Handelskriege, politische Spiele und die daraus resultierenden Spannungen dominieren weiterhin die globale Nachrichtenlage und schlagen sich aktuell in einer erhöhten Sensibilität der Marktteilnehmer nieder. Ungeachtet der Tatsache, dass Unternehmen verme

19.09.2019 um 08:51 Uhr

Handelskriege, politische Spiele und die daraus resultierenden Spannungen dominieren weiterhin die globale Nachrichtenlage und schlagen sich aktuell in einer erhöhten Sensibilität der Marktteilnehmer nieder. Ungeachtet der Tatsache, dass Unternehmen vermehrt gute Ergebnisse für abgelaufene Quartalsperioden vorgelegt haben, werden diese aufgrund des fehlenden Optimismus nur selten honoriert und einige Werte werden unberechtigterweise stark abverkauft. Am stärksten ist diese Tendenz zuletzt bei den Technologieaktien, bei denen eine nur in-line kommunizierte Jahresprognose zu einem dynamischen Abverkauf führen könnte. Im Vordergrund steht hier meist die Annahme, dass sich das bisherige Wachstum nun verlangsamen könnte, was in Kombination mit der vorherrschenden Nervosität zur sofortigen Kapitalverlagerung in defensive Werte führt. Daher macht es in nervösen Börsenzeiten auch durchaus Sinn, der Kapitalverlagerung zu folgen. Sollte sich die allgemeine Marktstimmung jedoch bessern, so liegen die größten Tradingchancen in den dynamischen Erholungsbewegungen angeschlagener Werte, zumal ihre Wachstumsstorys weiterhin vollkommen intakt sind.

Der Topkandidat Nummer eins für einen ergiebigen Erholungslauf wäre die Aktie des mit rund 41,71 Mrd. USD kapitalisierten Gamepublishers Activision Blizzard (ATVI). Und an dieser Stelle werfen wir zunächst einen Blick auf die Situation der gesamten Gaming-Branche. Wahrscheinlich haben Sie es bemerkt, dass wir bereits im vergangenen Sommer weder die E3-Gaming-Messe in Los Angeles noch die deutsche Gamescom in Köln explizit beleuchtet haben. Der Grund dafür ist ganz simpel: Es gab keine neuen Faktoren und Impulse, die eine ausschlaggebende Wirkung auf die Gaming-Stocks hätten und in der Lage wären, eine neue Wachstumsstory und die dazugehörige Wachstumsfantasie zu entfachen. E-Sports, Digitalisierung des Game- und In-Game-Contents, neue Cloudbasierte-Gaming-Initiativen sowie konzerneigene Gameshops und entsprechende Abo-Services sind bereits bestens bekannt und treiben die globale Entwicklung der gesamten Branche weiter voran.  

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Dies sah man in der angelaufenen Berichtssaison sehr deutlich an der soliden Quartalsperformance führender Gaming-Publisher, wobei der stärkste von ihnen, Take-Two Interactive (TTWO), seine Erholungsbewegung ohne große Impulse und selbst bei einer nervösen Marktstimmung fortsetzte und sich mittlerweile dem aktuellen 52-Wochen-Hoch nähert. Insgesamt lebt der Konzern genau wie Electronic Arts (EA) (nur viel besser) von Microtransaktionen und ist daher in seiner Kernperformance nicht zwingend auf den Megaerfolg seiner AAA-Projekte angewiesen. Gut genug reicht im Fall von TTWO vollkommen aus und schon wird das Spiel zu einem Goldesel umfunktioniert. Der jüngste Beweis dafür ist RDR2 (25 Millionen verkaufte Kopien) und RDR-Online. Der beste Beweis ist natürlich der Dauerbrenner aus 2013 GTA V (110 Millionen Kopien) und GTA Online. Hinzu kommt NBA 2K19 (fast 12 Millionen Kopien). Der Titel ist schlicht der erfolgreichste Sporttitel von TTWO. All diese Spiele generieren Microtransaktionen und diese machen mittlerweile fast 60 % der Umsätze aus, was die globale Performance des Unternehmens antreibt. Und genau aus diesem Grund sollte man als Trader und Investor Gaming-Aktien immer auf der Watchlist haben. Denn abgesehen davon, dass sie einen Zukunftstrend abbilden, werden sie primär von kommenden AAA-Projekten bewegt. Neue Spiele haben hier tatsächlich das große Potenzial, bei den Unternehmen den Startschuss für eine frische Aufwärtsbewegung einzuleiten. Womit wir nun zu der angeschlagenen Aktie von Activision Blizzard (ATVI) zurückkehren.

Der Konzern hat in den vergangenen Jahren viel experimentiert und investierte viel Zeit und Kraft, um neue Trendrichtungen in der Gaming-Industrie aufzufangen. Hierzu zählen zahlreiche Initiativen rund um den E-Sports-Titel Overwatch, der Versuch eines eigenen Battle-Royal-Spiels auf Basis der bestens bekannten Spielserie Call of Duty sowie die angelaufene Konzernumstrukturierung. Activision hat wohl die Zeichen des modernen Zeitalters richtig erkannt und will viel stärker auf Mobile-Games setzen, da diese bei geringeren Entwicklungskosten sehr beständige und höhermargige Umsätze abwerfen. Entsprechende Titel der Reihen Diablo und Call of Duty sollen hier das zukünftige Wachstum entfachen.

Darüber hinaus arbeitet der Konzern stark daran, die bestehenden Franchises zu verbessern. Und genau hier haben wir nun eine sehr spannende Entwicklung, die die Aktie in der aktuellen Weihnachts- und Feriensaison richtig antreiben könnte. Eines der beliebtesten Spiele von Activision Blizzard war der Online-Klassiker World of Warcraft, das via Abo angeboten wird. Seinen Höhepunkt erreichte die WoW-Popularität 2009, als man rund 12 Millionen registrierte Spieler verzeichnete. Laut Statista sind die Spielerzahlen mittlerweile auf rund 2 Millionen gesunken. Und nun hat Activision Blizzard das 15 Jahre alte Spiel mit WoW Classic neu aufgelegt. Das Grundspiel und alle bislang veröffentlichten Erweiterungen sind also im Abo enthalten und können für 12,99 Euro pro Monat gespielt werden. Dabei wurde der Re-Release mit sehr großer Begeisterung seitens der umfangreichen WoW-Community aufgenommen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass rund 1,1 Millionen Menschen dem Release live auf der Streaming-Plattform Twitch folgten. Dies sorgt natürlich für die Fantasie, dass ATVI dieses Potenzial in den kommenden Perioden ganz geschickt, nach und nach in echtes Geld umwandeln wird. Wenn es Activision Blizzard schafft, die früheren Gamer erneut zu gewinnen und dazu neue Spieler aus der jüngeren Generation anzusprechen, kann dies einen unerwarteten Gewinnbeitrag generieren und damit zum Katalysator für den Aktienkurs werden. Und genau wegen dieser Spekulation sprang die Aktie zuletzt an. Denn damit hellt sich das Gesamtbild rund um Activisions Umsatzquellen weiter auf.

Ein weiterer Erfolg könnte hier schon im November mit dem Release des neuen Call of Duty kommen. Denn CoD wird in diesem Jahr endlich eine mehr oder weniger brauchbare Solo-Kampagne haben. Und hier findet offensichtlich der lang erwartete Reboot statt, weil man alte und sehr beliebte Spielcharaktere mit Kultstatus wie Cpt. Price und John „Soap“ MacTavish reanimieren wird. Damit steigen die Chancen, dass das am 25. November kommende CoD endlich mal ein Hit wird, zumal der Multiplayer ohnehin positiv von der CoD-treuen Community aufgenommen werden dürfte.

Eine weitere Aktie, die zum größten Teil von der globalen Entwicklung in der Gaming-Industrie abhängig ist und angesichts der angeschlagenen charttechnischen Situation sehr attraktiv erscheint, ist der mit rund 104 Mrd. USD kapitalisierte Chiphersteller NVIDIA (NVDA). Und obwohl NVIDIA-Chips in selbstfahrenden Autos, Rechenzentren etc. verbaut werden und für eine hohe Rechenstärke sorgen, generiert das Unternehmen den Großteil seiner Umsätze mit dem Verkauf von leistungsstarken Grafikkarten. Dies wurde auch aus den letzten Quartalszahlen ersichtlich, obwohl sie immer noch besser als vom Konsens erwartet ausgefallen waren. Was die Geschäftsentwicklung aktuell sehr stark belastet, ist die temporäre Schwäche des Grafikkartengeschäfts. Und diese resultiert aus der Kombination des verflogenen Kryptowährungs-Schürf-Hypes und der Tatsache, dass die Gaming-Industrie in diesem Jahr in Sachen neue, im Sinne der Grafik anspruchsvollen Games bis jetzt nichts zu bieten hatte. Und genau deswegen fällt auch der eigentliche Hardware-Upgrade-Zyklus bei den Grafikkarten mehr oder weniger aus.  

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Im Großen und Ganzen fehlt der Aktie der entscheidende Newsimpuls, der die Wachstumsfantasie erneut entfacht. Zumal globale Zukunftstrends rund um das selbstfahrende Auto, IoT, BigData, Cloud Computing etc., bei denen NVIDIAS Hardware verstärkt zum Einsatz kommt, weiterhin vollkommen intakt sind und mit der voranschreitenden Digitalisierung und einer immer schnelleren Internetverbindung kontinuierlich an Schwung gewinnen.  

Das Quartalsergebnis verdeutlichte also einmal mehr, dass der eigentliche Ausbruch und der darauffolgende Aufwärtstrend hier erst mit dem Aufschwung im Chipsektor starten wird. Denn dieser dürfte von einem wachsenden Einsatz der Halbleiter in autonomen Fahrzeugen sowie der KI-Infrastruktur getragen sein. Hinzu kommt der Ausbau des eigenen Datacenter-Business, bei dem man zuletzt den Netzwerkausrüster Mellanox (MLNX) für 7 Mrd. USD übernommen hat. Das israelische Unternehmen spezialisiert sich auf integrierte Schaltkreise für Server, Telekommunikationsinfrastruktur-Equipment und Speichersysteme. Insgesamt gilt man als Spezialist für IC-Lösungen für High-Speed-Internet-Zugänge, Telekom-Equipment und Data-Storage-Solutions. Für Wachstumsfantasie sorgt hier die innovative Herangehensweise an die Produktentwicklung. Mellanox bietet nämlich Lösungen für höchsten Datendurchsatz und niedrigste Latenz in Ethernet-Verbindungen. Das heißt: schnellere Datenlieferung sowie bessere System- und Programmperformance. Vor allem in den Bereichen Cloud-Computing und Networking hat man sich mit neuen Produkten wie dem 100-Gigabit-Switch gegenüber Wettbewerbern einen deutlichen Vorsprung verschafft. Damit befindet man sich auch in einem sehr profitablen Wandel hin zu einem Schlüsseltechnologie-Lieferanten im Bereich von High-Performance-Computing, was zusätzliche Wachstumschancen für NVDA eröffnen dürfte. Weitere Wachstumstreiber werden wohl das Cloud-Gaming sowie Ray-Tracing sein, zumal Ende 2019 – Anfang 2020 einige AAA-Spiele auf den Markt kommen. 

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Schließlich ist da die Aktie des mit rund 2,05 Mrd. USD kapitalisierten Konzerns Kratos Defense (KTOS). Das Unternehmen ist auf innovative Kampf- und Sicherheitstechnologien spezialisiert. Zur umfassenden Produktpalette gehören bspw. Lösungen und Services für die nationale Sicherheit der USA. Zum Kundenstamm von Kratos zählen die US Army, die US Air Force, die US Navy, NASA, die Defense Logistics Agency (DLA) und das US Department of Homeland Security. Hinzu spezialisiert man sich auf die Entwicklung und Herstellung von Kampfdrohnen wie die UTAP-22 Mako und XQ-58 Valkyrie, die mittlerweile von den Streitkräften getestet werden. Für das innovative Potenzial und eine zukunftsträchtige Ausrichtung spricht auch die jüngste Ankündigung einer Mixed-Reality-Training-Plattform für das Militär. Gleichzeitig wird das Know-how auch auf kommerzieller Ebene angeboten. Damit bekommt man ein sehr effektives und vor allem kostengünstiges Instrument zur sicheren, aber dennoch realen Simulation verschiedener Kampfbedingungen vor Ort, was bei den Streitkräften auf große Nachfrage treffen sollte. Das große Wachstumspotenzial lauert aber weiterhin in dem andauernden Wandel des US-Militärs und der Tatsache, dass man schon bald verstärkt auf kostengünstige Luft- und Kampfdrohnen von Kratos umsteigen könnte. 

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Was den Wert zuletzt am Tag nach dem globalen Sell-Off bewegte und zur Aufnahme einer Erholungsbewegung animierte, war zunächst das Rating-Upgrade von Neutral auf Buy samt einer signifikanten Kurszielerhöhung von 24 auf 26 USD durch Goldman, wobei Cannacord seine Buy-Rating-Einstufung mit dem Kursziel von 28 USD bestätigte. Und hier muss man folgendes beachten: Die allgemeine Kursschwäche resultierte zuletzt im Wesentlichen aus der schwächeren Prognose für Q3, wobei man in Q2 die Erwartungen übertroffen hatte. Dies passierte, weil das Unternehmen einige Aufträge früher als erwartet abschließen konnte. Folglich verbesserte man sich bei den operativen Ergebnissen in Q2, fiel jedoch schwächer bei der offerierten Prognose für Q3 aus, was kurzfristig veranlagte Anleger und Trader entsprechend verschreckte. Was hier jedoch gespielt wird und warum die Analysten die Aktie weiterhin zum Kaufen mit derartigen Kurszielen empfehlen, ist im Wesentlichen die Spekulation, dass Kratos relativ bald einen Großauftrag zur Lieferung von bspw. Kampfdrohnen des Typs XQ-58A Valkyrie seitens des Pentagon bekommen könnte. Denn im globalen Sinne profitiert der Konzern von der zunehmenden Tendenz moderner Streitkräfte, automatisierte und weitgehend unbemannte Kampfsysteme gerade in der Air Force einzusetzen. Hinzu kommt noch eine durchaus lange Liste zukünftiger Wachstumsprogramme militärischer Bestimmung, die in den kommenden Jahren zu einem organischen Umsatzwachstum führen könnten. Dies wäre natürlich der Beginn einer neuen Wachstumsstory, falls der Konzern bis dahin nicht übernommen wird.

 

Viel Erfolg und seien Sie profitabel!

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