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DFL-Chef - Bundesliga muss den Gürtel enger schnallen

17.09.2020 um 11:47 Uhr

München (Reuters) - Die Fußball-Bundesliga schnallt den Gürtel nach dem Corona-Schock enger.

"Wir sehen eine deutlich gestiegene Aufmerksamkeit bei den Klubs für Liquidität und Kostenbewusstsein", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert, am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Münchner Club Wirtschaftspresse. Die Vereine müssten in der Coronakrise nicht nur mit weniger Zuschauern rechnen, sondern auch mit geringeren Transfererlösen, die zuletzt 16 Prozent der Einnahmen ausmachten. "Da wird es signifikante Rücksetzer geben - das ist absehbar. Das wird die nächsten ein bis zwei Jahre so bleiben", glaubt Seifert. Wettmachen lasse sich das am einfachsten über die Personalkosten, also die Spielergehälter.

Viele Bundesligaklubs hätten an der Kostenbasis geschraubt. Insolvenzen, wie sie im Frühjahr einer ganzen Reihe der 36 Profivereine drohten, seien aber nicht zu erwarten: "In dieser Saison haben wir keine Anzeichen, dass das passieren wird. Die Bundesliga kommt da durch."

Die Bundesliga hatte Mitte März den Spielbetrieb wegen der Corona-Infektionsgefahr eingestellt, ihn aber zwei Monate später als erste der großen Ligen in Europa mit "Geisterspielen" wieder aufgenommen - der Fernseheinnahmen wegen. "Wir mussten wieder auf die Bildschirme", sagte Seifert. Denn davon hingen auch die Sponsoring-Einnahmen ab, mit denen sich die Klubs im Schnitt zu 30 Prozent finanzieren. Zu Beginn der neuen Saison am Wochenende dürfen bis zu 20 Prozent der Plätze in den Bundesliga-Stadien besetzt werden - früher als die DFL erwartet hatte. "Wir haben die Klubs aufgefordert, bis Jahresende ohne Zuschauer zu planen", sagte Seifert.

OFFEN FÜR ÄNDERUNGEN AN "50+1"

Bei den Medieneinnahmen, mit mehr als 30 Prozent im Schnitt die wichtigste Einnahmequelle der Vereine, seien in der Saison 2020/21 Einbußen von weniger als zehn Prozent zu erwarten - vor allem aus der Vermarktung im Ausland, wo einige Fernsehsender in Schwierigkeiten seien. Insgesamt fehlten den 36 Vereinen der 1. und 2. Bundesliga damit 100 bis 150 Millionen Euro. "Das ist nicht existenzgefährdend." Anders als bisher werde die DFL die Fernsehgelder aber nicht in vier Tranchen pro Saison auszahlen, sondern in kürzeren Abständen, abhängig von den ausgetragenen Spielen.

Für Seifert ist die Coronakrise ein "heilsamer Schock". Sie habe einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt, dass der Fußball ein Wirtschaftsbetrieb mit mittelständischen Firmen ist. "Das hat man immer so verschämt verschwiegen. Erfolg im Sport wird an Ergebnissen gemessen, nicht an Renditen." Die Zeit für radikale Reformen im Profifußball sei nicht gekommen. "Mitten in der Krise wäre der falscheste Zeitpunkt, sich von der 50+1-Regel zu trennen", sagte der DFL-Chef. Sie verbietet neuen Investoren, die Mehrheit der Stimmrechte an einem der 36 Bundesligisten zu übernehmen. Grundsätzlich wäre Seifert durchaus aufgeschlossen für Änderungen an 50+1: "Ich wäre aber nie für eine ungeregelte Öffnung. Es müsste klare Spielregeln geben."

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