sollte man sich also für diese konservative Variante entscheiden, käme man an den Aktien von Tesla, Daimler, VW und BMW nicht vorbei. Eine sehr interessante Wahl wäre in dieser Hinsicht auch die Aktie von General Motors (GM). Das Unternehmen hat Ende 2017 ebenfalls eine E-Offensive angekündigt und will bis 2023 mindestens 20 neue E-Modelle auf den Markt bringen. Was den Wert aber aktuell antreibt, ist die angekündigte Kooperation mit dem japanischen Technologiekonzern Softbank, wobei GM 2019 schon erste Fahrzeugmodelle auf den Markt bringen will, die ohne Pedale oder Lenkrad auskommen sollen und vollständig autonom fahren. In diesem Fall tangiert man also neben dem E-Mobility- auch den zukunftsträchtigen Roboter-Auto-Trend. Interessant ist auch die angekündigte Kooperation mit Honda. Das Ziel beider Konzerne ist die Entwicklung einer E-Auto-Batterie der nächsten Generation, die sich durch eine viel höhere Leistungsfähigkeit bei einem geringeren Gewicht und einem höheren Ladetempo auszeichnen soll. Damit baut GM konsequent und strategisch den geschlossenen Produktionszyklus von einer eigenen Batterieentwicklung bis hin zu einem womöglich schon bald elektrifizierten Roboterauto auf.  

Und last but not least sollte man als Direkt-Player die Anbieter zukünftiger E-Mobility-Tank-Infrastruktur wie AeroVironment (AVAV), SolarEdge (SEDG) und die RWE-Tochter Innogy SE ganz intensiv im Blick behalten. Denn alle drei Konzerne verfügen bereits über das notwendige Knowhow und haben in ihrem Produktportfolio entsprechende Ladesäulen für Elektroautos parat. Der signifikante Nachfrageaufschwung dürfte auch hier mit der baldigen Massenproduktion von Elektroautos in den kommenden Jahren beginnen.  

Viel Erfolg und seien Sie profitabel!

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