Reich der Mitte auf dem Vormarsch

19.06.2019 um 14:57 Uhr

Chinesische Tech-Giganten wachsen ungeachtet des eskalierenden Handelskonflikts mit den USA!


Eine Studie unter dem Titel „Chinas digitaler Aufstieg“ macht es deutlich. Die Volksrepublik befindet sich nun in einem zukunftsträchtigen Wandel, wobei das Land im globalen Technologierennen die besten Chancen hat, die Vorreiterrolle vor Europa und den USA zu übernehmen. Der besondere Fokus liegt dabei auf der schnellen Erforschung von digitalen Schlüsseltechnologien wie die künstliche Intelligenz und der militärisch wichtigen Quanten-Kryptographie. Die kommunistische Partei zeigt sich in dieser Hinsicht besonders großzügig und investiert mit rund 50 Mrd. USD zehnmal soviel wie die USA, was in den kommenden Dekaden zu einer signifikanten Veränderung der wirtschaftlichen Landschaft Chinas führen dürfte.  

Gleichzeitig befindet sich das Land in einem technologischen Wandel, der ebenfalls von der chinesischen Regierung zukunftsträchtig forciert wird. Man ist stark bemüht, viel freundlichere Rahmenbedingungen für ausländische Investoren zu schaffen und unterstützt mittlerweile mit direkten staatlichen Investitionen technologische Unternehmen und Startups mit innovativem Potenzial. Die logische Konsequenz dieser Entwicklung ist auch der steigende Wohlstand. Die zahlungskräftige chinesische Mittelschicht wächst mit dem Wirtschaftsaufschwung überproportional und kurbelt somit die Nachfrage nach Konsumgütern wie Elektronik, Smartphones oder auch modernen Internetdiensten wie sozialen Netzwerken und E-Commerce-Kanälen an. Chinas Bevölkerung ist aktuell rund 1,4 Milliarden stark und die Experten gehen davon, dass bis 2022 rund ein Drittel davon zur zahlungskräftigen und konsumfreudigen Mittelschicht gehören werden. Folglich dürfte der private Konsum im Reich der Mitte regelrecht explodieren, was vielen chinesischen Konzernen zugutekommen wird.

Der chinesische digitale Aufstieg gewinnt also kontinuierlich an Schwung, weshalb man als Trader oder Investor die Aktien chinesischer Techgiganten ungeachtet des eskalierenden Handelskonflikts zwischen den beiden Großmächten unbedingt im Blick haben sollte. Denn dieser basiert im Wesentlichen auf einer internen organischen Technologieentwicklung und ist davon auf der realen Ebene kaum betroffen. Dafür sprechen auch die starken Quartalsresultate, die chinesische Techgiganten nun erzielen konnten.

Den Anfang macht heute das größte chinesische E-Commerce-Unternehmen Alibaba (BABA), das dank des globalen Konsumaufschwungs und der steigenden Nachfrage nach Cloudtechnologien auch in dieser Berichtssaison mit sehr starken Resultaten aufwarten konnte. Die Umsätze des Unternehmens setzen sich aus den E-Commerce-Services, Cloud-Dienstleistungen, Entertainment-Angeboten etc. zusammen und sind im Großen und Ganzen nicht exportorientiert. Folglich bleibt einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren die inländische Konsumstärke. Und in dieser Hinsicht sieht alles mehr als gut aus. Wie der Konzern zuletzt kommunizierte, stieg der Q4-Umsatz im Vergleich zum Vorjahreswert um 39,5 % auf 13,93 Mrd. USD (Konsens: 13,32 Mrd. USD). Das EPS von 1,28 USD fiel dabei ebenfalls besser aus als die erwarteten 0,96 USD. Auf Jahresebene war die Entwicklung ebenfalls sehr positiv. Der 2018er-Umsatz erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 51 % auf 56,152 Mrd. USD), wobei sich der Nettogewinn um 37 % auf 13,053 Mrd. USD erhöhte. Der Konzernchef Daniel Zhang sagte, dass Alibaba in China immer mehr zum Synonym für alltäglichen Konsum wird und damit hat er vollkommen recht, denn das von Alibaba geschaffene Handelsnetzwerk kann auch in den abgelegenen chinesischen Regionen immer stärker Fuß fassen und diese an das globale E-Commerce-Netzwerk anschließen. Dieser Umstand spiegelte sich auch in der um 18 Millionen auf 654 Millionen gestiegenen Anzahl von aktiven Nutzern wider. Die Anzahl von monatlich aktiven Nutzern, die auf?Alibaba-Dienste via Mobilegerät zugreifen, erhöhte sich dabei um 22 Millionen und lag nun bei 721 Millionen. Eine katalysatorische Wirkung spielte dabei die rasante Verbreitung von Smartphones und anderen Gadgets, die gerade in den abgelegeneren Regionen des Landes für E-Commerce-Zwecke verwendet werden.

Sollte es also zu einer weiteren Eskalation im laufenden Handelskonflikt zwischen den USA und China kommen, wäre es eine logische Konsequenz, dass Alibaba temporär viel stärker auf die Entwicklung des inländischen Handelsnetzwerks umswitchen wird und die Förderung heimischer Brands deutlich intensiviert. Denn sowohl E-Commerce als auch lokale Retail-Services und -Dienstleistungen werden zukünftig zu den wichtigsten Bereichen der Konzernentwicklung gehören. Und die Handelskriege, ungeachtet dessen, wie intensiv sie verlaufen mögen, werden früher oder später ein Ende haben. Die Wachstumspotenziale der nächsten Jahre resultieren aus der schnell wachsenden chinesischen Mittelschicht. Diese kauft aufgrund des steigenden Wohlstandes viel häufiger höherwertige Waren ein. Hinzu kommt, dass Alibaba abseits des E-Commerce-Segments über eine sehr interessante Wachstumsperspektive im Rahmen des globalen Cloudtrends verfügt. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren in den Ausbau seiner Rechenzentren-Infrastruktur sowohl in China als auch im Mittleren Osten, Europa und Südostasien investiert, was sich nun angesichts der voranschreitenden Digitalisierung anfängt, auszuzahlen. Dafür sprechen auch die im Vergleich zum Vorjahr um 76 % auf 1,15 Mrd. gestiegenen Erlöse der Cloudsparte. Daher ist es auch kein Wunder, dass der Konzern in seiner Entwicklung auf den verstärkten Einsatz von KI-Technologien setzen möchte. Um ans Ziel zu gelangen, gründete Alibaba Ende 2018 eine eigene Chipfirma und hat bereits ein eigenes Quantencomputerprojekt begonnen. Angepeilt wird nicht nur die Chipentwicklung für eigene Zwecke, sondern auch Lösungen für Drittfirmen, was sich bei Erfolg zu einem sehr lukrativen und hochmargigen Geschäft entwickeln könnte. Das Wachstumspotenzial ist hier also noch bei Weitem nicht ausgeschöpft.

Ein weiterer chinesischer Techgigant, der in der aktuellen Berichtssaison mit positiven Ergebnissen aufwarten konnte, ist Tencent Holdings (TCEHY). Der Q1-Umsatz stieg dabei im Vergleich zum Vorjahreswert um 16 % auf 85,5 Mrd. USD (Konsens: 88,7 Mrd. USD). Der Gewinn verbesserte sich um 17 % und fiel besser aus als vom Konsens erwartet. Die Anzahl von aktiven Tencent-QQ-Messengern stieg um 2,2 5 auf 823 Millionen und die Gesamtzahl von Weixin- und WeChat-Nutzern (WhatsApp/Twitter-Pendant) erhöhte sich um 6,9 % auf 1,112 Milliarden, was eine unglaubliche User-Base für die zukünftige Kommerzialisierung darstellt. Die Umsatzschwäche war im Wesentlichen das Resultat der angelaufenen Regulierungsinitiative der chinesischen Regierung in Bezug auf Mobile-Gaming, wobei Tencent neun Monate unter einer Genehmigungssperre leiden musste. Folglich konnten sich die Erlöse der lukrativen Gaming-Sparte nicht verbessern und blieben insgesamt auf dem Niveau des Vorjahrs. Sequentiell verzeichnete man jedoch ein 11%ige Verbesserung, was angesichts der bis zuletzt vorherrschenden Problematik als positiv zusammengefasst werden kann.  

Was allerdings für positives Aufsehen sorgte, war das Geschäft mit Werbeinhalten. Hier verzeichnete man ein Wachstum von 25 %. Dieser Umstand zeigt deutlich, dass zumindest die Befürchtungen bzgl. der chinesischen Konjunktur übertrieben waren. Sehr positiv war in dieser Hinsicht der um 34 % gestiegene Umsatz der Werbung, die über soziale Netzwerke vermittelt wird. Dies ist ein wichtiges Indiz dafür, dass die Popularität von sozialen Netzwerken auch in China kontinuierlich zunimmt, was Tencent mit seiner über 1 Milliarde starken User-Base sehr schöne Wachstumsaussichten beschert. Für Überraschung sorgte auch die FinTech- & Business-Services-Sparte, die mit einem 44%igen Wachstum überzeugen konnte und im Wesentlichen die Schwäche des Gaming-Bereichs ausgeglichen hat. Dabei lauert hier wohl die höchste Wachstumsdynamik, denn in diesem Segment sind zukunftsträchtige Initiativen rund um Mobile-Payment und Clouddienstleistungen zusammengefasst.  

Für die globale, zukünftige Entwicklung wird hier jedoch die Performance der Gaming-Sparte wichtig sein, weswegen man jetzt sehr genau auf entsprechende News achten sollte. Auch der Vergabestopp von Lizenzen ist mittlerweile aufgehoben, sodass Tencent das Geschäft mit Mobile-Games nun wieder intensivieren kann. Besondere Beachtung sollte man dem chinesischen PUBG-Klon „Game for Peace“ schenken, der in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Militär entstanden ist. Der adaptierte Battle-Royal-Shooter hat innerhalb von 72 Stunden mehr als 14 Mio. USD eingespielt und wurde somit zu dem umsatzstärksten iOS-Titel. Diese Entwicklung ist wohl ausschlaggebend für die spezifisch chinesische Mobile-Gaming-Ökonomie. Denn während die chinesische Regierung die Monetarisierungslizenz für PUBG-Mobile stets verweigerte, erhielt Tencent mit Game for Peace die langersehnte Möglichkeit, einen langfristigen und lukrativen Goldesel zu etablieren. Angesichts der sehr großen Popularität von Mobile-Gaming in China, einer unglaublich großen Gamer-Basis und der restriktiven Lizenzvergabepolitik ist es nun zu erwarten, dass das chinesische Tech-Konglomerat auch weiter erfolgreiche Projekte entsprechend adaptiert oder klont und somit eine lukrative Wachstumsbasis schaffen wird.

Schließlich ist da noch die Aktie des zweitgrößten chinesischen Online-Game-Anbieters – NetEase (NTES). Das Internettechnologieunternehmen durchläuft derzeit eine interessante Entwicklung, wobei ein zweites Standbein im E-Commerce-Segment aufgebaut wird und das gelingt durchaus gut. Wie das Unternehmen nun meldete, stieg der Q1-Umsatz im Vergleich zum Vorjahreswert um 29,5 % auf 2,74 Mrd. USD (Konsens: 2,68 Mrd. USD). Das EPS von 3,48 USD fiel ebenfalls besser aus als die erwarteten 2,28 USD. Und an dieser Stelle wurde die Wichtigkeit der gewählten Unternehmenspolitik deutlich, denn sowohl das Gaming- als auch das E-Commerce-Segment konnten mit einer zweistelligen Wachstumsdynamik überzeugen.  

Als Wachstumstreiber erwies sich nach wie vor die robuste Performance der Online-Gaming-Sparte, in der man ein Wachstum von 35 % auf 1,76 Mrd. USD verzeichnen konnte. Eine wichtige Rolle spielten dabei Mobile-Games, die insgesamt für 72 % der Online-Gaming-Erlöse verantwortlich waren. Katalysiert wird diese Trendtendenz durch die rasante Verbreitung von leistungsstarken und immer günstiger werdenden Smartphones, womit das Spielen auf den mobilen Geräten zu einer immer populäreren Art des Zeitvertreibs wird. Der zweite wichtige Faktor, weswegen NTES vom Gaming-Trend profitieren konnte, ist die internationale Ausrichtung. Und während Tencent auf dem heimischen chinesischen Markt unter regulatorischen Restriktionen leiden musste, profitierte NTES von der weiterhin robusten Nachfrage u.a. auf den Märkten in Japan und Südkorea.  

Eine positive Entwicklung verzeichnete man aber auch im E-Commerce-Segment. Der kumulative Umsatz beider Online-Plattformen Kaola und Yanxuan stieg im Vergleich zum Vorjahreswert um 28 % und lag bei 713,6 Mio. USD. Als Wachstumstreiber erwies sich im Allgemeinen die anhaltende Konsumstärke der chinesischen Gesellschaft sowie die angelaufenen Kostenoptimierungsprozesse, womit die operative Performance noch signifikanter gestaltet wurde. Damit scheint das Unternehmen weiter auf Wachstumskurs zu sein. Besonders interessant sieht dabei die Investmentinitiative im E-Commerce und der angestrebte Ausbau der Kaola-Plattform aus, denn sowohl der asiatische Cross-Border-E-Commerce-Markt als auch das Gaming-Segment befinden sich in einer dynamischen Wachstumsphase.

 

Viel Erfolg und bleiben Sie profitabel!

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