Der Vormarsch der digitalen Zahlungsabwickler!

04.08.2017 um 15:30 Uhr

Handy raus, App an, jetzt nur noch den Rechnungsbetrag via Fingerabdruck bestätigen und schon ist der Einkauf bezahlt oder eine Geldüberweisung getätigt. Genauso, oder so ähnlich, wird der gewöhnliche Bezahlprozess in der näheren Zukunft aussehen. Keine lästigen Portemonnaies mehr in den Taschen, keine zwingende Notwendigkeit, genug Bargeld mitführen zu müssen, und bald dürfte das klassische Papier- und Metallgeld überflüssig sein und abgeschafft werden. Wer den Anfang dieser Entwicklung verschlafen hat, herzlich willkommen im neuen, hochtechnologischen und digitalen Zeitalter!

Der Wandel zum digitalen Geldverkehr begann mit der Einführung von elektronischen Kreditkarten, die seit der späteren zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren festen Platz in fast jedem Portemonnaie gefunden haben. Einen weiteren Entwicklungsschub bekam diese Entwicklung mit der globalen Vernetzung via Internet. Eine katalysierende Rolle spielte der technologische Fortschritt, der den Surfprozess im World Wide Web via Breitbandverbindung zum megaschnellen Erlebnis machte. Plötzlich waren die aufgerufenen Seiten oder Fotos und Videos sofort verfügbar. Die höhere Datenübertragungsrate ermöglichte den Internethandel und so war der E-Commerce geboren. Ab diesem Zeitpunkt war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Payment-Anbieter ihre Dienste ins Internet verlagern. Es entstanden Online-Payment-Plattformen, die als Mittler zwischen dem jeweiligen E-Commerce-Händler und klassischen Bankinstituten fungieren. Das beste und wohl bekannteste Beispiel dafür ist PayPal, das im Jahr 2000 aus dem Zusammenschluss der Finanzdienstleister Confinity und dem von Elon Musk gegründeten X.com hervorging.  

Aktuell dringen die Payment-Services immer stärker in den Mobile-Bereich. Zahlreiche Apps stehen mittlerweile zur Verfügung. Damit ist es nun möglich, ein sicheres und sehr bequemes Payment-System überall dabei zu haben und bei Bedarf Einkäufe oder ähnliches mobil erledigen zu können, ohne dabei auf einen PC oder Laptop angewiesen zu sein. Eine sehr praktische und bequeme Alternative zu dem klassischen Geldaustausch, die immer stärker an Popularität gewinnt und immer tiefer in das soziale Leben eindringt.

Wo die Reise der digitalen Payment-Systeme hingehen könnte, hat man in den vergangenen Monaten deutlich gesehen, als digitale Währungen wie BitCoin und Co. plötzlich in die Höhe schossen. Daher rechnet der wöchentliche TrendScout fest damit, dass die nächste digitale Payment-Transformation das klassische Geld betreffen wird, was letztendlich zum vollständigen Umstieg auf E-Money führen dürfte. Bis es aber soweit ist, schauen wir uns die Topprofiteure der aktuellen Branchenentwicklung an, zumal ihre Aktien immer stärker in den Fokus der Marktteilnehmer geraten.

Den Anfang macht heute der mit rund 12,22 Mrd. USD kapitalisierte Zahlungsabwickler Vantiv (VNTV), der sich auf Services für den Einzelhandel und den Bankensektor spezialisiert. Das Unternehmen sorgte vor rund einer Woche mit der Nachricht über die Akquisition seines britischen Rivalen Worldpay für Aufmerksamkeit und weckte damit das Anlegerinteresse am Trend Payment-Systeme.

Geboten werden insgesamt 7,7 Mrd. GBP. Beide Unternehmen erhoffen sich nach dem Zusammenschluss erhebliche Synergien sowie zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten. Nähere Details wurden zunächst nicht bekannt. Diese Übernahme soll als defensiver Schachzug betrachtet werden. Worldpay ist ein weltweit führender Anbieter von Technologien und Lösungen zur Zahlungsabwicklung für Handelskunden. Die Geschäftsaktivitäten sind in die Divisionen Globale eCom, Worldpay Großbritannien und Worldpay US strukturiert. Insgesamt betreut der Konzern mehr als 400.000 Kunden weltweit und erwirtschaftete bspw. 2016 einen Umsatz von 4,5 Mrd. GBP. Angeboten werden mehr als 300 verschiedene Zahlungsverfahren in mehr als 120 Währungen und das in rund 140 Ländern weltweit. Damit erwirbt Vantiv nicht nur wichtige Expertise, sondern auch ein weitverzweigtes Kundennetzwerk. Damit würde man im ersten Schritt die eigene Position in den Kernregionen wie den USA, Europa, Südamerika und in der asiatisch-pazifischen Region wesentlich stärken. Gleichzeitig wird damit das Fundament für Wachstum vorbereitet.

Fundamental betrachtet ist der Konzern gut aufgestellt und seine Aktie verbleibt schon seit mehreren Jahren in Folge in einem beständigen Aufwärtstrend. Auch Umsatz und Gewinn werden seit mehreren Jahren in Folge bei einer Eigenkapitalrentabilität von rund 17 % gesteigert. Im vergangenen 1. Quartal konnte man mit besser als erwarteten Zahlen aufwarten. Dabei stieg der Q1-Umsatz im Vergleich zum Vorjahreswert um etwa 13,4 % auf 470 Mio. USD (Konsens: 469,79 Mio. USD). Das EPS von 0,68 USD lag ebenfalls über den erwarteten 0,65 USD. Im Anschluss kommunizierte man eine besser als erwartete Q2- und FY17-Prognose. Das EPS17 wird im Bereich von 3,22–3,29 USD (Konsens: 3,20 USD) bei einem Umsatz von 2,08–2,12 Mrd. USD (Konsens: 2,11 Mrd. USD) erwartet. Für 2018 rechnet der Konsens mit einer weiteren EPS-Steigerung auf 3,66 USD und 2019 werden bereits 4,10 USD je Aktie erwartet. Damit läge das KGVe18 bei etwa 17,4.  

Der eigentliche Star, der nach der Ankündigung des Vantiv-WorldPay-Deals wieder ins Rampenlicht geriet, ist der mit rund 66,06 Mrd. USD kapitalisierte Online-Payment-Dienstleister PayPay (PYPL).

Fundamental betrachtet ist der Konzern ebenfalls gut aufgestellt, um in der extrem wettbewerbsintensiven Branche profitieren zu können. Die Strategie, die das Konzernmanagement gewählt hat, basiert auf einer Vielzahl von Partnerschaften. Damit soll das eigentliche Wachstum forciert werden. VISA (V), MasterCard (MA) und Google (im Rahmen des Android-Pay-Systems) – alle sind mittlerweile Kooperationspartner von PYPL.  

Was hier neben dem Vantiv-Worldpay-Deal für zusätzliches Aufsehen sorgte, war die Ankündigung einer Kooperation mit Apple (AAPL). Der iPhone-Konzern hat die Verfügbarkeit von PayPal-Bezahlmöglichkeit in AppStore, iTunes etc. angekündigt. Ob es nun um den Kauf von Apps, Musik, iBooks oder Filmen geht, man hat jetzt auch als Apple-Kunde eine weitere, sinnvolle Payment-Variante. Bisher unterstützte Apple nur die Optionen Kreditkarte und Handyrechnung. Gleichzeitig möchte PayPal zusätzlich seinen OneTouch-Dienst für iOS-Geräte anbieten. Die Kunden sollen eingeloggt bleiben und nicht bei jedem Kauf ihr Passwort erneut eingeben müssen. Für PayPal ist es eine weitere wichtige Partnerschaft, die seine Marktexpertise unterstreicht und für zusätzliche Erlöse sorgen dürfte. Die Neuerung haben Apple und PayPal jetzt gemeinsam in zwölf Ländern eingeführt. Lange genug hat AAPL versucht mit seinem eigenen Payment-Dienst mit PayPal zu konkurrieren. Nun gibt man nach.

Eine weitere positive Nachricht kam vom Tankstellenbetreiber und Mineralölkonzern Shell. Der Konzern hat sich dazu entschieden, eine PayPal-Anbindung in seiner App zu ermöglichen. In der Zukunft soll es also via SmartPay-Option möglich sein, den Tankvorgang direkt zu bezahlen. Dazu muss der Kunde die Anwendung lediglich mit seinem PayPal-Konto verbinden. Die neue Bezahloption befindet sich aktuell in der Testphase und soll in Deutschland im 4. Quartal 2017 eingeführt werden. Für Wachstumsfantasie sorgt hier der E-Commerce-Gigant Amazon. Sollte AMZN irgendwann PayPal auf seiner Plattform zulassen, wäre dies für PYPL ein Riesenerfolg.

Im Mobile-Payment-Trend ist der Konzern mit seiner Payment-App Venmo ebenfalls gut positioniert und profitiert mittlerweile von der dynamischen Entwicklung. Venmo hat in den letzten zwei Jahren ein explosionsartiges Wachstum hingelegt. Das Transaktionsvolumen des vergangenen Quartals stieg mittlerweile auf 6,8 Mrd. USD. Im Vergleich zum Vorjahreswert wäre dies ein Plus von rund 114 %. Als Wachstumstreiber fungiert hier im Wesentlichen das Vertrauen der Konsumenten. Und je mehr Menschen auf Mobile-Payment-Lösungen vertrauen, desto profitabler wird es für PayPal. Auch die Wettbewerbssituation ist in diesem Marktsegment um einiges geringer als bei den Online-Payments. Der Mobile-Payment-Markt befindet sich noch ganz am Anfang. Mit dem gewonnenen Vertrauen wird sein Volumen wohl aber in den nächsten Jahren explodieren dürfen.  

PayPal verfügt mit seiner Online-Plattform und Venmo-App durchaus über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten im Bezahlmarkt, der Wachstum garantieren dürfte. Dafür spricht auch seine mehr als 200 Millionen starke Kundenbasis. Die Entwicklung im vergangenen Quartal hat es erneut bewiesen. Die Q1-Zahlen waren besser als erwartet. Der Q1-Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreswert um fast 17 % auf 2,98 Mrd. USD (Konsens: 2,94 Mrd. USD). Das EPS von 0,44 USD lag ebenfalls über den erwarteten 0,41 USD. Die Anzahl von Payment-Transaktionen stieg um 23 % auf 1,7 Mrd. und das Transaktionsvolumen erhöhte sich um 23 % auf 99 Mrd. USD. Für 2017 rechnet der Konsens mit einem EPS von 1,78 USD. 2018 werden bereits 2,12 USD erwartet. Damit läge das KGVe18 bei etwa 25.

Ein weiteres Unternehmen, das angesichts der positiven Nachrichtenlage um Vantiv und PayPal stärker in den Fokus rückt, ist der mit rund 9,64 Mrd. USD kapitalisierte Mobile-Payment-Provider Square (SQ).  

Der Vantiv-Worldpay-Deal hat Übernahmefantasien wiederaufleben lassen und so gab es hier in der vergangenen Woche einen Interessanten Kommentar von Loop Capital, der die SQ-Aktie direkt auf ein neues Allzeithoch beförderte. Der Analyst geht davon aus, dass Square zum Übernahmeziel von PayPal werden könnte. Man spekuliert sogar darüber, dass das mögliche Übernahmeangebot je Aktie bei bis zu 30 % über dem aktuellen SQ-Aktienpreis liegen könnte.

Fundamental betrachtet würde diese Übernahme durchaus Sinn ergeben. Denn PYPL befindet sich als Online-Payment-Dienstleister in einem extrem wettbewerbsintensiven Branchen-Umfeld und versucht sich durch seine Payment-App Venmo in Richtung Mobile-Payment-Solutions zu diversifizieren. Mit der Übernahme von Square würde man die Mobile-Sparte wesentlich verstärken, zumal Square als Unternehmen sehr gut performt und sich in einer anhaltenden Wachstumsphase befindet.

Und das Wachstumspotenzial dürfte hier durchaus groß sein. Square spezialisiert sich auf Services für kleine und mittlere Unternehmen und bedient aktuell rund 2 % des potenziellen Markts. Konzerneigenen Angaben zufolge gibt es allein in den USA rund 21 Millionen KMU-Unternehmen, die einen Transaktionen i. H. v. rund 6 Bill. USD generieren. Etwa die Hälfte davon entfällt auf Debit- und Kreditkarten. Für Square heißt dies, dass das mögliche Transaktionspotenzial bei bis zu 3 Bill. USD liegen könnte. Angesichts des jährlichen SQ-Transaktionsvolumens von 56 Mrd. USD besteht hier ein sehr großes Wachstumspotenzial, das Square erst für sich entdecken muss und lernen muss, es entsprechend zu kommerzialisieren.

Im vergangenen 1. Quartal machte die SQ-Aktie mit besser als erwarteten Zahlen auf sich aufmerksam. Dabei stieg der Q1-Umsatz im Vergleich zum Vorjahreswert um 21,7 % auf 462 Mio. USD (Konsens: 450,67 Mio. USD). Das EPS (Verlust) von -0,04 USD fiel ebenfalls kleiner aus als die erwarteten -0,08 USD. Das Transaktionsvolumen stieg um 33 % auf insgesamt 13,6 Mrd. USD. Im Anschluss kommunizierte Square?eine besser als erwartete Q2-Guidance und hat seine FY17-Gewinnoprognose angehoben. Für 2018 rechnet der Konsens mit einem EPS-Verlust von -0,02 USD je Aktie. 2019 wird aber bereits ein Gewinn i. H. v. 0,18 USD je Aktie erwartet.

Abschließend bleibt nur noch zu erwähnen, dass sich der Payment-Trend auf ganz unterschiedliche Arten spielen lässt. Was allerdings die Gesamtmarktdynamik betrifft, so ist hier aktuell ein starker Kapitalfluss in Payment-Aktien zu beobachten.  

Square und PayPal sind bereits auf neue 52-Wochen-Hochs gezogen. Wenn Sie also ein konservativer Anlegertyp sind, so lohnt es sich in Richtung beider etablierten Kreditkartenanbieter MasterCard (MA) sowie Visa (V) zu schauen. Die beiden Aktien hinterlassen einen bullischen Eindruck, sodass sie ihre Konsolidierungen am 52-Wochen-Hoch zeitnah beenden könnten. Fundamental betrachtet befinden sich beide Unternehmen weiterhin in der Wachstumsphase, da ihre Dienstleistungen, aber auch Kreditkartenlösungen immer tiefer in die Märkte von aufstrebenden Ökonomien der asiatisch-pazifischen Region dringen und immer populärer werden. In Europa und in den USA ist es der Wandel zum digitalen Geldverkehr, von dem beide Konzerne entsprechend profitieren, denn die Kreditkarte ist ja meist mit den digitalen Payment-Plattformen wie PayPal verbunden. Fundamental konnten sowohl Visa als auch MasterCard mit soliden Zahlen überzeugen und verzeichneten einen Anstieg im Transaktionsvolumen.

Von den weiteren Zahlungsabwicklern sollte man unbedingt die Aktie von Global Payments (GPN) im Blickfeld haben. Der Konzern gilt als einer der führenden Anbieter von Zahlungsabwicklungsplattformen und kann daher ebenfalls vom zunehmenden bargeldlosen Zahlungsverkehr und vom Megatrend Mobile-Payment?überdurchschnittlich profitieren. GPN bietet ein breites Spektrum von verschiedenen Payment-Lösungen sowie Transaktionsdienstleistungen zu Konzernen wie American Express, UnionPay International, Discover Card, JCB, MasterCard und Visa an.

Risikofreudige Trader sollten sich die Aktie des mit rund 1,21 Mrd. USD kapitalisierten Konzerns Qiwi (QIWI) anschauen. Das Unternehmen ist ein russischer Zahlungsdienstanbieter, der von der zunehmenden Popularität von Online- und Mobile-Bezahldiensten in den ehemaligen GUS-Staaten profitiert. Für Wachstumsfantasie sorgt hier die u. U. zukunftsträchtige Orientierung auf die BitCoin-Technologie. Um das Ziel zu erreichen, kaufte Qiwi bereits das BlockChain-Startup Inspirasha. Die Einzelheiten sind allerdings unbekannt. Der Konzern ist aber bereits für seine ambitionierten Pläne bekannt. 2015 schlug man z. B. vor, eine Kryptowährung mit dem Namen BitRuble, die durch Rohstoffe gedeckt werden sollte, zu veröffentlichen. Was die Integration der BlockChain-Technologie angeht, so ist diese bereits im vollen Gange.

Die TrendScout-Redaktion wünscht Ihnen wie immer viel Erfolg und seien Sie profitabel!

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