Medizin der Zukunft – diese Aktien profitieren!

18.09.2018 um 10:25 Uhr

E-Health, M-Health und die Digitalisierung des Gesundheitswesens

Telefon- oder Videokonferenzen beim Arzt, Ferndiagnose dank der schnellen Datenübertragungsrate, der fortgeschrittenen Diagnosesensoren und effektiven Einwegtests sowie eine womöglich lebensrettende Überwachung wichtiger Körperfunktionen im Fall einer schweren Erkrankung via Wearables – all das ist die Medizin der Zukunft! Das Thema dieser TrendScout-Ausgabe ist die globale Veränderung des Marktes der medizinischen Dienstleistungen sowie die mittelfristigen Topprofiteure dieser Entwicklung, bis schließlich der „E-Arzt“ kommt!

Als globaler Wachstumstreiber fungieren im Fall der E-Medizin der demographische Wandel, die Einkommensverteilung und das Wachstum des allgemeinen Wohlstands. Dabei werden Menschen in den entwickelten Ländern der westlichen Welt immer älter, während die Bevölkerung in den aufstrebenden Ökonomien dank des digitalen Zeitalters und der allgemeinen Globalisierung immer wohlhabender wird. Und wenn dies im ersten Fall zu einer größeren Nachfrage nach klassischen Medizinservices wie etwa Pflege etc. führt, so wird die Nachfrage im zweiten Fall vom Bedürfnis nach neueren technologischen Medizinlösungen getrieben. Damit gelangen wir zu unseren ersten Top-Medizin-Segmenten und den ersten Profiteuren.

Die durchschnittliche weltweite Lebenserwartung liegt aktuell bei 70 Jahren und dürfte sich bis 2050 auf 76 Jahre erhöhen. Dabei wird sich die Anzahl der über 65-jährigen Menschen in den kommenden 15 Jahren um 60 % von 600 Millionen auf bis zu 1 Milliarde erhöhen. Und genau diese Jahresgruppe ist der größte Konsument von medizinischen Services, was dem Medtech-Sektor sehr gute Wachstumsaussichten beschert. Eine katalysatorische Wirkung wird der städtische (urbanisierte) Lebensstill haben, wobei die Anzahl spezifischer Erkrankungen wie Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf-Störungen, Atemerkrankungen etc. weiterhin kontinuierlich zunehmen dürfte. Ursächlich dafür sind einerseits eine herausfordernde ökologische Situation in den Metropolen, aber auch der schnelle und ungeregelte Lifestyle, der von Stress im Alltags, einer ungesunden Ernährung und Bewegungsmangel begleitet wird. Dabei ist dies die Problematik bereits gut entwickelter Ökonomien wie den USA, Deutschland, Frankreich und Japan, was man anhand des Statista-Diagramms zur Anzahl an chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei über 45-jährigen Menschen sehr gut erkennen kann. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die ersten Topprofiteure dieser traurigen und besorgniserregenden Tendenz aus dem Medtech-Segment kardiologischer Lösungen kommen.

Den Anfang macht heute die Aktie des mit rund 1,93 Mrd. USD kapitalisierten Konzerns BioTelementry (BEAT). Das Unternehmen spezialisiert sich auf die Entwicklung und Herstellung von Kardio-Monitoring-Systemen. Zum Kerngeschäft gehören drei Bereiche: Medizin, Forschung und technologische Lösungen. Dabei bemüht sich der Konzern um den Aufbau eines weltweiten kardiologischen Datennetzwerks, womit eine signifikante Verbesserung von kardiologischen Dienstleistungen, des Monitorings und der Erarbeitung anhand der vorhandenen Analysebasis neuer, innovativer und womöglich lebensrettender Therapien einhergeht. Adressiert werden Vertreter der Gesundheitsindustrie, aber auch Forschungseinrichtungen, die man bei klinischen Studien unterstützt.

biotelemetry

Für den Erfolg und eine starke fundamentale Verfassung des Konzerns spricht die Tatsache, dass BioTelemetry seit 24 Quartalen in Folge mit einem kontinuierlichen Umsatzwachstum aufwarten kann. Auch in dieser Berichtssaison gelang es, mit einem 74,4%igen Umsatzwachstum auf 101,4 Mio. USD (Konsens: 95,86 Mio. USD) bei einer 28,7%igen EBITDA-Verbesserung auf 29,1 Mio. USD zu überzeugen, wobei das EPS von 0,46 USD deutlich über den vom Konsens erwarteten Betrag von 0,31 USD lag. Das organische Wachstum lag bei etwa 14 %. Eine positive Wirkung spielte die Übernahme des international tätigen Anbieters von Telemedizinsystemen und Überwachungsdienstleistungen für Patienten mit Herzerkrankungen und Schlafstörungen – LifeWatch. Das Unternehmen passt hervorragend in die BioTelementry-Business-Struktur, weswegen BEAT nun von signifikanten Synergien profitieren dürfte. Positiv ist in dieser Hinsicht die bereits abgeschlossene Übernahme von Telcare Medical Supply, womit BEAT seine Positionierung im schnell wachsenden Markt der digitalen Managementlösungen im modernen Gesundheitswesen nachhaltig verbessern dürfte.

 

Eine weitere Aktie, die man auf der Watchlist haben sollte, gehört dem mit rund 19,15 Mrd. USD kapitalisierten Konzern Abiomed (ABMD). Er ist ein führender Anbieter innovativer Technologien zur Herzunterstützung und Wiederherstellung der Herzfunktion. Dazu gehören bspw. Herzpumpen und Katheter. Und mit der Impella-Herzpumpe liegt das Unternehmen aktuell voll im Trend, was man erneut an den aktuellen Quartalszahlen beobachten konnte. Dabei stieg der Q1-Umsatz im Vergleich zum Vorjahreswert um 36 % auf 180 Mio. USD (Konsens: 173,27 Mio. USD), das EPS von 1,95 USD lag ebenfalls über den erwarteten 0,82 USD. Sehr positiv war die Entwicklung auf dem heimischen US-Markt, wo man ein 32%igen Wachstum auf 151,7 Mio. USD verzeichnete. Umso erfreulicher war die Entwicklung außerhalb der USA, wo sich die Nachfrage nach Impella-Herzpumpen um 75 % auf 12,5 Mio. USD erhöhte.  

abiomed

Dies ist eine noch relativ kleine Umsatzquelle, die aber schon bald angesichts der sehr hohen Wachstumsdynamik signifikant zur allgemeinen Umsatzentwicklung beitragen wird. Denn zuletzt erhielt Abiomed sowohl eine EU- als auch eine Indien-Zulassung für den Einsatz von Impella-Herzpumpen bei Patienten, die an schwerwiegenden Vorerkrankungen wie der Herzmuskelerkrankung Kardiomyopathie leiden. Damit ergeben sich für das Unternehmen in dieser Kernproduktkategorie neue Absatzchancen, womit das mittelfristige Wachstum fortgesetzt werden dürfte.

 

Und der Topkandidat Nummer drei, der im kardiologischen Segment gespielt werden könnte, ist die Aktie des mit rund 114,32 Mrd. USD kapitalisierten Konzerns Abbott Labs. (ABT). Das Unternehmen ist stark im Segment der Gesundheitsfürsorge tätig und zählt als führender Hersteller von Pharmazie-, Nahrungsergänzungsprodukten etc. zu den Profiteuren dieser Trendentwicklung. Dabei hat sich Abbott Labs vor allem bei Anwendungen rund um Herzrhythmusstörungen einen Namen gemacht und gehört aktuell zu den führenden Anbietern von Herzschrittmachern. Gleichzeitig ist man bei den sogenannten medizinischen Stents und im Bereich Labortechnik und Diagnostik-Equipment führend.  

Abbott

Zeitgleich bietet die Gesellschaft auch Pharmaunternehmen und Laboren spezifisches Equipment zur Aufbereitung von DNA und RNA an, was angesichts der höheren F&E-Ausgaben im Pharma- und Biotechsektor gute Wachstumschancen verspricht. Im Pharmasegment verfügt Abbott außerdem über eine breite Pipeline an zugelassenen Präparaten in verschiedenen Indikationen wie Bluthochdruck, Antidepressiva, Fieber oder Infektions- und Entzündungserkrankungen, womit kontinuierliche Umsätze generiert werden. Hier hat man es mit einer interessanten Diversifikation zutun, was die Abhängigkeit von anderen Produkten vermindert. Auch Abbott konnte in diesem Quartal mit besser als erwarteten Zahlen aufwarten und hat sogar seine Gewinnprognose für das laufende Fiskaljahr von 2,80–2,90 USD je Aktie auf 2,85–2,91 USD je Aktie (Konsens: 2,86 USD) leicht angehoben. Insgesamt verzeichnete man in Q2 eine 17%ige Umsatzsteigerung auf 7,8 Mrd. USD (Konsens: 7,71 Mrd. USD). Das EPS verbesserte sich im gleichen Zeitraum um rund 17,8 % auf 0,73 USD und lag ebenfalls über den erwarteten 0,71 USD.

Ein weiteres großes Problem der westlichen Welt liegt in der Ernährung mit einem hohen Zuckergehalt, was zu Übergewicht führt und schließlich in Diabetes münden kann. Dabei lag die Anzahl der Diabetiker weltweit nach Angaben der International Diabetes Federation (IDF) 2017 in städtischen Regionen mit 279 Millionen weit über den 146 Millionen Menschen, die in ländlichen Regionen der Welt leben. Für 2045 rechnet die Organisation mit einem rund 70%igen Anstieg von Diabetikern in den Städten auf 473 Millionen, während die Anzahl in den ländlichen Regionen mit 156 Millionen auf einem relativ konstanten Niveau bleiben soll.

Profiteure dieser Entwicklung sind Unternehmen, die sich auf spezialisierte Insulinpumpen fokussieren. Eines davon ist der mit rund 4,89 Mrd. USD kapitalisierte Konzern Insulet (PODD). Der Konzern adressiert mit seiner Insulinpumpe OmniPod den Megamarkt Diabetes und bietet Patienten ein neues, innovatives Produkt an, das eine komfortable Insulinversorgung gewährleistet. Dazu muss das Gerät nur auf die Haut geklebt werden. Es beinhaltet Insulin und gibt es über eine Softkanüle automatisiert über den Tag ab. Der Pod muss erst nach drei Tagen gewechselt werden und kann sogar während des Schwimmens und Fitnesstrainings getragen werden. Das Insulinmanagement wird dabei systematisch erweitert. Der neue Omnipod PDM wird z. B. mehr einem Smartphone gleichen und über Bluetooth verfügen. Daher ist hier auf jeden Fall noch eine weitere Wachstumsperspektive vorhanden.

insulet

Was die zuletzt gemeldeten Zahlen betrifft, so befindet sich der Konzern weiterhin auf einem erfolgreichen Wachstumskurs. Der Q2-Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreswert um 13,2 % auf 124,3 Mio. USD (Konsens: 132,86 Mio. USD). Der EPS-Verlust von -0,03 USD fiel kleiner aus als die erwarteten -0,13 USD aus. Dabei verbesserte sich die US-Nachfrage nach Omnipod-Lösungen um 19 % auf 78,1 Mio. USD. Sehr positiv war auch das Wachstum im internationalen Segment, was für gewisse Wachstumsfantasien sorgt. Die Umsätze der internationalen Sparte stiegen im Vergleich zum Vorjahreswert um 7 % auf 28,5 Mio. USD. Damit geht die Expansion aufgrund der stärkeren internationalen Marktdurchdringung weiter.

Eine Alternative zu PODD, um den Diabetestrend zu spielen, wäre die Aktie des mit rund 1,34 Mrd. USD kapitalisierten Konzerns Tandem Diabetes (TNDM), der sich ebenfalls auf die Entwicklung und Herstellung von Insulinpumpen spezialisiert. Als Wachstumstreiber erwies sich hier die Ende Juni gemeldete FDA-Zulassung für ein neues Diabetes-Monitoring-System t:slim X2 für Patienten mit Diabetes Typ I. Für Wachstumsfantasie sorgt in diesem Fall die für August angekündigte Einführung der neuen Funktion Basal-IQ, die eine Zustandsveränderung des Patienten für die nächsten 30 Minuten prognostizieren kann. Das Insulin wird dann noch vor dem Eintreten der kritischen Situation verabreicht, was die Risiken für den Diabeteserkrankten enorm mindern soll. Sollte sich das neue Produkt in Kombination mit einer präventiven Insulinverabreichungsfunktion bei den Patienten bewähren, so wäre dies für TNDM womöglich der Beginn einer neuen Wachstumsstory. Und das nicht nur für Tandem Diabetes, sondern auch für einen weiteren bedeutenden Player im Diabetes-Bereich – DexCom (DXCM). Das mit rund 12,2 Mrd. USD kapitalisierte Unternehmen spezialisiert sich auf die Entwicklung und Herstellung tragbarer Geräte zur kontinuierlichen Glukosemessung. Dabei misst ein kleiner Sensor die Gewebeglukosewerte direkt unter der Haut und diese werden dann an ein mobiles Endgerät übermittelt. Es ermöglicht eine permanente Echtzeit-Überwachung und warnt bei zu hohen oder niedrigen Glukosewerten. Dabei ist die etwas ältere 5G-DexCom-Generation in Kombination mit der Insulinpumpe t:slim X2 bereits von der FDA genehmigt. Für Wachstumsfantasie sorgt hier aber die zuletzt vorgestellte neue 6G-DexCom-Geräte-Generation. Dabei handelt es sich um eine Sensorlösung, die bis zu 10 Tagen getragen werden kann. Angesichts der früheren Erkenntnisse ist es also davon auszugehen, dass die neue Sensorik von DexCom ebenfalls ein fester Bestandteil der neuen Insulinpumpe von Tandem Diabetes sein wird. Eine entsprechende FDA-Zulassung wird Ende 2018 bzw. Anfang 2019 erwartet. Damit haben also beide Unternehmen angesichts des weiterhin wachsenden Marktes für Diabetes-Lösungen gute Chancen, in den kommenden Perioden ihre Umsätze signifikant zu steigern.   

tandem Dia

Schließlich ist da die Aktie des mit rund 5,26 Mrd. USD kapitalisierten Konzerns TelaDoc (TDOC), die man angesichts der zunehmenden Digitalisierung des Gesundheitssektors im Blick haben sollte. Der Konzern spezialisiert sich auf die Entwicklung von digitalen Lösungen und bietet bspw. Telefon- und Videokonferenzen an, durch die die Patienten mobil und online jederzeit Zugang zu einem Arzt erhalten können. Damit ist man in einem schnell wachsenden Zukunftsmarkt positioniert. Denken Sie nur an die stundenlangen Wartezeiten beim Arzt, um ihn dann höchstens 5–10 Minuten sprechen zu können.

teladoc

Was die allgemeine Trendentwicklung hin zur digitalen Medizin verstärkt, sind verschiedene E-Health-Gesetzesinitiativen sowie konzerneigene Investitionen in den Aufbau einer eigenen serviceorientierten Technologieplattform. Das positive Resultat zeigte sich bereits in den vergangenen Q2-Zahlen, wobei TDOC es gelungen ist, seine kostenpflichtige Kundenbasis um 48 % auf mittlerweile 22,5 Millionen zu steigern. Auch die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber der Telemedizin scheint kontinuierlich zuzunehmen. Das sah man bspw. an dem 72%igen Anstieg der Inanspruchnahme der medizinischen Beratung auf 533.000 Fälle in Q2, wobei TDOC einen sofortigen Zugriff auf medizinische Dienstleistungen via Digitalkanäle bei rund 3.100 Ärzten anbietet.
 
Was die zuletzt kommunizierten Quartalszahlen betrifft, so fielen diese ebenfalls stark aus. der Q2-Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreswert um 112,1 % (organisch: +39 %) auf 94,6 Mio. USD (Konsens: 92,37 Mio. USD). Der EPS-Verlust von -0,40 USD fiel jedoch etwas größer als die erwarteten -0,37 USD). Im Anschluss offerierte das Unternehmen eine solide Q3-Prognose samt einer positiven FY2018-Guidance, wobei man mit einer Umsatzsteigerung von rund 75 % auf 405–410 Mio. USD bei einem EPS-Verlust von -1,52/-1,48 USD (Konsens: -1,41 USD) rechnet. Aktuell ist der Konzern weiter defizitär, was auf die hohen Investitionen in den strategischen Aufbau seiner Technologieplattform zurückzuführen ist. Die allgemeine Wachstumsstory rund um die Telemedizin scheint aber weiterhin vollkommen intakt zu sein.

 

Viel Erfolg und seien Sie profitabel!

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