Reuters

"Daylong"-Hersteller gibt Startschuss für milliardenschweren Börsengang

06.03.2024
um 14:57 Uhr

Zürich/Frankfurt (Reuters) - In der Schweiz steht der größte Börsengang seit 2017 an.

Der Hautpflege-Konzern Galderma gab am Mittwoch den Startschuss für ein Initial Public Offering (IPO) an der SIX. Mit einem Platzierungsvolumen von 2,3 Milliarden Dollar dürfte Galderma damit zu einem der größten Börsengänge in Europa in diesem Jahr werden. Mit dem Erlös will der Hersteller der Sonnencreme-Marke "Daylong" Schulden abbauen. Galderma könnte nach Aussage eines Insiders einschließlich Schulden auf einen Firmenwert von insgesamt 17 Milliarden Dollar kommen.

"Die Aussichten für 2024 und mittelfristig sind sehr gut, und gemeinsam mit den Eigentümern sind wir der Meinung, dass dies ein sehr guter Zeitpunkt ist, um den nächsten natürlichen Schritt für das Unternehmen zu machen", erklärte Konzernchef Flemming Ørnskov. Einen genauen Zeitpunkt für den Schritt nannte das im Mehrheitsbesitz des schwedischen Finanzinvestors EQT stehende Unternehmen nicht, doch Ørnskov sagte zur Nachrichtenagentur Reuters: "Es besteht eine reelle Chance, den Börsengang noch vor Ostern abzuschließen, das ist der Plan für die nächsten Wochen."

Die Firma mit rund 6500 Mitarbeitern wuchs zwischen 2019 und 2023 um jährlich durchschnittlich 11,9 Prozent und erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 4,1 Milliarden Dollar. Der gesamte, inzwischen 87 Milliarden Dollar schwere Dermatologiemarkt kam im selben Zeitraum auf ein Wachstum von rund sieben Prozent.

Galderma bietet neben Sonnenschutzmitteln und Produkten gegen Hautalterung auch Arzneimittel gegen Akne, Schuppenflechte oder Hautkrebs an und ist in rund 90 Ländern tätig. Je nach Geschäftsbereich gehören der Botox-Hersteller Allergan, der Kosmetikkonzern L'Oreal und das Pharmaunternehmen Sanofi zu den Wettbewerbern.

KEIN SELBSTLÄUFER

Galderma war 2019 vom Nahrungsmittel-Konzern Nestle abgespalten und für 10,2 Milliarden Franken an ein von EQT geführtes Konsortium verkauft worden, dem auch die Staatsfonds GIC aus Singapur und die Abu Dhabi Investment Authority angehören. Alle drei wollen investiert bleiben, so Ørnskov. Galderma peile vor allem ein Wachstum aus eigener Kraft an, schloss aber auch kleinere Zukäufe nicht aus. Für das laufende Jahr hat sich die Gesellschaft ein Umsatzplus von sieben bis zehn Prozent bei einer stabilen Ergebnismarge vorgenommen. 2023 erzielte Galderma ein bereinigtes operatives Ergebnis von 942 Millionen Dollar entsprechend einer Umsatzmarge von 23,1 Prozent.

"Die Anleger mögen Unternehmen mit einem defensiven Geschäftsmodell und guten Margen, deshalb gehe ich davon aus, dass Galderma auf Interesse stoßen wird", sagte Stephan Sola, Manager des Plutos Schweiz Fonds. Angesichts der Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Leitzinsen und der weltweiten Konjunktur sei das IPO aber kein Selbstläufer.

Angeboten werden vor allem neue Aktien sowie eine kleinere Tranche von bestehenden Titeln aus dem Bestand von EQT. Federführend bei dem Deal sind die Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley und UBS. Das letzte etwas größere IPO an der SIX war das Stromzähler-Unternehmen Landis+Gyr, das 2017 rund 2,3 Milliarden Franken einsammelte. Experten gehen davon aus, dass ein erfolgreicher Börsengang von Galderma eine Signalwirkung auf weitere Kandidaten in Europa haben könnte. Auch die deutsche Parfümeriekette Douglas strebt noch vor Ostern zurück an den Aktienmarkt. "Mit den bevorstehenden US-Wahlen wird die Volatilität im Laufe des Jahres wahrscheinlich zunehmen, sodass das Zeitfenster für Transaktionen im Laufe des Jahres enger wird - Volatilität ist Gift für IPO-Prozesse", sagte ein mit dem Deal vertrauter Banker.

(Bericht von Oliver Hirt, Emma-Victoria Farr und Pablo Mayo Cerqueiro. Redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

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