Reuters

Insider - Bahn erwartet mehr als zehn Gebote für Spedition Schenker

06.03.2024
um 17:42 Uhr

- von Markus Wacket

Berlin (Reuters) - Die Deutsche Bahn[DBN.Ul] rechnet für den milliardenschweren Verkauf ihrer internationalen Speditions-Tochter Schenker einem Insider zufolge mit über zehn ernsthaften Interessenten.

"Ich glaube, dass es zweistellig sein wird", sagte ein mit dem Verkauf Vertrauter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Erste Angebote mit Preisen müssen bis Ende März abgegeben werden. Danach wolle man die Auswahl deutlich reduzieren. "Ich denke aber, es werden noch mehr als zwei bis drei sein", sagte der Insider. Eine Unterschrift unter das Geschäft erwarte er für die zweite Jahreshälfte. Formal werde der Verkauf dann 2025 unter Dach und Fach sein. Branchenkreisen zufolge wird ein Kaufpreis zwischen 12 und 15 Milliarden Euro erwartet.

Die Bahn hatte Schenker vor 20 Jahren für rund 2,5 Milliarden Euro erworben, und auf Synergien mit der Schienen-Sparte gehofft. Diese traten aber kaum ein. Schenker hat weltweit über 70.000 Mitarbeiter in rund 130 Ländern und rund 15.000 in Deutschland.

Die Bahn will Schenker verkaufen, um sich auf das Kerngeschäft der Eisenbahn in Deutschland zu konzentrieren und die Schuldenlast von mehr als 30 Milliarden Euro abzubauen. Schenker ist in den vergangenen Jahren allerdings der wichtigste Gewinnlieferant für die Bahn gewesen. Die hohen Frachtraten in der Corona-Zeit hatten 2022 zu einem Rekordgewinn bei Schenker von gut 1,8 Milliarden Euro geführt. Konzernunterlagen zufolge, die Reuters vorliegen, werden es 2023 aber nur noch knapp über eine Milliarde sein und auch 2024 wird demnach das Ergebnis nicht höher ausfallen. Der Insider bestätigte die Zahlen und sprach von einem Betriebsgewinn von 1,1 Milliarden Euro und gut 19 Milliarden Euro Umsatz. Schenker wird es damit nicht mehr gelingen, die Verluste der übrigen Bahn-Sparten auszugleichen, so dass für 2023 unterm Strich ein Milliarden-Verlust für den Staatskonzern stehen wird.

INSIDER: GESCHÄFT 2024 GUT ANGELAUFEN

Das weltweite Schenker-Geschäft mit See-, Luft- und Landfracht sei 2024 jedoch stärker angelaufen als erwartet, die Prognose für das Gesamtjahr wolle Schenker deswegen aber noch nicht ändern, sagte der Insider. An Interessenten mangelt es Branchenkreisen zufolge nicht: Genannt werden immer wieder zum einen Schenker-Rivalen wie die dänische Spedition DSV oder die Reederei Maersk< sowie Finanzinvestoren wie Blackstone, Advent, CVC und Carlyle. Auch der Paketzustelldienst UPS gilt als möglicher Kaufkandidat. Dagegen hat die deutsche DHL angekündigt, kein Angebot abzugeben. Es gebe für sie bessere Übernahmeziele als Schenker.

Als mögliche Käufer gelten zudem Investoren aus dem arabischen Raum, häufig über ihre Staatsfonds. Sofern sie die rechtlichen Anforderungen erfüllten, etwa nicht auf internationalen Sanktionslisten stünden, können auch sie sich dem Insider zufolge bewerben. "Die Bahn will einen maximalen Verkaufspreis erzielen." Genant werde unter anderem der Fonds ADQ aus Dubai sowie der saudi-arabische Logistiker Bahri.

Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass ein Konkurrent etwas mehr für Schenker zahlen dürfte als ein Finanzinvestor. Hintergrund ist, dass eine Spedition wie DSV durch Arbeitslatzabbau und einheitlich IT-System über Jahre erheblich einsparen könnte. Auf der anderen Seite dürfte dies bei der Gewerkschaft Verdi vor allem in Deutschland auf Widerstand stoßen. Insider mit Kenntnis der Verkaufsunterlagen sagten, die dort verlangten Zusicherungen etwa zu Sozialstandards oder Garantien für Standorte seien überschaubar. Auf der anderen Seite wurde von einem mit dem Prozess Vertrauten aber darauf hingewiesen, dass es mit Arbeitnehmervetretern von Schenker im Vorfeld eine Abstimmung gegeben habe.

(Mitarbeit: Matthias Inverardi und Emma-Victoria Farr; redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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